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Aktuelles

Allgäuer Politiker trauern um Hubert Aiwanger: „Er ist nicht zu ersetzen“

today5. November 2026

Hintergrund
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Der überraschende Tod des bayerischen Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger hat in der Allgäuer Politik große Bestürzung ausgelöst. Ulrike Müller, Christian Wilhelm und Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch zeigen sich im Gespräch mit AllgäuHIT tief erschüttert. Sie erinnern an einen Politiker, der die Menschen gesucht, sich für die Region eingesetzt und die bayerische Politik über Jahre geprägt hat. Besonders betroffen macht sie der Gedanke an seine Familie und seine beiden Kinder.

Die Nachricht kam für viele völlig unerwartet: Hubert Aiwanger ist tot. Der Vorsitzende der Freien Wähler, bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident ist am Mittwoch, 4. November, im Alter von 55 Jahren in Berlin gestorben. Die Nachricht hat nicht nur die bayerische Landespolitik erschüttert, sondern auch im Allgäu tiefe Betroffenheit ausgelöst. Zahlreiche Politiker aus der Region kannten Aiwanger persönlich, haben mit ihm zusammengearbeitet und ihn bei zahlreichen Terminen erlebt.

Im Gespräch mit AllgäuHIT schildern sie ihre Erinnerungen an den langjährigen Politiker. Dabei wird deutlich: Neben seiner politischen Bedeutung bleibt vor allem ein Mensch in Erinnerung, der den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern gesucht hat.

Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident ist tot in einem Berliner Hotelzimmer gefunden worden / Foto: © StMWi/R.Dier

Ulrike Müller: „Hubert ist nicht zu ersetzen“

Besonders eng war die Zusammenarbeit zwischen Hubert Aiwanger und der bayerischen Landtagsabgeordneten Ulrike Müller aus Missen-Wilhams. Die Politikerin der Freien Wähler kennt Aiwanger seit rund 20 Jahren. Beide zogen 2008 gemeinsam in den Bayerischen Landtag ein und bauten damals die Fraktion auf. Zu dieser Zeit waren die Freien Wähler noch in der Opposition.

Die Nachricht von seinem Tod hat Müller nach eigenen Worten völlig unvorbereitet getroffen. Sie habe am Mittwochabend über Digitalminister Fabian Mehring davon erfahren, der sich ebenfalls in Berlin aufgehalten hatte.

„Nein, sacken konnte sich diese Meldung nicht. Ich bin wirklich tief erschüttert und unendlich traurig. Und es ist kaum zu begreifen, dass der Hubert nicht mehr bei uns ist“, sagt Müller im Interview mit AllgäuHIT. Zunächst habe sie die Nachricht kaum glauben können. Auch jetzt könne sie noch nicht realisieren, was passiert sei.

Für Müller war Aiwanger weit mehr als ein politischer Weggefährte. Sie erinnert sich an viele gemeinsame Erlebnisse, sowohl innerhalb der Partei als auch persönlich. Dabei verschweigt sie auch nicht, dass Aiwanger durchaus polarisiert hat. Er sei ein Politiker gewesen, über den gesprochen wurde, den manche mochten und mit dem andere zeitweise weniger anfangen konnten.

„Er hat auf jeden Fall die Freien Wähler permanent irgendwo in der Luft gehalten, dass man darüber gesprochen hat“, beschreibt Müller seinen politischen Einfluss.

Sie selbst habe Aiwanger über zwei Jahrzehnte erlebt. Natürlich sei er manchmal jemand mit einer lockeren Zunge gewesen und habe Dinge angesprochen, die vielleicht nicht immer bequem gewesen seien. Dennoch habe sein Herz stets am richtigen Fleck gesessen.

Auch im Umgang mit politischen Gegnern habe er versucht, Menschen mit Argumenten zu überzeugen. Im Mittelpunkt hätten für ihn immer die Bevölkerung, die Landwirte und die Suche nach den besten Lösungen für Bayern gestanden.

