Am Sonntag, 4. Oktober, jährt sich die Inbetriebnahme des Lindauer Leuchtturms zum 170. Mal. Zusammen mit dem Bayerischen Löwen prägt er das Bild der Stadt am Bodensee. Doch hinter dem beliebten Ausflugsziel verbirgt sich eine wechselvolle Geschichte, einschließlich eines jahrelangen Streits um die Eigentumsrechte am Hafen.
Ein Bericht von Norbert Kolz
Der 36 Meter hohe Leuchtturm gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Lindaus. Die Stadt verwendet sein Motiv auf ihrer Internetseite, auf Briefpapier und in der E-Mail-Signatur sowie auf zahlreichen Souvenirs. Gemeinsam mit dem Bayerischen Löwen an der Hafeneinfahrt bildet er ein geschütztes Markenzeichen der Stadt.
Jährlich besuchen rund 50.000 Menschen den Turm. Über 139 Stufen erreichen sie die umlaufende Aussichtsplattform. Allerdings ist der Aufstieg nur während der Saison und bei trockener Witterung möglich. Lindau verzeichnete nach Schätzungen der Stadt etwa 2,5 Millionen Tagesbesucher.
Vom Leuchtfeuer mit Ölpfannen zur elektrischen Beleuchtung
Als der Leuchtturm am 4. Oktober 1856 nach gut drei Jahren Bauzeit seinen Betrieb aufnahm, stand nicht der Tourismus im Vordergrund. Er sollte den Schiffen auf dem Bodensee als Orientierung dienen und damit unter anderem den Handel unterstützen. Zugleich löste er den älteren Mangturm als Leuchtfeuer ab. Deshalb ist gelegentlich auch vom Neuen Leuchtturm die Rede.
Die Technik hat sich seit der Eröffnung mehrfach verändert. Zunächst erzeugte ein Leuchtturmwärter das Licht mit großen, ölbeheizten Pfannen. Später wurden Petroleum und Gas verwendet. Seit 1936 funktioniert das Leuchtfeuer elektrisch. Zwei rotierende Scheinwerfer werden per Funk gesteuert. Im regulären Betrieb bleiben sie heute ausgeschaltet und kommen nur bei besonders schlechten Sichtverhältnissen zum Einsatz.
Der Leuchtturm ist der einzige seiner Art in Bayern und zugleich der südlichste Deutschlands. 2015 würdigte ihn auch die Deutsche Post mit einer Briefmarke im Wert von 62 Cent.
Der Bayerische Löwe ist deutlich kleiner
Gegenüber dem Leuchtturm wacht der Bayerische Löwe über die Hafeneinfahrt. Die aus rund 50 Tonnen Sandstein gefertigte Figur ist sechs Meter hoch und damit deutlich kleiner als ihr Gegenüber. Beide Bauwerke wurden 1856 auf Geheiß von König Maximilian II. errichtet.
Die Hafenanlage war damals Eigentum der Deutschen Bahn. Noch heute erinnert eine große Uhr am Leuchtturm an diese Verbindung. Sie wurde angebracht, damit die Reisenden am gegenüberliegenden Inselbahnhof die Uhrzeit ablesen konnten.
Wie der Lindauer Hafen in den Besitz von Konstanz gelangte
Die Eigentumsgeschichte des Hafens nahm 1962 eine entscheidende Wendung. Damals bündelte die Deutsche Bahn ihre Schiffsflotte in einer Gesellschaft mit Sitz in Konstanz. Als sich die Bahn 2003 auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und die Bodensee-Schiffsbetriebe verkaufen wollte, waren davon auch die zugehörigen Hafen- und Grundstücksflächen betroffen. Darunter befand sich der Lindauer Hafen mit rund 46.400 Quadratmetern.
Die Stadt Lindau wollte das Gelände zurückkaufen. Doch die Verhandlungen mit den Stadtwerken Konstanz zogen sich über sechs Jahre hin. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Vorstellungen über Eigentums- und Nutzungsrechte. Anwälte wurden eingeschaltet, Forderungen gestellt und Ultimaten ausgesprochen. Zeitweise drohte sogar ein Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht.
Erst im Oktober 2009 gelang eine Einigung. Lindau erhielt den Hafen zurück, während Konstanz großzügige Nutzungsrechte für die Weiße Flotte zugesprochen bekam. Der Kaufpreis lag nach damaligen Zeitungsberichten inklusive Nebenkosten deutlich unter zwei Millionen Euro.
Der Leuchtturm als Ort für den Heiratsantrag
Seit gut einem Jahr bietet die Stadt Lindau eine besondere Möglichkeit an: Paare können den Leuchtturm exklusiv für einen Heiratsantrag buchen. Die Aussichtsplattform bietet dabei einen Blick über den Bodensee bis zu den Alpen.
Das Angebot wurde bislang sechsmal genutzt.
Am Sonntag steht der Leuchtturm zunächst ganz im Zeichen seines 170. Geburtstags. Seine Geschichte reicht jedoch weit über dieses Jubiläum hinaus, von der ursprünglichen Funktion als Orientierungspunkt für die Schifffahrt über den Streit um den Hafen bis zu seiner heutigen Rolle als Wahrzeichen und Aussichtspunkt.
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