Nur ein paar Sekunden fehlten dem FC Memmingen, um am 23. Regionalliga-Spieltag für einen weiteren Überraschungscoup gegen eines der Top-Teams zu sorgen. Die ohnehin schon üppig bemessene Nachspielzeit von fünf Minuten war eigentlich schon durch und auf der Anzeigentafel im Grünwalder Stadion stand noch die 2:1 Führung der Allgäuer beim FC Bayern München II. Dann war aber Anton Heinz zur Stelle und machte doch noch den späten Ausgleich für die Münchner.
Zuvor hatte der 28-jährige zwar schon einen Elfmeter zum Anschluss verwandelt, ansonsten hatten die Memminger den Torjäger weitgehend im Griff und schränkten seine Kreise maßgeblich ein. Heinz rettete den „kleinen Bayern“ am Ende dennoch nicht nur einen Punkt, der ehemalige Aachener schraubte sein Torekonto auf mittlerweile 18 Treffer. Im Hinspiel hatte er beim 4:1 sogar alle vier Tore gemacht.
„Der Zeitpunkt des Ausgleichs war sehr ärgerlich“, lautete das Fazit von FCM-Trainer Matthias Günes, der das Ergebnis aufgrund des Spielverlaufs aber auch richtig einordnete, „denn unterm Strich war es ein glücklicher Punktgewinn für uns. Wir haben einfache Tore erzielt und wollten es über die Zeit bringen“.
Erwartungsgemäß war der FC Bayern II erst einmal Herr im Haus, doch die Tore machte Memmingen. 33. Minute: Constantin Kresin marschierte über die linke Seite, wurde im Strafraum von Julien Yanda gezupft. Den fälligen Strafstoß verwandelte Jakob „Jacky“ Gräser humorlos zum 0:1 für die Allgäuer (33. Minute). Und es kam noch besser: Nach einer nicht ausreichend abgewehrten Flanke von Philipp Kirsamer zeigte sich Fabian Lutz reaktionsschnell und machte den Doppelschlag mit dem 0:2 perfekt (36.).
Die restliche, lange Spielzeit war auf Memminger Seite viel Laufbereitschaft und Kampf. Die disziplinierte Abwehrarbeit bekam erst nach einem Dreifach-Wechsel der Bayern Risse. Zum Joker wurde Artur Degraf. Zunächst holte er gegen Gräser einen Elfer heraus, den Heinz zum 1:2-Anschluss verwandelte (62.). Beim 2:2 legte Degraf dem Goalgetter auf.
„Nach der englischen Woche hatte die Bayern am Ende mehr Körner als wir“, bedauerte FCM-Co-Trainer Candy Decker, dass die Konzentration nicht bis zur allerletzten Sekunde reichte. Auch der Münchner Talentschuppen hatte drei Spiele in einer Woche, verkraftete aus dem schier unerschöpflichen Reservoir die Ausfälle und die kurzfristigen Abstellungen von Denzil Ofli und Maycon Cardoso in den Profi-Kader ohne Probleme. Mudaser Sadat und Kurt Rüger schlossen die entstandenen Lücken nahtlos.
„Beide Teams haben in jeder Situation maximale Intensität gezeigt und sind ans Limit gegangenen. Die beiden Tore entstehen aus zwei Fehlern in der Rückwärtsbewegung, das hat Memmingen eiskalt ausgenutzt,“ kommentierte FCB-Trainer Holger Seitz, „es ist schade, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Aufgrund der Torchancen wäre ein Sieg sicher verdient gewesen. Gleichzeitig sind wir natürlich froh, dass wir uns am Ende mit dem späten Ausgleich zumindest noch belohnt haben.“ Bayern II verpasste mit dem Ergebnis die Chance, noch einmal ganz oben anzugreifen.
Für den FC Memmingen bedeutet dieser „Bonuspunkt“ mit dem zehnten Unentschieden in dieser Saison gegen einen Favoriten die Rückkehr in die obere Tabellenhälfte. Den nächsten Schritt zum Klassenerhalt kann der Aufsteiger nächsten Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen Schlusslicht SpVgg Hankofen-Hailing machen.