„Er hat natürlich unsere Partei geprägt wie kein anderer. Er ist der Kopf. Er hat uns zusammengehalten“, sagt Müller. Aiwanger habe große politische Visionen gehabt, neue Wege eingeschlagen und damit auch für Stabilität innerhalb der Freien Wähler gesorgt.

Sein Tod hinterlasse deshalb eine Lücke, die aus ihrer Sicht nicht zu schließen sei. Wie es innerhalb der Partei weitergeht, könne sie unmittelbar nach der Nachricht noch nicht sagen. Zunächst müsse man sich sammeln und die Situation gemeinsam verarbeiten.

Aiwanger war regelmäßig im Allgäu unterwegs

Auch in der Region war Hubert Aiwanger nach Müllers Erinnerungen immer wieder präsent. Er habe den Kontakt zum Allgäu gesucht und sei in regelmäßigen Abständen vor Ort gewesen. Müller erinnert unter anderem an seine Besuche im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen, an einen Termin in Bertoldshofen im Ostallgäu sowie an die Agrarschau in Dietmannsried. Auch in Lindenberg sei er noch im Juli bei Unternehmen und Terminen gewesen. Dabei habe er sich beispielsweise auch bei der Aerospace über die Arbeit und die Unternehmen in der Region informiert.

Aiwanger habe eine besondere Nähe zur Bevölkerung gesucht und diese auch tatsächlich gelebt. Für Müller ist das ein Grund, warum sein Tod weit über die Parteigrenzen hinaus viele Menschen trifft.

„Er war unheimlich bekannt und er war wahnsinnig fleißig“, sagt sie. Sie kenne kaum einen Politiker, der sich über einen so langen Zeitraum derart engagiert und eingebracht habe. Urlaub sei für Aiwanger praktisch ein Fremdwort gewesen.

Wenn man ihn gebraucht habe und er in der Region vor Ort sein sollte, habe er das möglich gemacht. Auf seine Unterstützung habe man sich verlassen können.

Auch für das Allgäu habe er viel bewegt. Müller hebt insbesondere seine Unterstützung für die Region und die Wirtschaft hervor. Aus dem Wirtschaftsministerium seien auch finanzielle Mittel in die Region geflossen. Zudem sei Aiwanger stets ein Ansprechpartner für den Mittelstand gewesen.

„Und das ist halt etwas, was jetzt so eine Lücke hinterlässt, mit der wir überhaupt noch nicht klarkommen. Das ist nicht zu ersetzen. Hubert ist nicht zu ersetzen. Und das will auch keiner und das kann auch keiner“, sagt Müller.

Müllers Gedanken sind vor allem bei der Familie

Besonders schwer falle ihr der Gedanke an Aiwangers Familie. Er hinterlasse seine Lebensgefährtin und zwei kleine Söhne. Für Müller sei das der tragischste Aspekt des plötzlichen Todes.

Sie könne sich kaum vorstellen, was es für die Kinder bedeute, plötzlich ohne ihren Vater aufwachen zu müssen und mit dieser Nachricht konfrontiert zu werden.

„Wenn ich mir vorstelle, dass die Jungs heute früh aufwachen und dann wird ihnen gesagt, ihr Papa lebt nicht mehr. Das ist für mich eine Katastrophe. Und das ist sowas von tragisch“, sagt die Landtagsabgeordnete.

Ihr ganzes Mitgefühl gelte deshalb der Familie und insbesondere den beiden Kindern. Die Situation sei kaum in Worte zu fassen.

Wie geht es bei den Freien Wählern weiter?

Neben der persönlichen Trauer stellt sich für die Partei auch die Frage, wie es nach dem Tod ihres langjährigen Vorsitzenden weitergehen soll.

Müller erklärt, dass es für den Fall eines Todes eines amtierenden Ministers geregelte Abläufe gebe. Zunächst müsse sich die Staatsregierung um die anstehenden Amtsgeschäfte kümmern. Dabei müsse auch der Freie-Wähler-Politiker und Umweltminister Thorsten Glauber auf die anstehenden Aufgaben schauen.

