Mathias Hotz von der CSU lässt seine politischen Ämter in Lindau ab sofort ruhen. Der zweite Bürgermeister sowie Stadt- und Kreisrat hat das nach Angaben seines Anwalts der Stadtverwaltung und den Fraktionsvorsitzenden mitgeteilt. Gegen Hotz wird bei der Staatsanwaltschaft Kempten wegen des Anfangsverdachts der Bestechung ermittelt.
Gericht – Symbolbild/ Foto: pixabay
Hotz lässt politische Ämter wegen Ermittlungsverfahren ruhen
Ein Bericht und Kommentar von Norbert Kolz
Der Lindauer CSU-Politiker Mathias Hotz hat seine Funktionen als zweiter Bürgermeister sowie als Mitglied des Stadt- und Kreisrats mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Die Mitteilung erfolgte am Donnerstag über seinen Anwalt an die Stadtverwaltung und die Fraktionsspitzen.
Das digitale Nachrichtenmagazin für die Region Lindau „Kolumna“ hatte zunächst über den Vorgang berichtet.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten
Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kempten. Nach Angaben des Anwalts besteht ein Anfangsverdacht wegen Bestechung. Wie Kolumna berichtet, steht das Verfahren im Zusammenhang mit Untersuchungen im Lindauer Bauamt. Dort prüfen die Ermittler unter anderem den Verdacht, dass bei einem Bauprojekt der Seebau GmbH in der Schachener Straße eine ablehnende Stellungnahme aus den Genehmigungsunterlagen entfernt worden sein könnte.
Bereits zuvor hatte die Stadtverwaltung laut Kolumna Unstimmigkeiten bei einem weiteren Vorhaben der Seebau GmbH in der Schöngartenstraße bestätigt. In diesem Zusammenhang wurde im Januar Anzeige gegen Hotz wegen des Verdachts der Vorteilsnahme erstattet. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Beteiligung an der Seebau GmbH und Reaktion von Hotz
Hotz war von 2023 bis ins Frühjahr 2025 an der Seebau GmbH beteiligt, zunächst direkt, später über eine Holdinggesellschaft. Über seinen Anwalt erklärt er, während des laufenden Verfahrens keine Presseanfragen zu beantworten. Zugleich weist er die Vorwürfe zurück und betont, er habe niemandem Vorteile gewährt, um dienstliche Entscheidungen zu beeinflussen. Die Aussetzung seiner Ämter sei aus Respekt vor seinen ehrenamtlichen Aufgaben erfolgt und bedeute kein Schuldeingeständnis, so Kolumna.
Zudem behält sich Hotz rechtliche Schritte gegen die Personen vor, die die Anzeige erstattet haben. Sollte sich herausstellen, dass persönliche Konflikte oder der anstehende Wahlkampf Auslöser gewesen seien, wolle er auch dagegen vorgehen.
Keine Rolle im aktuellen Oberbürgermeisterwahlkampf
Im aktuellen Wahlkampf tritt Hotz nicht als Oberbürgermeisterkandidat an. Die CSU schickt am 8. März Jasmin Sommerweiß ins Rennen. Hotz steht außerdem nicht auf der Stadtratsliste seiner Partei und bewirbt sich lediglich um ein Mandat im Kreistag.
Kurz vor der Oberbürgermeisterwahl in Lindau rücken mögliche straf- und dienstrechtliche Vorgänge in den Fokus der Öffentlichkeit. Das ist politisch heikel und verstärkt den Eindruck, dass die Stadtverwaltung in einer Phase besonderer Sensibilität unter genauer Beobachtung steht.
Der Zeitpunkt der bekannt gewordenen Ermittlungen liefert zwangsläufig Stoff für Diskussionen. In politischen Kreisen wird darüber spekuliert, inwieweit der Wahlkampf die Wahrnehmung der Vorgänge beeinflusst oder zuspitzt. Solche Debatten mögen menschlich verständlich sein, dürfen aber nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen: Entscheidend ist eine sachliche, rechtsstaatliche Aufklärung der Vorwürfe durch die zuständigen Stellen.
Die Entwicklung legt zugleich den Finger auf eine empfindliche Stelle: Transparenz und interne Kommunikation. Werden Ermittlungen gegen Amtsträger bekannt, erwarten Bürgerinnen und Bürger eine konsistente, nachvollziehbare Informationspolitik – weder Beschwichtigung noch Dramatisierung. Unklare Abläufe oder widersprüchliche Signale können das Vertrauen in Verwaltung und Politik nachhaltig beschädigen.
Eines muss dabei außer Frage stehen: Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung. Gerade deshalb braucht es eine nüchterne, professionelle Aufarbeitung, frei von parteipolitischer Instrumentalisierung. Wahlkampf und juristische Verfahren sollten strikt getrennt bleiben. Am Ende wird man nicht nur auf die Ergebnisse der Ermittlungen blicken, sondern auch darauf, wie verantwortungsvoll Politik und Verwaltung in dieser sensiblen Phase agiert haben.