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Der Herbst ist im Allgäu angekommen und mit ihm fallende Blätter und sinkende Temperaturen. Obwohl es bis zum Winter wohl noch eine Weile hin ist, richten einige bereits den Blick auf die kommenden Monate. Immer wieder kommen nämlich Gerüchte auf, dass uns ein besonders extremer Winter bevorstehen könnte. Aber was ist da dran und wie könnte der kommende Winter tatsächlich werden?
Darüber haben wir mit Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst gesprochen. Im Gespräch ging es außerdem darum, wie solche langfristigen Prognosen überhaupt zustande kommen, wann der erste Schnee bis in die Täler fallen könnte und wie wahrscheinlich weiße Weihnachten im Allgäu sind.

Herr Mewes, was ist an den Gerüchten dran, dass uns in diesem Jahr ein besonders extremer Winter bevorstehen könnte? Wie sieht es da für das Allgäu aus?
„Naja, an Gerüchten ist nicht immer, sagen wir mal, viel Wahrheit dran, aber vielleicht ist ein ganz kleiner Kern Wahrheit drin. Wir hatten gestern ein Kolloquium von den Kollegen im Bereich Klima. Und die hatten ausgesagt, dass es in Verbindung mit Niño durchaus öfter vorkam, dass in den Wintern der erste Teil eher so ein bisschen feucht und wärmer aussieht und der zweite Teil des Winters dann eher kalt und trocken war. Und da wir in diesem Jahr wieder ein Niño-Jahr haben, sogar ein ausgeprägt kräftiges El Niño, das also hier vor Südamerika mit dieser warmen Meeresoberfläche da praktisch auftritt, erwartet man, dass da wieder so etwas auftreten könnte. Wenn man sich jetzt aber mal die Simulationen anguckt, die etwas weiter hinausreichen: also das sind so saisonale Vorhersagen, die von Langfristvorhersagezentren gemacht werden, unter anderem von dem Mitteleuropäischen, aber auch vom DWD, dann deutet sich so an, dass wir wahrscheinlich in der ersten Winterhälfte tatsächlich so ein bisschen wärmer bleiben, auch leicht feucht. Aber das ist schon relativ unsicher eingestuft. Und in der zweiten Winterhälfte, das ist schon wieder auch ein bisschen unsicherer, wird es wohl auch noch leicht warm und dann auch etwas feuchter sein. Aber man muss sagen: Das bezieht sich auf Dreimonatsmittel. Das heißt also, detaillierte Sachen kann man daraus nicht entnehmen. Also man kann nur vermuten, dass innerhalb dieser Dreimonatsmittel dann auch mal ein Zeitraum steckt, der entsprechend mit tieferen Temperaturen einhergeht. Und da jetzt also detaillierter zu werden, das würde dann eigentlich schon so in Richtung Spekulation abdriften.“
Wie kann man denn überhaupt schon so weit im Voraus Aussagen über den kommenden Winter treffen? Wie funktionieren solche Prognosen aus meteorologischer Sicht?
„Also das ist so: Die Wettermodelle haben ja sozusagen ihr Ende so nach 14 Tagen. Das liegt einfach daran, dass der Fehler, der allein schon in den Anfangswerten der Modellrechnung liegt, dann so weit angestiegen ist, dass die Modelle eigentlich dann nicht mehr brauchbar sind in ihren Vorhersagen. Und in diesem Zeitraum danach greifen dann andere Modellvarianten, die dann, sagen wir mal, eher etwas konservativere Daten dann verwenden, unter anderem Meeresoberfläche, die Temperaturen in der Stratosphäre und dann noch so ein paar andere Größen, Laubbedeckung und dergleichen mehr. Und diese verschiedenen Modelle, die dafür genutzt werden: Meer-Modell, Geofläche und so weiter, weitere obere Atmosphäre – das wird miteinander verkoppelt und weiter in die Zukunft projiziert. Und dann wird eine Vorhersage erzielt. Das wird aber auch verglichen mit einer Referenzperiode eines Klimas des Modells. Diese Referenzperiode sagt dann aus: Das ist so ungefähr der Durchschnitt innerhalb dieses Modellklimas. Und wenn man davon Abweichungen hat, entweder nach oben oder unten, kann man eben sagen, es wird eben kälter oder wärmer an der Stelle.“
Sie haben vorhin schon gesagt, dass die erste Winterhälfte möglicherweise feuchter und wärmer ausfallen könnte. Kann man denn schon sagen, wann der erste Schnee im Allgäu bis ins Tal fällt?
„Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Also jetzt ist es in den nächsten Tagen noch nicht so weit. Was wir an Schnee haben im Allgäu, und da beziehe ich mich entsprechend auf das Oberallgäu, ist dann eher so oberhalb 1.800, 2.000 Metern, dass da ein bisschen Schnee zusammenkommt, aber auch alles nur so im geringen Zentimeterbereich. Derzeit ist die Kaltluft noch nicht so auf dem Vormarsch, dass das dann auch in tiefere Lagen geht. Also auf 1.500 Metern wird es vielleicht mal ein paar Schneeflocken geben, aber das bleibt dann erst mal noch nicht ganz liegen. Wie gesagt, in den etwas höheren Lagen wird es dann eher mal eine dünne Schneedecke geben. Und wenn man jetzt dann auch mal so ein bisschen sozusagen ans Ende unserer Modellkette guckt, dann bleibt es auch erst mal noch relativ mild. Das heißt also, wir können noch nicht vorhersagen, wann tatsächlich in den tieferen Lagen der Schnee zustande kommt. Es ist natürlich so: Wenn wir jetzt weiter mit der Zeit voranschreiten, wird allmählich dann auch die Wahrscheinlichkeit ein bisschen größer, dass irgendwann Schnee auftritt. Das liegt einfach daran, dass die nördlichen Breiten weiter abkühlen. Und wenn dann Luftmassen aus diesen Breiten nach Mitteleuropa vordringen, damit hier auch in unsere Richtung ins Allgäu, dann kann es durchaus sein, dass dann eben doch mal Schneefall zustande kommt.“
Und vielleicht noch ein kurzer Blick in die Glaskugel: Kann man schon sagen, ob es dieses Jahr endlich mal wieder mit weißen Weihnachten klappt?
„Nee, also diese Aussage jetzt definitiv zu beantworten, ist natürlich nicht möglich. Was man aus Sicht der Klimatologen sagen kann, und da hatte ich auch meine Kollegen mal befragt, ist eigentlich: Wenn man jetzt mal Oberstdorf und Kempten betrachtet, dann hat man für Schnee an einem der Weihnachtsfeiertage eine Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent in Oberstdorf, in Kempten ist das bei 40 Prozent. Und wenn man alle drei Tage zusammen nimmt, dann liegt man in Oberstdorf bei 55 Prozent und in Kempten so bei 25 Prozent. Und wenn man mal den Zeitraum von 2000 bis 2025 ansieht, den mir der Kollege zur Verfügung gestellt hat, dann gibt es da auch Perioden, wo eigentlich nichts passierte, und dann wieder Zeiträume mit Schnee. Aber die liegen schon, muss man sagen, ein bisschen in der Vergangenheit. Wobei jetzt 2024 ja doch an beiden Standorten eine deutliche Schneedecke brachte. Aber dann gab es eben doch dazwischen längere Zeiten, wo nichts passierte, also wo kein Schnee vorhanden war.“
Geschrieben von: Redaktion
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