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Die Ermittlungen im Fall des getöteten 14-jährigen Jermaine R. aus Memmingen nehmen eine neue Wendung: Der Redaktion von new-facts.eu liegt ein Chatverlauf vor, der darauf hindeutet, dass bereits am Abend seines Verschwindens von einer möglichen Entführung, Drogen und einer akuten Gefahr für den Jugendlichen die Rede gewesen sein könnte. Damit stellen sich neue Fragen zum Ablauf der Vermisstensuche – und dazu, welche Informationen der Polizei am Samstagabend tatsächlich vorlagen. Fest steht inzwischen: Bei der am Montag, 4. Mai 2026, in einem leerstehenden Gebäude in der Freudentalstraße gefundenen Leiche handelt es sich um den seit Samstagabend vermissten Jugendlichen. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten am Dienstag, 5. Mai 2026, dass die Obduktion eine Gewalteinwirkung gegen den Hals ergeben habe. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus.

Besonders brisant: Nach Angaben aus dem Umfeld soll zwischen der Mutter des Jugendlichen und einer weiteren Person ein Chat geführt worden sein, aus dem hervorgeht, dass schon am Samstagabend massive Sorgen bestanden haben könnten.
Demnach fragte die andere Person gegen 21.44 Uhr, ob die Mutter bereits bei der Polizei sei. Um 22.08 Uhr soll diese geantwortet haben, dass nun nach ihrem Sohn gesucht werde. Wenig später sei sinngemäß von Drogen die Rede gewesen und davon, dass Jermaine darunter „als Geisel“ leiden müsse. Gegen 22.27 Uhr heißt es laut Chatverlauf zudem, die Kriminalpolizei habe von einer „krassen Entführung unter Drogeneinfluss und Drogenhandel“ gesprochen.
Die Mutter äußerte demnach große Angst um das Leben ihres Sohnes.
Diese Aussagen stehen in deutlichem Kontrast zu den offiziellen Angaben der Polizei. Ein Sprecher erklärte, bei der Vermisstenanzeige sei lediglich mitgeteilt worden, dass der 14-Jährige nicht nach Hause zurückgekehrt sei. Hinweise auf Freiheitsberaubung, Drogenbezug, eine Bedrohungslage oder andere Straftaten habe es demnach nicht gegeben.
Nach Angaben der Ermittler musste die Polizei deshalb zunächst von einer klassischen Vermisstensache ausgehen. Die Mutter hatte ihren Sohn laut Polizei am Samstagabend, 2. Mai 2026, gegen 21.20 Uhr als vermisst gemeldet.
Aus Sicht der Behörden habe es zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben. Wären bereits am Samstagabend konkrete Informationen über eine mögliche Entführung, eine Geisellage oder einen Drogenbezug bekannt gewesen, hätte dies laut Polizei vermutlich zu einer deutlich anderen Lagebewertung und umfangreicheren Maßnahmen geführt.
Unklar bleibt derzeit, ob die im Chat genannten Befürchtungen tatsächlich an die Polizei weitergegeben wurden oder lediglich im privaten Umfeld kursierten. Genau diese Frage dürfte nun eine zentrale Rolle in der weiteren Aufarbeitung spielen.
Die Leiche des Jugendlichen wurde am Montagvormittag in einem leerstehenden Gebäude in der Freudentalstraße entdeckt. Nach bisherigen Informationen war das Gebäude bereits in der Nacht zuvor von Polizeikräften betreten worden.
Dabei war es gegen 3 Uhr zu einem gefährlichen Zwischenfall gekommen: Polizeibeamte trafen in dem Gebäude auf einen Mann, der sich in einem Schrank versteckt gehalten haben soll. Der 37-Jährige habe die Beamten mit einem Messer bedroht und anschließend flüchten können.
Die Leiche des Jugendlichen wurde bei dieser ersten Durchsuchung offenbar noch nicht entdeckt. Erst bei einer erneuten Suche am Montagvormittag fanden Einsatzkräfte den toten 14-Jährigen.
Nach der Messerbedrohung leitete die Polizei umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein. Am Montagabend ging schließlich ein Hinweis ein, dass sich der gesuchte Mann im Bereich des Hallenbads an der Wielandstraße aufhalten könnte.
Gegen 18.30 Uhr trafen zivile Polizeibeamte dort auf den 37-Jährigen. Nach Angaben der Polizei versuchte der Mann zunächst zu fliehen. Als die Beamten ihn verfolgten und sich als Polizei zu erkennen gaben, habe er abrupt gestoppt, sich umgedreht und sei mit einem Messer in der Hand auf die Einsatzkräfte zugegangen.
Die Beamten forderten ihn laut Polizei mehrfach auf, das Messer fallen zu lassen. Da sich der Mann weiter genähert habe, gaben die Polizisten Schüsse ab. Der 37-Jährige wurde mehrfach getroffen.
Trotzdem soll er das Messer zunächst nicht losgelassen haben. Erst mithilfe eines weiteren Beamten mit Schutzschild konnte er entwaffnet werden. Der Mann wurde medizinisch versorgt, starb jedoch kurze Zeit später im Klinikum Memmingen.
Das Bayerische Landeskriminalamt ermittelt nun zum Schusswaffengebrauch der Polizei.
Der Vater des getöteten Jugendlichen erklärte gegenüber der BILD-Zeitung, dass die Eltern von Treffen ihres Sohnes mit dem späteren Tatverdächtigen gewusst hätten. Persönlich gekannt hätten sie den Mann jedoch nicht. Er sei ihnen „suspekt“ gewesen.
Nach Angaben des Vaters hätten die Eltern ihrem Sohn den Kontakt zu dem Mann verboten. Der Jugendliche habe sich jedoch nicht daran gehalten.
Damit stellt sich nun auch die Frage, wie lange der Kontakt zwischen dem 14-Jährigen und dem 37-Jährigen bereits bestanden hatte – und welche Rolle diese Beziehung im Tatgeschehen spielte.
Die Kriminalpolizei Neu-Ulm untersucht inzwischen zahlreiche digitale Spuren. Nach Angaben der Ermittler wurde das Handy des verstorbenen Tatverdächtigen ausgelesen. Dabei werden Chatverläufe, Telefonkontakte und Bewegungsdaten analysiert.
Zudem prüfen die Ermittler umfangreiches Videomaterial aus Überwachungskameras. Ziel sei es, die letzten Tage und Stunden vor dem Tod des Jugendlichen möglichst lückenlos zu rekonstruieren.
Polizei und Staatsanwaltschaft machten mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen bislang keine weiteren Angaben zu den Hintergründen der Tat.
Geschrieben von: Redaktion
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