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Westallgäu - Scheidegg
Mittwoch, 2. Oktober 2019

Offener Brief an Scheideggs Bürgermeister Pfanner

BUND Naturschutz mit Vorschlag zum Feriendorf

Der Bund Naturschutz hat sich in einem offenen Brief an den Bürgermeister Ulrich Pfanner gewendet. Thema des Briefes ist die Fläche des ehemaligen Feriendorfes "Saarland" am Ostkinberg. Seit Jahrzehnten steht dieses Gebiet still. Nun wendet sich der BUND Naturschutz mit dem Vorschlag an den Bürgermeister, die Fläche zu renaturieren. Den vollständigen Brief lesen sie im folgenden Absatz:

Bericht im „Westallgäuer“ vom 21. 9. 2019: „Gedankenspiele um Feriendorf Scheidegg“ – Zukünftige Entwicklung am Ostkinberg

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Pfanner,

lieber Uli,

auf den zitierten Pressebericht darf verwiesen werden. Danach ist noch immer offen, was mit dem Gelände des ehemaligen Feriendorfes Saarland geschieht. Seit fast 20 Jahren herrscht hier Leer- und Stillstand. Die Gebäude sind ausnahmslos abbruchreif. Das 13 ha große Gebiet befindet sich seit 2012 im Besitz des Marktes Scheidegg – und das ist gut so. Damit hat der Markt alleine die Hand darauf. Obwohl es immer wieder in den vergangenen Jahren bauliche Ideen gab, wie eine Umnutzung aussehen könnte, blieb es bei den Ideen. Auch ein vom Markt Scheidegg eingesetzter Projektentwickler hat offenbar bisher noch keine Lösung präsentieren können. Das geht jedenfalls aus dem jüngsten Zeitungsbericht vom 21. 9. 2019 hervor. Nach dem rechtsgültigen Flächennutzungs- und Bebauungsplan kann nur eine touristische Nutzung infrage kommen. Eine Umwandlung etwa in ein Wohn- oder Gewerbegebiet ist landesplanerisch und nach dem Baugesetzbuch nicht möglich – unter anderem wegen fehlender Anbindung an vorhandene Siedlungsstrukturen.

Wir stellen erneut die Frage: Warum denkt der Markt Scheidegg nur in die Richtung, wie das Gebiet touristisch genutzt werden kann? Scheidegg ist eine Gemeinde mit einem blühenden Tourismus. Es ist stolz darauf, sich nach Lindau mit über 550 000 Übernachtungen im Jahr 2018 an zweiter Stelle im Landkreis einzureihen. Ist es da überhaupt noch erstrebenswert, noch weiter wachsen zu wollen? Besteht da nicht die Gefahr, mit dem Aus- und Neubau von neuen Ferienanlagen einen Übertourismus zu erzeugen? Venedig ist da ein berühmtes Beispiel, wie sehr die Einheimischen darunter leiden und nach Abhilfe suchen. In den Hochburgen Oberstdorf oder Schwangau (Neuschwanstein) wird bereits über Begrenzungen diskutiert. Das Gleiche war neulich auch in Lindau der Fall, wobei die Meinung anklang, die Inselstadt gerate an ihre Grenzen.

Will der Markt Scheidegg mit neuen Überlegungen um die zukünftige touristische Nutzung des Geländes am Ostkinberg seine Kapazitäten weiter erhöhen? Sind wirklich neue Hotels mit Beiwerk notwendig und erwünscht? Hat nicht der Markt erst vor kurzem am Kurhaus ein neues großes Hotel entstehen lassen? Sind dort die Kapazitäten bereits wieder ausgeschöpft? Wohin will also Scheidegg mit einer Erweiterung am Ostkinberg seinen Tourismus entwickeln?

Nachdem in den 20 Jahren, seit das Feriendorf Saarland seine Pforten geschlossen hat, keine weitere Nutzung in irgendeiner Form zustande kam, könnte das doch in naher oder ferner Zukunft weiterhin so sein. Es will so scheinen, als ob der Tourismusmarkt – Ferienanlagen in freier Landschaft abseits von Orten oder Städten – gesättigt ist und daher Investoren schwerlich zu finden sind. Der 20-jährige Stillstand am Ostkinberg lässt darauf schließen.

Daher bringen wir erneut unsere Idee vor, von einer weiteren Touristennutzung mit ungewissem Ausgang Abstand zu nehmen und das gesamte Gebiet zu renaturieren. Wir hatten diesen Gedanken zuletzt mit Schreiben vom 25. 8. 2014 ins Spiel gebracht. Der Markt Scheidegg hat aber bisher stets davon Abstand genommen.

Der Flächenfraß ist neben dem Klimawandel und dem Artensterben in der Umweltpolitik das beherrschende Thema. Auch die bayerische Staatsregierung ist sich dieser drängenden Problematik bewusst. Ihr Ziel ist es, den täglichen Flächenverbrauch von derzeit etwa 12 bis 13 ha auf 5 ha zu beschneiden. Entsprechende Maßnahmen dazu sind aber weder bekannt noch umgesetzt. Was also könnte zum Flächensparen beitragen? Die Renaturierung am Ostkinberg wäre da ein Paradebeispiel. Eine Anschlussnutzung für touristische Zwecke nach Ende des Feriendorfes Saarland vor 20 Jahren ist bisher gescheitert und offenbar auch nicht in Sicht. Zudem benötigt der Scheidegg-Tourismus keinen weiteren Ausbau.

Scheidegg könnte mit einer Renaturierung am Ostkinberg bundweit punkten und ein einmaliges Signal setzen, wie dem Flächenfraß begegnet werden kann. Die bayerische Staatsregierung würde das gebührend zur Kenntnis nehmen. Möglicherweise würden sogar Gelder aus entsprechenden Programmen zur Verfügung stehen, um die Renaturierung zu finanzieren.

Der Markt Scheidegg präsentiert gerne – und das mit Recht – seine Erfolge auf dem Energiesektor, was die Energieeinsparung und die Ökostromerzeugung anbelangt. Mit einer Renaturierung des Ostkinberggeländes könnte der Markt Scheidegg in einem weiteren Umweltschutzsegment eine herausragende Vorreiterrolle einnehmen. Gerade in Zeiten, wo sich die Umweltkrisen global und regional verschärfen, könnte der Markt Scheidegg ein Leuchtturmprojekt errichten.

 

Wir bitten den Markt Scheidegg erneut, sich mit der vorgebrachten Idee wirklich vertraut zu machen und die bisherige Einbahnstraße zu verlassen. Wir bitten ferner, dieses Schreiben auch den Damen und Herren Gemeinderäten zu übermitteln und im Gemeinderat bei Gelegenheit diskutieren zu lassen.

Welche Antwort dürfen wir vom Markt Scheidegg erwarten? Vielen Dank.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle,

Erich Jörg

Kreisvorsitzender


Tags:
Brief Vorschlag BUND Feriendorf



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