Für die Partei selbst stehen zunächst Gespräche und eine gemeinsame Aufarbeitung im Mittelpunkt. Die Landtagsfraktion und der Landesvorstand der Freien Wähler wollen sich am Samstag treffen, um gemeinsam über die nächsten Schritte zu beraten.

Ein bereits geplanter Bundesparteitag in Geiselwind wurde abgesagt. In der aktuellen Situation könne und wolle man diese Veranstaltung nicht durchführen.

„Jetzt müssen wir zuerst mal warten, dass wir den Hubert ordentlich beerdigen, dass unsere Gedanken bei ihm sind und bei der Familie. Und alles Weitere wird sich dann zeigen“, sagt Müller.

Für die Freien Wähler gehe es jetzt zunächst darum, gemeinsam mit dem Verlust umzugehen. Politische Entscheidungen und die Zukunft der Partei müssten warten.

Alexander Hold: „Er war der am meisten unterschätzte Politiker in Deutschland“

Auch Alexander Hold, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, zeigt sich gegenüber AllgäuHIT tief betroffen. Er erinnert insbesondere an die außergewöhnlichen Fähigkeiten Aiwangers, seine Schlagfertigkeit und seine Nähe zu den Menschen.

Hold schildert zunächst die Ereignisse in Berlin. Die Freien Wähler hatten am Mittwoch ihre neue Hauptstadt-Repräsentanz eröffnet. Das sei Hubert Aiwanger ein ganz besonderes Anliegen gewesen. Als Bundesvorsitzender der Partei hätte er bei der Eröffnung selbst die Rede halten sollen.

Dazu kam es allerdings nicht. Aiwanger sei im Hotelzimmer geblieben, weil es ihm nicht gut gegangen sei. Was anschließend genau geschehen sei, müsse zunächst aufgearbeitet werden.

Für Hold war Aiwanger ein Politiker, dessen tatsächliche Fähigkeiten häufig unterschätzt worden seien.

„Hubert Aiwanger war wohl der am meisten unterschätzte Politiker in Deutschland“, sagt er.

In der öffentlichen Wahrnehmung sei Aiwanger von den Medien gerne als eher einfacher, bodenständiger Mensch vom Land dargestellt worden. Dabei habe er eine außergewöhnliche geistige Auffassungsgabe gehabt.

Hold beschreibt ihn als geistreich, witzig und blitzgescheit. Besonders beeindruckt habe ihn, dass Aiwanger bei seinen Reden praktisch nie auf ein Manuskript angewiesen gewesen sei.

Egal, ob es sich um eine Bierzeltrede oder eine Regierungserklärung gehandelt habe: Aiwanger habe frei gesprochen. Selbst eine Regierungserklärung habe er aus dem Stegreif halten können, während andere Politiker lange an ihren Manuskripten arbeiten müssten.

Das sei möglich gewesen, weil seine Gedanken klar strukturiert gewesen seien und er seine Argumente jederzeit abrufen konnte.

Auch seine Auftritte seien deshalb immer unterschiedlich gewesen. Selbst bei zahlreichen Bierzeltreden habe er nicht einfach dieselbe Rede wiederholt, sondern jedes Mal neue Inhalte und Gedanken eingebracht.

Fleiß und Belastbarkeit bis an die Grenzen

Neben seinen rhetorischen Fähigkeiten hebt Hold vor allem Aiwangers Arbeitsweise hervor. Er sei extrem fleißig und belastbar gewesen. Möglicherweise habe ihn diese enorme Einsatzbereitschaft am Ende aber auch an seine Grenzen gebracht.

Hold berichtet, Aiwanger habe sich offenbar einen Virus oder etwas Ähnliches eingefangen, der ihn letztlich nicht mehr losgelassen habe. Eine gesicherte medizinische Todesursache ist damit allerdings nicht benannt.

Auch politisch habe Aiwanger die Freien Wähler entscheidend geprägt. Unter seiner Führung sei die Partei in den Bayerischen Landtag eingezogen, später Teil der Staatsregierung geworden und habe auch auf europäischer Ebene politische Erfolge erzielt.

