Moderator: Hits der 70er bis Heute
 
 

Rinder-Tuberkulose: Neue Untersuchungsmethode ab sofort im Einsatz - 146 Höfe im Oberallgäu betroffen
04.03.2013 - 20:24
Nach inzwischen 354 getöteten Tieren und 146 von Rinder-Tuberkulose betroffenen Betrieben im Oberallgäu wird das bisherige Untersuchungsverfahren abgelöst. Jetzt folgt ein so genannter "Simultantest".
Die Kombination aus „Monotest“ und Bluttest hatte nicht die gewünschte Wirkung. Stattdessen gab es die eine oder andere Unstimmigkeit, die durch das Ablösen mit dem „Simultantest“ jetzt der Vergangenheit angehören soll. Hier fällt die Blutnachuntersuchung weg. Das Verfahren wird einfacher, schneller aber teurer. Doch für den oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser zählt nur eins: „Die Rohmilch ist unser höchstes Gut. Mit unserer gestarteten Reihenuntersuchung stellen wir sicher, dass keine Rohmilch aus Beständen zur Produktion entsprechender Produkte wie Bergkäse oder Emmentaler verwendet wird, sondern ausschließlich aus TBC-freien Beständen.“ Hier sei man insbesondere mit der Milchwirtschaft einer Meinung gewesen, so der Landrat.

Im Landkreis Oberallgäu sind inzwischen 714 Betriebe mit insgesamt 24.065 Tieren untersucht worden. Positive Ergebnisse gab es auf 146 Höfen. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass 354 Tiere mit Rinder-TBC infiziert waren. Sie sind bereits gekeult, sprich getötet worden. Das heißt aber auch: 517 der insgesamt rund 2.000 oberallgäuer Höfe sind negativ getestet und gelten damit TBC-frei. Ab sofort werden aber nicht mehr alle Tiere, sondern lediglich Tiere ab einem Alter von 12 Monaten getestet. Hintergrund: Jungtiere waren bislang nicht betroffen.

Etappensieg für die Landwirte, bei denen es Verdachtsfälle gegeben hat oder noch gibt: Nach einer Entnahme von TBC-verdächtigen Tieren kann die Sperre eines Betriebes nach acht Wochen wieder aufgehoben werden. Voraussetzungen sind, dass kein Ausbruch festgestellt wurde und die Nachtestung negativ ausfällt. Landrat Gebhard Kaiser spricht hier, nach einem Gespräch mit dem Bayerischen Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber und Staatssekretär Dr. Gerd Müller, von einem „Lichtblick“. Bislang hatte der betreffende Amtstierarzt keine Wahl - er musste den Betrieb sperren. Hinzu kam bei dann TBC-freien Höfen eine Sperre von weiteren acht Wochen – diese gehört damit der Vergangenheit an.

Alpsommer 2013: Nur getestete Tiere dürfen auf Sennalpen
Bis zum Alpauftrieb sollen alle Tiere, die auf Sennalpen untergebracht werden auf Rinder-TBC getestet werden. Ausschließlich TBC-freie Tiere dürfen auf den Sennalpen untergebracht werden. Nicht getestete Tiere können auf anderen Alpen untergebracht werden, auf denen definitiv keine Rohmilchprodukte hergestellt werden. Ziel sei aber, bis zum Alpauftrieb alle in Frage kommenden Tiere zu testen. Was das für die Durchführung der bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebten Viehscheiden bedeutet, konnte zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand beantworten.

Ausweitung der TBC-Untersuchungen auf ganz Bayern geplant
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat bei einem Expertengespräch im Landratsamt in Sonthofen am Montag die bayernweite Untersuchung aller über 30 Monate alten Rinder angekündigt - im Alpenraum sogar alle über 12 Monate. Dieser Vorschlag soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Schon am Mittwoch soll der Vorstoß im Bayerischen Landtag vorgestellt werden. Insgesamt müssten dann 1,3 Millionen Tiere in etwa 46.000 Betrieben auf TBC kontrolliert werden.

17 Prozent positive TBC-Tests bei Rotwild um Oberstdorf
Insgesamt sind im Oberallgäu 471 Tiere beprobt worden. Davon gab es insgesamt 18 positive Fälle von TBC bei Rotwild (3,8 Prozent). Allerdings sind alleine 11 davon im so genannten Planquadrat H2 - sprich Oberstdorf angefallen. Werden nur die erwachsenen Tiere erfasst, da die Kälber allesamt negativ getestet wurden, ergibt sich ein Zahlenverhältnis von 11 positiv getesteten Tieren von insgesamt 65 (17 Prozent).

Abschussziele mehr als erfüllt
Die oberallgäuer Jäger haben die an sie gesetzten Anforderungen voll erfüllt. Statt 1.478 geforderten Abschüssen leisteten sie sogar 1.608 Abschüsse in der Jagdsaison 2012/2013. Landrat Gebhard Kaiser will zur nächsten Jagdsaison sogar einen Abschuss von insgesamt 2.000 Wildtieren vorgeben. Ein Vergleich zwischen Rindern und Wildtieren sei aber nicht möglich. Schließlich wird nur geschossenes Wild getestet, die Dunkelziffer ist recht hoch, während alle Rinder im Oberallgäu auf TBC getestet werden.

Landrat Gebhard Kaiser appellierte zum Schluss an die Landwirte. Es werde ganz sicher größer gemacht als es ist. Nur zu sagen: die Milch muss nur gekocht oder pasteurisiert werden, sei gerade in unserem Rohmilchlandstrich nicht möglich. Regionen in denen nur H-Milch erzeugt werde, hätten dieses Problem nicht. Hier geht es aber um Bergkäse, Emmentaler und Co aus dem Allgäu - allesamt Rohmilchprodukte. Diese müssten zweifelsfrei TBC-frei sein, damit der Verbraucher diese auch weiter kaufen und verzehren möchte, so Kaiser.

Keine Gefahr für die Verbraucher
Abgekochte oder pasteurisierte Milch ist TBC-frei - genauso wie gekochtes oder gebratenes Fleisch, etc.

Insgesamt, da waren sich Landrat und Fachleute einig, sind sie froh, dass die Fälle im Landkreis Oberallgäu in einem frühen Stadium erkannt wurden. "Man mag sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn alles erst in drei bis fünf Jahren entdeckt worden wäre". Das Ausmaß wäre wohl deutlich größer...

Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum