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Aktuelles

Geplante Zuckersteuer: Was kommt auf Getränkehersteller im Allgäu zu?

today20. Oktober 2026

Hintergrund
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Ab Juli 2027 könnte es beim Getränkekauf teurer werden: Die Bundesregierung plant eine „Zuckersteuer“ auf Limonaden, Eistees und andere gezuckerte Getränke. Je nach Zuckergehalt sollen bis zu 32 Cent pro Liter fällig werden.

Auch für die Hersteller würde sich mit der Steuer einiges ändern. Kleinere Brauereien, unter anderem auch im Allgäu, könnten dadurch vor Herausforderungen stehen. Wir haben mit Johann Bechteler von der Aktienbrauerei Kaufbeuren über die geplante Steuer gesprochen.

Limonade Symbolbild (Quelle: Pixabay/marsjo)

Herr Bechteler, die sogenannte „Zuckersteuer“ soll ja ab Juli des kommenden Jahres gelten. Wie bewertet ihr jetzt diese Entscheidung als regional verwurzelte Brauerei?

„Das ist auf jeden Fall mit Mehraufwand behaftet. Sie muss erst mal durch den Bundestag durch, aber ich habe gerade auch wieder Infos bekommen vom Finanzministerium et cetera, was alles drinsteht. Es ist auf jeden Fall nicht so einfach, wie es sich anhört, auch was man als Hersteller dann letztendlich macht. Es wird ja nicht alles besteuert.“

Neben Bier sind ja auch zum Beispiel Limonaden betroffen. Welche Auswirkungen hat die Steuer genau und wird es für Verbraucher an der Kasse teurer?

„Im Endeffekt ist es so: Wenn wir jetzt den Zucker reduzieren und das gleiche Geschmackserlebnis wollen, müsste man zusüßen. Die Frage ist dann tatsächlich: Was will der Verbraucher? Ich habe mit einigen gesprochen, wir wissen alle nicht, was jetzt der Verbraucher will. Zahlt der wirklich dann so und so viel mehr für ein Spezi oder einen Cola-Mix? Ist der bereit, so viel mehr zu zahlen? Oder sagt der Hersteller: Okay, ich werde mit Zuckeraustauschstoffen arbeiten, zur Restsüße, und man schaut, wie das dann ankommt. Das ist für alle momentan ein großes Fragezeichen, was der Verbraucher sagt. Aber letztendlich wird es der Verbraucher dann zahlen.“

Bestünde denn theoretisch die Möglichkeit, dass es dann zwei Versionen gibt: die gesüßte Variante, die teurer ist, und eine günstigere Variante mit weniger Zucker?

„Absolut richtig, haben wir auch im Betrieb heute mit dem einen oder anderen schon besprochen. Die Hauptlimonade ist Cola-Mix. Da überlegt man, ob man hier vielleicht zweigleisig fährt: eine mit Süßungsvariante und eine, wo man 50 Prozent normal zuckert. Es gäbe die Möglichkeit. Bei Zitronenlimo, Orangenlimo ist von Haus aus etwas weniger Zucker drin und man müsste die Süßung, die Nachsüßung, nicht so hoch setzen. Also es gibt alle möglichen Varianten, und da muss man mal schauen, was eigentlich der Verbraucher letztendlich dann will. Aber ein Cola-Mix ohne oder mit weniger Zucker schmeckt hundertprozentig nicht so wie das Original mit dem Originalrezept.“

Dabei gibt es ja auch gute Gründe, weniger Zucker zu konsumieren, nicht wahr? Gerade gesundheitliche Gründe sprechen ja doch auch dafür.

„Ja, dann gibt es wieder die anderen, die sagen: Aspartam, Acesulfam, Xylit und wie sie alle heißen, diese anderen Stoffe, die sind auch böse, das ist Chemie. Aber wenn man in Social Media mal so nachschaut und auch mal sieht, wo die Grenzwerte von diesen Zuckersüßstoffen sind, da müsstest du jeden Tag fünf bis zehn Liter davon trinken, dass du überhaupt an deine Grenze kommst. Und es ist schon richtig: weniger Zucker. Es gibt ja Studien woanders, in anderen Ländern, wo das bezüglich Adipositas ja schon was bringen kann. Es ist aber wirklich verbraucherabhängig. Wenn ich ein Bier mit Alkohol präferiere beziehungsweise eher trinke, dann trinke ich das weiter. Also das ist eine Verbrauchergeschichte, individuell. Aber ja, es wird am Ende des Tages der Verbraucher entscheiden, in welche Richtung das Ganze geht.“

Gerade kleine Brauereien stehen ja eigentlich schon länger unter Kostendruck. Welche Auswirkungen könnte die Steuer auf diese Betriebe haben, zum Beispiel auf den bürokratischen Aufwand?

„Ja, der bürokratische Aufwand wird da sein, wenn ich Zucker weiter so verwende, weil ich das ja wie Bier dann behandeln muss. Ich muss das ins Steuerlager einführen, ich muss Steuer entrichten. Und natürlich müssen das die Leute dann intern auch behandeln und die Daten dann weitergeben, wie, wann, wo, was ist. Also natürlich ist es ein Aufwand und letztendlich wissen wir alle, die ganzen Hersteller, nicht ganz genau, was sinnvoll ist und wo Spielräume sind. Beziehungsweise ich habe gerade, wie gesagt, einen Leitfaden bekommen. Es sind circa 87 bis 100 Seiten, die ich jetzt gerade im Moment bekommen habe, wo ich zuerst mal lesen muss, was Sache ist. Und da muss man sich erst mal in die Bürokratie einlesen, um dann zu sehen, was wirklich los ist.“

Was wünscht ihr euch jetzt von der Politik, damit regionale Brauer auch künftig vielleicht wirtschaftlich arbeiten und mit ihren Produkten die Vielfalt im Allgäu erhalten können?

„Also, seit ich denken kann, heißt es in der Politik: entbürokratisieren. Es wird aber meines Erachtens nie in die Richtung gehen. Es gibt auch in den Leitfäden und in den Abrissen, die ich bisher gelesen habe, schon Hersteller, die nicht so viel herstellen und gar nicht betroffen sind von der Zuckersteuer. Aber die sind relativ klein, so viele davon wird es da auch nicht geben. Das heißt letztendlich, wir bewegen uns halt schon wieder in Bürokratismus. Und diese Mehreinnahmen für den Bund sind sehr fraglich, weil, wenn dann alle mit Süßungsmitteln arbeiten, wird das auch nicht so in die Kassen fließen, wie sie sich das vorstellen.“

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Geschrieben von: Redaktion

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