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Auf dem Gelände des ehemaligen Kurzwellensenders Wertachtal in Amberg soll ein großes Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz entstehen. Das Unternehmen Polarise plant, die seit Jahren leerstehenden Gebäude umzubauen. Während die Gemeinde auf neue Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze hofft, gibt es auch Kritik an dem Vorhaben. Eine Online-Petition fordert inzwischen, das Projekt zu stoppen.

Polarise möchte das frühere Sendegebäude und angrenzende Flächen kaufen und dort ein KI-Rechenzentrum einrichten. Die Anlage soll Mitte 2027 in Betrieb gehen. Das Gelände war früher Standort der größten Kurzwellen-Sendeanlage Europas. Von 1972 bis 2013 wurde dort gesendet, seit 2015 stehen die Gebäude leer.
Zum Einsatz kommen sollen sogenannte „AI Pods“. Dabei handelt es sich um leistungsstarke Rechner in modularer Bauweise, die in bestehende Gebäude integriert werden. Polarise betreibt bereits ein vergleichbares Rechenzentrum im Münchner Tucherpark.
Bei der Vorstellung des Projekts im März 2026 war zunächst von einer Leistung von 30 Megawatt die Rede. Langfristig könnte das Rechenzentrum auf bis zu 120 Megawatt ausgebaut werden. In einer späteren Unternehmensmitteilung nannte Polarise allerdings bereits 65 Megawatt für die erste Ausbaustufe. Welche Leistung zum Start tatsächlich vorgesehen ist, bleibt damit bislang offen.
Die Energie soll überwiegend aus erneuerbaren Quellen auf dem Gelände kommen. Dort gibt es bereits Solarparks mit rund 70 Megawatt Spitzenleistung und Batteriespeicher. Weitere Anlagen sind geplant, darunter ein zusätzlicher Solarpark und ein Windpark. Wie hoch die Investitionskosten ausfallen, hat das Unternehmen bisher nicht mitgeteilt.
Die Gemeinde Amberg steht dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Sie sieht in der Nutzung der leerstehenden Gebäude eine Chance für den Standort. Neben möglichen Gewerbesteuereinnahmen erhofft sich die Kommune auch Aufträge für regionale Unternehmen.
Für den späteren Betrieb rechnet die Gemeinde mit etwa 15 bis 20 Arbeitsplätzen. Zusätzlicher Verkehr soll nach Abschluss der Bauarbeiten nicht entstehen. Seit der Kommunalwahl 2026 ist Sebastian Schuster (FWV) Bürgermeister von Amberg.
Nicht alle stehen dem geplanten Rechenzentrum positiv gegenüber. Mitte September ist eine Online-Petition mit dem Titel „Verhindert das KI-Rechenzentrum im Unterallgäu/Amberg!“ gestartet worden. Sie richtet sich an Landrat Alex Eder.
Der Initiator kritisiert insbesondere den hohen Strombedarf und befürchtet, dass die Energieversorgung durch die Solaranlagen vor Ort nicht ausreichen könnte. Außerdem stellt er Fragen zum Wasserverbrauch für die Kühlung der Anlage. Wie das Rechenzentrum tatsächlich gekühlt werden soll, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die in der Petition genannten Verbrauchswerte beruhen auf eigenen Berechnungen des Initiators.
Eine endgültige Genehmigung für das Projekt liegt bislang nicht vor. Unter anderem sind noch eine Änderung des Flächennutzungsplans und ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erforderlich.
Interessierte Bürger haben im November bei zwei Terminen die Möglichkeit, sich näher über die Pläne zu informieren. Am Mittwoch, 12. November, will Polarise das Vorhaben bei einer Informationsveranstaltung vorstellen. Eine Woche später, am Mittwoch, 19. November, findet die Bürgerversammlung der Gemeinde Amberg statt.
Geschrieben von: Leon Dauter
Allgäu KI rechenzentrum Widerstand