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Was bedeutet es, dass Seeg eventuell aus der Verwaltungsgemeinschaft austreten will, was ist denn da der Hintergrund?
Lorenz Schnatterer: „Also Seeg, oder der Gemeinderat Seeg, hat sich einfach auf die Fahne geschrieben, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, noch einmal eine Prüfung stattfinden zu lassen. Dabei geht es darum, ob die Ausrichtung in der Verwaltungsgemeinschaft mit insgesamt sechs Gemeinden langfristig für Seeg das richtige Format ist und ob das für unsere Entwicklung auch wirklich passt. Das ist eigentlich der Hintergrund zu dem ganzen Thema. Man beleuchtet dabei unterschiedliche Aspekte und schaut, ob man in der Größe, in der wir inzwischen sind, mit über 3.000 Einwohnern – und wir sind ja auch noch im Wachstum -, ob da Eigenständigkeit nicht sinnvoller wäre. Das ist relativ einfach gesagt der Hintergrund der Prüfung.“
Wie ist das Ganze dann aufgekommen, also ist es schon länger im Gespräch oder kam das jetzt relativ spontan auf?
Lorenz Schnatterer: „Ja, wir diskutieren das schon seit circa einem halben Jahr. Wir haben uns das zunächst im kleinen Kreis angeschaut: Wo läuft Seeg in den nächsten Jahren hin, wo wollen wir in den nächsten 15 Jahren stehen? Und wo gibt es vielleicht Möglichkeiten, bei denen man einfacher und schneller zu Beschlüssen kommt oder schneller in die Umsetzung gehen kann, beziehungsweise wo uns das Ganze sinnvoll erscheint. Das haben wir zunächst im kleinen Kreis diskutiert und dann im größeren Kreis im Gemeinderat noch einmal aufgegriffen. So ist das Ganze entstanden. Und wir sehen natürlich auch, dass jetzt durch die Wahlen bei vielen Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft der Bürgermeister wechseln wird. Da sehen wir, wenn solche Gedanken schon gemacht werden, dass jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt für solche Themen ist.“
Was sehen Sie persönlich für Vorteile jetzt für Seeg, wenn man das wirklich durchziehen würde?
Lorenz Schnatterer: „Ja, sagen wir mal so: Dadurch, dass man dann eigenständig ist, hat man natürlich komplett eigenes Personal, das nur für die Gemeinde Seeg arbeitet. Dadurch ist man viel schneller und handlungsfähiger. Man kann die eigenen Fachabteilungen schneller mit einbeziehen, ohne dass man Rücksicht auf fünf oder sechs andere Gemeinden nehmen muss. Man ist insgesamt einfach viel flexibler. Und das ist natürlich schon ein Vorteil, gerade in der Größenordnung, in der wir jetzt sind. Wir sind von der Einwohnerzahl teilweise sogar größer als andere Verwaltungsgemeinschaften insgesamt. Oder es gibt ja auch viele Beispiele bei uns in der Region, wo Gemeinden in dieser Größenordnung von Haus aus eigenständig sind. Und da sehen wir natürlich schon die Vorteile.“
Warum hat man dann damals überhaupt so eine Verwaltungsgemeinschaft gegründet, wenn eine Eigenständigkeit sinnvoller für die Gemeinden und Städte sein sollte?
Lorenz Schnatterer: „Ich glaube, damals bei der Gründung 1978 waren die Voraussetzungen ganz andere, die sechs Gemeinden damals hatten wahrscheinlich eine deutlich geringere Einwohnerzahl. Wir sind ja im Landkreis Ostallgäu die einzige Verwaltungsgemeinschaft mit sechs Gemeinden. In der Regel sind es zwei, vielleicht drei, aber sechs gibt es im Ostallgäu sonst eigentlich nirgends. Wie das Ganze 1978 genau zustande gekommen ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Aber ich denke, die Zeiten ändern sich. Und deshalb ist es jetzt ein guter Zeitpunkt, das Ganze auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, ob das noch passt. Alle Gemeinden sind gewachsen, nicht nur Seeg, und auch die Gemeinderäte wurden erweitert. Wir haben jetzt zum Beispiel zwei Sitze mehr und kommen künftig auf 16 Gemeinderäte. Die Zeiten haben sich verändert, es sind andere Themen hinzugekommen, die inzwischen behandelt werden müssen. Und deshalb halte ich es für legitim, diese Frage noch einmal zu stellen: Macht es in dieser Größe und in dieser Vielfalt an Gemeinden noch Sinn, oder wäre es sinnvoller, eigenständig zu sein? Man muss ja auch sehen, dass Seeg die größte Gemeinde ist, die nächstgrößere ist etwa halb so groß. Von daher denke ich, dass es völlig legitim ist, jetzt eine vernünftige Prüfung zu diesem Thema vorzunehmen.“
Glauben Sie, dass es sein könnte, dass eventuell auch andere Gemeinden nachziehen würden, wenn Seeg das durchziehen würde?
Lorenz Schnatterer: „Das weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Man muss natürlich wirtschaftlich in der Lage sein und auch von der Leistungsfähigkeit her eigenständig das Ganze betreiben zu können. Dafür braucht man eine gewisse Größe an Einwohnern in der Gemeinde und eine entsprechende Struktur, die man dann auch finanzieren kann. Ob zum Beispiel jetzt der zweitgrößte Ort, der ja etwa halb so groß ist wie Seeg, irgendwann auf die Idee kommt, kann ich im Moment nicht sagen. Ich glaube jetzt eher nicht daran, ausschließen kann man es aber auch nicht. Das liegt ja letztlich auch nicht in unserer Entscheidungsbefugnis.“
Wie geht es jetzt in Seeg konkret weiter? Was sind da die nächsten Schritte?
Lorenz Schnatterer: „Ja, wir stellen jetzt erst einmal gegenüber, was eine eigene Struktur, gerade finanziell, kosten würde und wie diese aussehen könnte. Das werden wir dann im Gemeinderat diskutieren. Spätestens im April wollen wir eine Entscheidung treffen, ob wir einen Austrittsantrag stellen. Ob wir diesen Antrag tatsächlich stellen, ist ja noch völlig offen. Sollte es dazu kommen, wird der Antrag anschließend über das Landratsamt und die Bayerische Staatsregierung geprüft. Dort wird sich das Ganze noch einmal genauer angeschaut, und letztlich wird dort auch entschieden, ob ein Austritt final genehmigt wird oder nicht. Wenn dem Ganzen stattgegeben würde, würde das aus meiner Sicht auf jeden Fall noch ein bis zwei Jahre dauern. Danach müsste man sich Gedanken machen, wie so eine Trennung konkret stattfinden kann. Das ist aber im Moment noch sehr viel Zukunftsmusik. Jetzt geht es erst einmal darum, zu prüfen, wie eine eigene Struktur bei uns aussehen könnte und welche Vor- und Nachteile diese hätte. Das wägen wir im Gemeinderat sehr detailliert ab, und auf dieser Basis treffen wir dann zunächst die Entscheidung, ob überhaupt ein Antrag gestellt wird.“
Geschrieben von: Redaktion