Sein Tod sei deshalb ohne Frage eine Zäsur für die Freien Wähler.

Gleichzeitig widerspricht Hold der Darstellung, die Partei sei ausschließlich auf Aiwanger zugeschnitten gewesen. Die Freien Wähler seien deutlich breiter aufgestellt, als es in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal dargestellt werde.

Allein in Bayern gebe es mehr als 40.000 Mitglieder, 37 Abgeordnete, 28 Landräte und Hunderte Bürgermeister. Die Partei hänge deshalb nicht von einer einzigen Person ab.

Trotzdem sei Aiwanger eine Persönlichkeit gewesen, die niemand innerhalb der Freien Wähler in dieser Form ersetzen könne.

Ein Politiker, der den Kontakt zu den Menschen gesucht hat

Besonders eindrücklich beschreibt Hold Aiwangers Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. Er habe nicht nur oberflächlich das Gespräch gesucht, sondern sich tatsächlich für die Sorgen und Anliegen der Menschen interessiert.

Wenn Bürgerinnen und Bürger ihm ihre Probleme geschildert hätten, habe er diese mitgenommen und sich damit auseinandergesetzt.

Teilweise habe man ihn sogar von den Menschen wieder loseisen müssen, weil bereits der nächste Termin angestanden habe. Seine Begleiter hätten ihn dann daran erinnern müssen, dass es weitergehe.

„Hubert wäre gern immer bei den Menschen geblieben“, erinnert sich Hold.

Genau diese Eigenschaft habe ihn ausgezeichnet. Er sei ein Politiker gewesen, der sich gerne Zeit genommen habe und den direkten Austausch nicht nur als Pflichttermin verstanden habe.

Für die Freien Wähler sei sein Tod deshalb nicht nur ein politischer, sondern vor allem auch ein menschlicher Verlust.

Christian Wilhelm: „Man verliert einen politischen Weggefährten und einen Menschen, den man persönlich geschätzt hat“

Auch Oberallgäus Landrat Christian Wilhelm hat die Nachricht vom Tod Aiwangers tief getroffen. Gegenüber AllgäuHIT beschreibt er seine Reaktion als Mischung aus Fassungslosigkeit, Schock und Orientierungslosigkeit.

„Die Nachricht vom völlig überraschenden Tod Hubert Aiwangers hat natürlich auch mich extrem erschüttert. Ich bin ehrlich gesagt immer noch fassungslos und auch schockiert“, sagt Wilhelm.

In einer solchen Situation sei es unglaublich schwer, die richtigen Worte zu finden. Denn es gehe nicht nur um den Verlust eines politischen Weggefährten, sondern auch um einen Menschen, den er persönlich sehr geschätzt habe.

Wilhelm beschreibt Aiwanger als tatkräftig, bodenständig und voller Energie. Er habe immer ein offenes Ohr für die Menschen und die Anliegen des Landkreises Oberallgäu gehabt.

Auch als Landrat habe er sich mit seinen Themen und Anliegen an Aiwanger wenden können. Dieser habe zugehört, nachgefragt und versucht, Lösungen zu finden.

Dabei sei er immer nah an den Menschen geblieben.

Natürlich sei Aiwanger auch ein streitbarer Politiker gewesen. Dennoch habe Wilhelm insbesondere geschätzt, dass er Probleme angepackt und nach pragmatischen Lösungen gesucht habe.

„Er war ehrlich gesagt einer, der die Dinge angepackt hat, pragmatische Lösungen gefunden hat und das habe ich an ihm wahnsinnig geschätzt“, erklärt der Oberallgäuer Landrat.

Trotz der persönlichen Erschütterung richtet auch Wilhelm seine Gedanken vor allem an die Hinterbliebenen.

Aiwangers Lebensgefährtin sei selbst politisch sehr engagiert. Besonders schwer wiege für ihn aber der Gedanke an die Kinder, die nun ihren Vater verloren hätten.

