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Der überraschende Tod des bayerischen Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger im Alter von nur 55 Jahren hat in ganz Bayern und besonders im Allgäu große Bestürzung ausgelöst. Zahlreiche politische Weggefährten aus der Region zeigen sich in Gesprächen mit AllgäuHIT fassungslos. Sie erinnern an einen außergewöhnlich engagierten, bodenständigen und streitbaren Politiker, der den direkten Kontakt zu den Menschen suchte. Das vorläufige Obduktionsergebnis liefert unterdessen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden.

Hubert Aiwanger war am Mittwoch überraschend in Berlin gestorben. Der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler hatte sich zur Eröffnung der neuen Hauptstadt-Repräsentanz seiner Partei in Berlin aufgehalten. Eigentlich hätte er dort selbst eine Rede halten sollen. Weil er sich nicht wohlfühlte, blieb er jedoch in seinem Hotelzimmer.
Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft ergab die vorläufige Obduktion keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen stehen noch aus. Eine gesicherte Todesursache wurde bislang nicht mitgeteilt.
Der Tod des 55-Jährigen hinterlässt nicht nur in der bayerischen Staatsregierung eine große Lücke. Gerade im Allgäu, wo Aiwanger regelmäßig unterwegs war und zahlreiche persönliche Kontakte pflegte, ist die Betroffenheit groß.
Besonders eng mit Aiwanger verbunden war die Allgäuer Landtagsabgeordnete Ulrike Müller aus Missen-Wilhams. Beide zogen 2008 gemeinsam in den Bayerischen Landtag ein und bauten die damalige Oppositionsfraktion der Freien Wähler mit auf.
Die Nachricht von seinem Tod erreichte Müller am Mittwochabend über Digitalminister Fabian Mehring. Im Interview mit AllgäuHIT ringt sie um Worte.
„Ich bin wirklich tief erschüttert und unendlich traurig. Und es ist kaum zu begreifen, dass der Hubert nicht mehr bei uns ist“, sagt Müller.
Über zwei Jahrzehnte habe sie Aiwanger als politischen Mitstreiter und Menschen kennengelernt. Er habe polarisiert, sei mitunter unbequem gewesen und habe häufig ausgesprochen, was andere lieber für sich behalten hätten. Gleichzeitig sei er ein Mensch mit dem Herzen am richtigen Fleck gewesen.
„Er hat natürlich unsere Partei geprägt wie kein anderer. Er ist der Kopf. Er hat uns zusammengehalten“, erinnert sich Müller.
Aiwanger sei unermüdlich im Einsatz gewesen. Urlaub habe er praktisch nicht gekannt. Besonders wichtig sei ihm der Kontakt zu den Menschen, zur Landwirtschaft und zum Mittelstand gewesen.
Auch für das Allgäu habe er viel bewegt. Müller erinnert an zahlreiche Besuche, etwa bei der Agrarschau in Dietmannsried, bei Unternehmen in Lindenberg oder bei Terminen im Ostallgäu. Als Wirtschaftsminister habe er sich immer wieder für regionale Betriebe und wirtschaftliche Projekte eingesetzt.
Sein Tod hinterlasse eine Lücke, die niemand schließen könne.
„Hubert ist nicht zu ersetzen. Und das will auch keiner und das kann auch keiner“, sagt Müller.
Ihre Gedanken seien jetzt vor allem bei seiner Lebensgefährtin und den beiden kleinen Söhnen. Der Gedanke, dass die Kinder plötzlich ohne ihren Vater aufwachsen müssen, sei für sie besonders tragisch.
Auch der aus dem Allgäu stammende Landtagsvizepräsident Alexander Hold zeigt sich gegenüber AllgäuHIT tief betroffen. Für ihn war Aiwanger eine politische Ausnahmeerscheinung, deren Fähigkeiten in der Öffentlichkeit häufig nicht ausreichend wahrgenommen worden seien.
