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Bäckermeister Erwin Weber aus Frauenzell bildet seit zwei Jahren Vietnamesen aus, um offene Lehrstellen zu besetzen. Die Auszubildenden erhalten Deutschkurse, faire Ausbildungsvergütung und Unterstützung bei Alltag und Integration. Für Weber ist die Ausbildung der jungen Fachkräfte ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel im Handwerk und ein Modell, das er auch anderen Betrieben empfiehlt.

Im Allgäu spüren viele Handwerksbetriebe den Fachkräftemangel besonders deutlich – Bäckereien sind davon stark betroffen. Um offene Lehrstellen zu besetzen, beschäftigt Bäckermeister Erwin Weber aus Frauenzell bei Altusried seit zwei Jahren Auszubildende aus Vietnam. Aktuell lernen sechs Vietnamesen in seiner Backstube das Bäckerhandwerk.
Weber unterstützt sie intensiv: Er organisiert Deutschkurse, sorgt für gute Arbeitsbedingungen, begleitet sie zu Arzt- oder Zahnarztbesuchen und hilft beim Einrichten der Wohnungen. Die Vermittlung erfolgt über Agenturen, die Visum, Flug und Vorstellungsgespräche organisieren. Ein Teil des Lohns wird direkt an die Familien in Vietnam weitergegeben. Für Weber ist klar: Die Azubis sollen gerecht behandelt werden, die reguläre Ausbildungsvergütung erhalten und später tariflich abgesichert sein. Ziel ist eine langfristige Integration und Ausbildung nach deutschem Standard – ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel im Handwerk.
AllgäuHIT hat mit Erwin Weber über das Konzept und seine Erfahrungen gesprochen:
AllgäuHIT: Herr Weber, wie sind Sie darauf gekommen, Auszubildende aus Vietnam einzustellen?
Erwin Weber: Unsere Regierung hat das Gesetz auf den Weg gebracht, dass Auszubildende aus dem Ausland kommen dürfen. Und das war notwendig – wir haben einfach zu wenig Jugendliche als Nachwuchs. Das betrifft nicht nur Bäcker, das zieht sich durch alle Gewerke. Ich habe durch Zufall jemanden in Vietnam kennengelernt, der eine deutsche Sprachschule betreibt. Er sagte mir: „Wenn Sie ein oder zwei Auszubildende wollen, kann ich die vermitteln.“
AllgäuHIT: Welche Voraussetzungen müssen die jungen Menschen mitbringen?
Weber: Sie sollen B1-Deutsch können – wobei das unterschiedlich ausfällt. Manche sprechen schon gut Deutsch, andere wenig. In der Backstube lernen sie es schnell im Alltag. Zusätzlich habe ich über die Volkshochschule einen speziellen Sprachkurs auf Vietnamesisch organisiert, den sie zweimal pro Woche besuchen.
AllgäuHIT: Wie reagieren die Auszubildenden auf die Allgäuer Backkultur?
Weber: In Vietnam wird nicht so viel gebacken, morgens essen sie Reis oder Suppe. Unsere Brotkultur ist für sie völlig neu – Kümmel und Sauerteig sind spannend für sie. Die ersten Azubis sind schon im zweiten Lehrjahr und probieren sich Stück für Stück weiter durch.
AllgäuHIT: Was ist Ihnen bei der Betreuung besonders wichtig?
Weber: Man darf nicht erwarten, dass sie sofort fertig ausgebildete Fachkräfte sind. Wir müssen alles zeigen und sie begleiten – vom Einrichten der Wohnung bis Arztbesuche. Sie sollen gerecht behandelt werden, normale Ausbildungsvergütung erhalten und tariflich abgesichert sein. Viele Berufsschulen in Kempten haben inzwischen zwei Drittel Schüler aus dem asiatischen Raum – das ist ein Modell, das funktioniert.
AllgäuHIT: Wie sehen Sie die Zukunft?
Weber: In drei, vier Jahren gehen viele Babyboomer in Rente. Wir müssen uns wappnen – und das geht nur über Ausbildung. Deshalb werde ich die Ausbildung von internationalen Azubis weiter fortsetzen. Ich kann jedem Betrieb nur raten, diesen Weg zu gehen.
Geschrieben von: Niklas Bitzenauer
Allgäu Altusried Ausbildung bäckerei Fachkräftemangel Vietnam