„Meine Gedanken sind am Ende natürlich bei der Familie im Moment. Das tut unglaublich weh, die Kinder, die jetzt leider keinen Vater mehr haben. Also ich kann da nur tatsächlich von ganzem Herzen mein Beileid aussprechen“, sagt Wilhelm.

Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch: „Er war ein sehr zugänglicher Mensch“

Auch Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch zeigt sich vom Tod Hubert Aiwangers sehr betroffen. Er erinnert an eine prägende Persönlichkeit der bayerischen Politik, richtet seine Gedanken aber zunächst ebenfalls an die Familie.

„Die Nachricht vom Tod von Hubert Aiwanger macht mich sehr betroffen. Wie ich finde, war er eine sehr prägende Persönlichkeit für Bayern, für die Politik in Bayern“, sagt Schoch gegenüber AllgäuHIT.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien seine Gedanken allerdings ausschließlich bei Aiwangers Familie und seinen Kindern.

Schoch spricht dabei auch aus eigener jüngster Erfahrung. Er wisse, wie schwer es sei, den eigenen Vater zu verlieren. Deshalb könne er sich besonders gut vorstellen, was die Kinder nun durchmachen müssten.

Der Oberbürgermeister wünscht der gesamten Familie viel Kraft, um diese schwere Zeit zu überstehen und die Nachricht verarbeiten zu können.

Persönlich habe er Aiwanger als einen sehr umgänglichen und zugänglichen Menschen erlebt. Besonders beeindruckt habe ihn, wie dieser auf andere zugegangen sei und ihnen zugehört habe.

Gleichzeitig habe Aiwanger seine eigene Meinung vertreten und sei auch bei unterschiedlichen Ansichten klar geblieben.

„Das hat mich doch tief beeindruckt, wie er auf Menschen zugegangen ist, ihnen zugehört hat, dennoch seine eigene Meinung auch vertreten hat“, erinnert sich Schoch.

Auch für den Kemptener Oberbürgermeister bleibt damit neben der politischen Bedeutung vor allem die persönliche Begegnung mit Aiwanger in Erinnerung.

Was bislang über den Tod von Hubert Aiwanger bekannt ist

Hubert Aiwanger starb am Mittwoch, 4. November 2026, in Berlin. Der 55-Jährige war für mehrere Termine seiner Partei in die Hauptstadt gereist. Unter anderem sollte dort die neue Hauptstadtrepräsentanz der Freien Wähler eröffnet werden. Als Bundesvorsitzender der Partei war vorgesehen, dass Aiwanger bei der Veranstaltung selbst eine Rede hält.

Dazu kam es jedoch nicht. Aiwanger meldete sich aus gesundheitlichen Gründen ab und blieb in seinem Hotelzimmer. Später war er nach den bisherigen Schilderungen nicht mehr erreichbar. Am frühen Mittwochabend wurde er schließlich leblos in seinem Hotelzimmer in Berlin-Mitte aufgefunden.

Die Berliner Polizei und die Staatsanwaltschaft haben daraufhin ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Beteiligt sind die sechste Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin und die Staatsanwaltschaft. Ziel ist es, die genaue Todesursache und den Ablauf der Ereignisse zu klären sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen.
Todesursache bislang nicht offiziell geklärt

Bislang gibt es keine bestätigte medizinische Erklärung für den plötzlichen Tod. Aiwanger hatte sich zuvor gesundheitlich nicht wohlgefühlt. Medienberichten zufolge soll er an Magen-Darm-Beschwerden gelitten haben. Auch Alexander Hold spricht im Gespräch mit AllgäuHIT von einem möglichen Virus oder einer ähnlichen Erkrankung, die Aiwanger offenbar nicht mehr losgelassen habe. Das ist allerdings keine bestätigte Todesursache.

Die Ermittler haben bisher keine abschließenden Angaben zu den Umständen gemacht. Auch die konkrete Auffindesituation wurde aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht öffentlich erläutert.