„Hubert Aiwanger war wohl der am meisten unterschätzte Politiker in Deutschland“, sagt Hold.
Der Freie-Wähler-Politiker sei häufig auf seine bodenständige Herkunft und seine markigen Aussagen reduziert worden. Tatsächlich habe er über eine außergewöhnliche Auffassungsgabe verfügt und sei geistreich, schlagfertig und hochintelligent gewesen.
Besonders beeindruckt habe Hold, dass Aiwanger praktisch jede Rede frei halten konnte. Ob im Bierzelt oder bei einer Regierungserklärung im Landtag – ein Manuskript habe er kaum benötigt.
Daneben erinnert Hold an einen Politiker mit einer enormen Arbeitsbelastung. Aiwanger sei ausgesprochen fleißig gewesen und habe sich bis an die Grenzen seiner Kräfte engagiert. Hold berichtet auch von einer möglichen Viruserkrankung. Ob diese mit dem Tod zusammenhängt, ist medizinisch allerdings nicht geklärt.
Besonders in Erinnerung bleibt Hold die Nähe Aiwangers zu den Bürgerinnen und Bürgern. Wenn Menschen ihm ihre Sorgen geschildert hätten, habe er aufmerksam zugehört und sich Zeit genommen – manchmal so lange, dass ihn seine Begleiter an den nächsten Termin erinnern mussten.
„Hubert wäre gern immer bei den Menschen geblieben“, sagt Hold.
Für die Freien Wähler sei der Tod ihres Vorsitzenden eine gewaltige Zäsur. Dennoch betont Hold, dass die Partei mit ihren zahlreichen kommunalen Mandatsträgern und Abgeordneten breit aufgestellt sei und auch ohne Aiwanger eine Zukunft habe.
Oberallgäus Landrat Christian Wilhelm von den Freien Wählern spricht von einem Schock.
„Die Nachricht vom völlig überraschenden Tod Hubert Aiwangers hat natürlich auch mich extrem erschüttert. Ich bin ehrlich gesagt immer noch fassungslos und auch schockiert“, sagt Wilhelm gegenüber AllgäuHIT.
Er verliere nicht nur einen politischen Weggefährten, sondern auch einen Menschen, den er persönlich sehr geschätzt habe.
Wilhelm beschreibt Aiwanger als tatkräftig, bodenständig und voller Energie. Als Wirtschaftsminister habe er stets ein offenes Ohr für die Anliegen des Oberallgäus gehabt. Bei Problemen habe er zugehört, nachgefragt und versucht, pragmatische Lösungen zu finden.
„Er war ehrlich gesagt einer, der die Dinge angepackt hat, pragmatische Lösungen gefunden hat und das habe ich an ihm wahnsinnig geschätzt“, erklärt Wilhelm.
Bei aller politischen Bedeutung stehe für ihn jetzt aber das menschliche Schicksal im Vordergrund. Sein Mitgefühl gelte insbesondere Aiwangers Lebensgefährtin und den beiden Kindern.
Auch Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch erinnert an die persönliche Seite des verstorbenen Politikers.
„Die Nachricht vom Tod von Hubert Aiwanger macht mich sehr betroffen. Wie ich finde, war er eine sehr prägende Persönlichkeit für Bayern, für die Politik in Bayern“, sagt Schoch im Gespräch mit AllgäuHIT.
Er habe Aiwanger als umgänglichen und zugänglichen Menschen kennengelernt, der auch bei unterschiedlichen politischen Auffassungen das Gespräch gesucht habe.
„Das hat mich doch tief beeindruckt, wie er auf Menschen zugegangen ist, ihnen zugehört hat, dennoch seine eigene Meinung auch vertreten hat“, erinnert sich der Kemptener Oberbürgermeister.
Schoch richtet seine Gedanken vor allem an die Familie. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie schwer der Verlust des eigenen Vaters sei. Den Hinterbliebenen wünsche er viel Kraft für die kommende Zeit.
