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Am Hochvogel in den Allgäuer Alpen deutet vieles auf einen bevorstehenden größeren Felssturz hin. Wissenschaftler der Technischen Universität München haben bei aktuellen Messungen erneut deutlich zunehmende Bewegungen im Gestein festgestellt. Nach Einschätzung von Geologieprofessor Michael Krautblatter könnte der bereits im Juni begonnene Abbruch inzwischen weiter fortgeschritten sein.

Der Hochvogel wird seit zwölf Jahren wissenschaftlich überwacht und gehört mit mehr als 30 Sensoren zu den am besten untersuchten Bergen Deutschlands. Die Messgeräte registrierten bereits im Frühjahr Bewegungen von bis zu fünf Millimetern pro Woche. Bei einem aktuellen Besuch kontrollierte ein fünfköpfiges Team der Technischen Universität die Messsysteme und nahm weitere Untersuchungen vor.
Besondere Aufmerksamkeit gilt inzwischen einem neuen Riss an der Südwestkante des Gipfels. Der sogenannte „Spalt 6“ weist derzeit die größten Bewegungsraten auf. Die Forscher vermuten, dass von dort der größere Felsabbruch ausgelöst werden könnte. Ein zusätzlicher seismischer Sensor soll künftig Erschütterungen und Schwingungen im Gestein erfassen und die Wissenschaftler bei der Einschätzung der weiteren Entwicklung unterstützen.
Bereits im Juni waren rund 2.000 Kubikmeter Gestein vom Hochvogel abgestürzt. Für den größeren, noch bevorstehenden Bergsturz rechnen die Forscher mit einem Felspaket von etwa 250.000 bis 400.000 Kubikmetern. Der große Gipfelspalt ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt und hat sich inzwischen zu einer bis zu sechs Meter breiten und rund 70 Meter tiefen Kluft entwickelt.
Der traditionelle Bäumenheimer Weg auf der Tiroler Seite ist bereits seit 2014 gesperrt. Die mögliche Sturzrichtung liegt in unbewohntem Gelände. Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnte sich der Zerfall des Berges bis zu einem endgültigen größeren Abbruch noch über mehrere Jahre hinziehen.
Der Hochvogel dient dabei auch als Forschungsgebiet: Weil bei einem möglichen Felssturz keine bewohnten Gebiete betroffen wären, können die Wissenschaftler dort neue Mess- und Überwachungstechniken erproben, die später auch an anderen gefährdeten Bergen eingesetzt werden könnten.
Geschrieben von: Leon Dauter
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