Aiwanger hinterlässt seine Lebensgefährtin, die Landrätin Tanja Schweiger, und zwei gemeinsame Söhne.
Politisch hatte der Niederbayer die Freien Wähler über viele Jahre geprägt. Seit 2006 stand er an der Spitze der bayerischen Freien Wähler, seit 2010 war er Bundesvorsitzender. 2018 wurde er bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Damit war er acht Jahre lang Teil der bayerischen Staatsregierung.

Auch bayernweit große Trauer um Hubert Aiwanger

Die Anteilnahme reicht weit über das Allgäu hinaus. Politiker, Wirtschaftsvertreter und Weggefährten aus ganz Bayern würdigen Aiwangers Einsatz und seine Bedeutung für den Freistaat.

Der gebürtige Allgäuer und CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, zeigt sich ebenfalls fassungslos. Er erinnert an viele Jahre intensiver parlamentarischer Zusammenarbeit. Aiwanger sei ein Bayer mit Ecken und Kanten gewesen, in der Sache häufig streitbar, aber immer nah bei den Menschen.

Auch wenn es zwischen CSU und Freien Wählern nicht in allen politischen Fragen Übereinstimmung gegeben habe, sei hinter den unterschiedlichen Positionen immer ein Mensch gestanden, der Bayern mit echtem Herzblut gedient habe. Holetschek betont, dass Demokratie vom Wettbewerb unterschiedlicher Positionen, vom Streit in der Sache und vom gegenseitigen Respekt lebe. Aiwanger habe diesen politischen Wettbewerb über viele Jahre entscheidend mitgestaltet.

Die CSU-Landtagsfraktion spricht der Familie und allen Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus. Aiwangers Tod hinterlasse eine Lücke in der bayerischen Politik, die nicht so schnell zu schließen sei.

Auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern trauert um den verstorbenen Wirtschaftsminister. Präsidentin Angela Inselkammer bezeichnet Aiwanger als langjährigen politischen Ansprechpartner, Fürsprecher der heimischen Wirtschaft und Freund vieler Gastgeber.

Besonders während der Corona-Pandemie habe es intensive Gespräche und gemeinsame Bemühungen gegeben, um die schwierige Situation im Gastgewerbe zu bewältigen. Aiwanger habe die Bedeutung mittelständischer Betriebe, inhabergeführter Gasthäuser und Hotels sowie die Herausforderungen des ländlichen Raums gekannt. Er habe den direkten Austausch gesucht, Anliegen aufgenommen und sich mit den wirtschaftlichen Realitäten der Branche auseinandergesetzt.

DEHOGA-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert hebt ebenfalls Aiwangers Nähe zu den Menschen, den Betrieben und dem Mittelstand hervor. Seine bodenständige Art und sein persönlicher Einsatz für die bayerische Wirtschaft würden in Erinnerung bleiben.

Eine besonders persönliche Würdigung kommt von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Er und Aiwanger seien rund 20 Jahre gemeinsam politische Wege gegangen. Glauber bezeichnet ihn als loyalen Weggefährten, engen Verbündeten und wichtigen Mitstreiter. Er verliere nicht nur einen politischen Partner, sondern einen echten Freund.

Aiwanger sei ein Herzblut-Politiker gewesen, der sich selbst treu geblieben sei. Sein plötzlicher Tod mache ihn unendlich traurig. Die bayerische Landespolitik werde ohne ihn nicht mehr dieselbe sein.

Auch aus dem Wirtschaftsministerium kommen Worte der Trauer. Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt, der sich zum Zeitpunkt der Nachricht auf einer Delegationsreise in Singapur befand, kündigte seine umgehende Rückkehr nach Bayern an. Er bezeichnete Aiwanger als Menschenfreund und Herzensmenschen für die Heimat, der sich mit aller Kraft für die Menschen im Freistaat eingesetzt habe.

Die Amtschefin des Wirtschaftsministeriums, Dr. Sabine Jarothe, erklärte, der Tod des Ministers sei ein Schock für das gesamte Haus. Aiwanger habe das Ministerium in den vergangenen acht Jahren mit großem Einsatz und Leidenschaft geprägt und sich unermüdlich für die bayerische Wirtschaft eingesetzt.

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Geschrieben von: Niklas Bitzenauer

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