Die wirtschaftliche Stimmung im Landkreis Lindau hat sich deutlich verschlechtert. Während sich die Konjunktur in Bayerisch-Schwaben insgesamt leicht erholt, blicken die Unternehmen am Bodensee wieder pessimistischer in die Zukunft. Besonders hohe Kosten, eine schwache Nachfrage und schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bereiten Sorgen.
Landkreis Lindau entwickelt sich gegen den schwäbischen Trend
Die wirtschaftliche Erholung lässt im Landkreis Lindau weiter auf sich warten. Das geht aus der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Schwaben hervor. Demnach ist die Stimmung in der heimischen Wirtschaft seit dem Frühjahr spürbar zurückgegangen. Der regionale IHK-Konjunkturindex verlor acht Punkte und liegt jetzt bei 110 Punkten.
Damit zeigt sich im Landkreis eine andere Entwicklung als im übrigen Bayerisch-Schwaben. Dort konnte der Index um drei Punkte auf 105 Zähler zulegen. Auch im Wirtschaftsraum Allgäu ging es aufwärts: Hier steht ein Wert von 106 Punkten zu Buche.
Zwar liegt Lindau mit 110 Punkten weiterhin über der neutralen Marke von 100 Punkten. Die Entwicklung bereitet den Wirtschaftsvertretern dennoch Sorgen. Rolf Thomann, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee, sieht darin ein deutliches Warnsignal. Die Betriebe hätten weiterhin mit hohen Kosten, einer schwachen Nachfrage und ungünstigen wirtschaftspolitischen Bedingungen zu kämpfen.
Gute Geschäftslage, aber wenig Hoffnung auf Besserung
Ein genauer Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt ein durchaus widersprüchliches Bild. 41 Prozent der befragten Unternehmen im Landkreis bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut. Knapp die Hälfte, nämlich 49 Prozent, bezeichnet sie als befriedigend. Zehn Prozent sind mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden.
Deutlich zurückhaltender fallen allerdings die Erwartungen für die kommenden Monate aus. Lediglich acht Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. 14 Prozent gehen dagegen von einer Verschlechterung aus. Die große Mehrheit erwartet keine wesentlichen Veränderungen.
Für IHK-Regionalgeschäftsführer Julian Harpf ist diese Entwicklung bedenklich. Wenn die Betriebe keine verlässlichen Perspektiven für die Zukunft sehen, würden sie auch bei Investitionen und Neueinstellungen vorsichtiger werden. Gerade für einen mittelständisch geprägten Wirtschaftsstandort wie den Landkreis Lindau könne das langfristige Folgen haben.
Hohe Kosten und politische Rahmenbedingungen als zentrale Belastung
Wie schwierig die wirtschaftlichen Bedingungen inzwischen sind, verdeutlichen auch die Ergebnisse für ganz Bayerisch-Schwaben. Bei der Frage nach den größten Geschäftsrisiken stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 66 Prozent an erster Stelle. Fast ebenso häufig werden die Energie- und Rohstoffpreise mit 65 Prozent genannt. Dahinter folgen die schwache Inlandsnachfrage mit 59 Prozent und die hohen Arbeitskosten mit 57 Prozent.
Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften wird von 34 Prozent der befragten Unternehmen als Risiko eingestuft.
Auch bei den Investitions- und Personalplanungen zeigt sich die Zurückhaltung. Schwabenweit wollen lediglich 22 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen im Inland erhöhen. 20 Prozent planen dagegen, ihre Ausgaben zurückzufahren. Bei den Beschäftigtenzahlen rechnen 22 Prozent der Betriebe mit einem Rückgang. Nur zwölf Prozent möchten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Rolf Thomann sieht darin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Die Unternehmen müssten sich nicht nur mit schwierigen Absatzmärkten auseinandersetzen, sondern gleichzeitig hohe Energie- und Arbeitskosten sowie zunehmende bürokratische Anforderungen bewältigen.
IHK fordert spürbare Reformen von der Politik
Die Vertreter der IHK Schwaben verbinden die Ergebnisse deshalb mit einem deutlichen Appell an die Bundesregierung. Angekündigte Reformen müssten jetzt tatsächlich umgesetzt werden. Zu den zentralen Forderungen gehören weniger Bürokratie, bezahlbare Energie, eine Begrenzung der Arbeitskosten und flexiblere Regelungen auf dem Arbeitsmarkt.
Auch Dorothee Buhmann, Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee, mahnt entschlossenes politisches Handeln an. Die Region verfüge zwar über leistungsfähige Betriebe und einen starken Mittelstand. Dauerhaft könnten aber auch wirtschaftlich gut aufgestellte Unternehmen ungünstige Standortbedingungen nicht ohne Folgen ausgleichen.
Die Botschaft des regionalen Wirtschaftstreffens in Lindau ist damit eindeutig: Eine leichte Erholung in Teilen Bayerisch-Schwabens reicht nicht aus. Gerade im Landkreis Lindau wächst die Sorge, dass die wirtschaftliche Schwächephase anhält. Damit Investitionen gesichert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, erwarten die Unternehmen vor allem eines: verlässliche politische Rahmenbedingungen und konkrete Entlastungen.