Auch der Allgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl kann den Tod seines langjährigen politischen Weggefährten kaum begreifen. Beide kannten sich seit den politischen Anfängen Aiwangers bei den Freien Wählern und arbeiteten über viele Jahre eng zusammen.
„Ich bin fassungslos, dass dieser Mensch, und das ist mir das Wichtigste, dieser herausragende Mensch, aber natürlich auch besondere Politiker, jetzt von uns gegangen ist und nicht mehr da ist“, sagt Pohl gegenüber AllgäuHIT.
Aiwanger habe die Politik nicht nur als Beruf verstanden, sondern als Lebensaufgabe. Besonders seine Nähe zu den Menschen und seine Bereitschaft, sich persönlich um deren Anliegen zu kümmern, hätten ihn ausgezeichnet.
Auch Pohl erinnert an zahlreiche Besuche Aiwangers im Allgäu. Ob bei Wahlkampfveranstaltungen im Ostallgäu, der Agrarschau in Dietmannsried oder bei Unternehmensterminen in Lindenberg – Aiwanger habe immer wieder den direkten Austausch mit der regionalen Wirtschaft und der Bevölkerung gesucht.
Pohl ist überzeugt, dass der Verlust weit über die Freien Wähler hinaus spürbar sein wird. Aiwanger werde Bayern und auch ihm persönlich fehlen.
Mit dem Tod Hubert Aiwangers verlieren die Freien Wähler ihre über viele Jahre prägende Führungsfigur. Unter seiner Führung gelang 2008 der Einzug in den Bayerischen Landtag. Seit 2018 sind die Freien Wähler an der bayerischen Staatsregierung beteiligt. Aiwanger selbst war seitdem Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.
Wie die Partei künftig geführt werden soll und wer seine politischen Ämter übernimmt, ist noch offen.
Am Samstag wollen sich die Landtagsfraktion und der Landesvorstand der Freien Wähler treffen, um über die nächsten Schritte zu beraten. Ein bereits geplanter Bundesparteitag in Geiselwind wurde abgesagt.
Für die Allgäuer Weggefährten steht allerdings fest, dass die politischen Nachfolgefragen jetzt nicht im Mittelpunkt stehen sollten.
„Bevor Hubert Aiwanger nicht beerdigt ist, fällt es mir sehr, sehr schwer, hier irgendwelche Nachfolgeregelungen und sonst was zu durchdenken“, sagt Bernhard Pohl.
Auch Ulrike Müller mahnt, zunächst innezuhalten und gemeinsam zu trauern.
„Jetzt müssen wir zuerst mal warten, dass wir den Hubert ordentlich beerdigen, dass unsere Gedanken bei ihm sind und bei der Familie. Und alles Weitere wird sich dann zeigen.“
Hubert Aiwanger war ein Politiker, der polarisierte. Seine Aussagen sorgten immer wieder für Diskussionen, seine politischen Positionen waren nicht unumstritten. Doch auch über Parteigrenzen hinweg bescheinigen ihm seine Allgäuer Weggefährten eine außergewöhnliche Einsatzbereitschaft, Bodenständigkeit und Nähe zu den Menschen.
Für die Region war er über viele Jahre ein Ansprechpartner in der Staatsregierung, insbesondere bei wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Fragen.
Sein plötzlicher Tod bedeutet deshalb nicht nur einen tiefen Einschnitt für die bayerische Politik und die Freien Wähler. Er hinterlässt auch bei vielen Menschen im Allgäu persönliche Betroffenheit.
Am stärksten aber wiegt für seine Weggefährten das Schicksal seiner Familie. Hinter dem Politiker, dem Minister und dem Parteivorsitzenden stand ein Mensch, dessen Leben mit nur 55 Jahren überraschend zu Ende gegangen ist.
Wie Ulrike Müller es zusammenfasst: „Hubert ist nicht zu ersetzen.“
Geschrieben von: Redaktion
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today5. November 2026 2