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Das Zoommeeting ist im vollen Gange
(Bildquelle: Andreas Maier)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Positives Fazit nach Wirtschaftsdiskussion in Sonthofen

Die Stadt Sonthofen hat gemeinsam mit der Wirtschaftsvereinigung ASS e.V. ein Zoom-Meeting organisiert. Ziel war eine Diskussion über die aktuelle Situation am Standort seit Beginn der Pandemie und die künftige Entwicklung der Innenstadt mit allen Herausforderungen. Geladen waren neben den ASS-Mitgliedern alle Sonthofer Unternehmen aus den Branchen Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sowie der gesamte Stadtrat inklusive Bürgermeister. Über 40 Teilnehmer haben bei Wirtschaftsförderer Andreas Maier für ein zufriedenes Fazit gesorgt: "Die Unternehmer waren dankbar über die Möglichkeit des Austauschs. Diese schwierigen Zeiten können nur gemeinsam überstanden werden. Das war auch unsere Botschaft an die Firmen, wir lassen sie nicht alleine."



Nach einer kurzen Begrüßung übergab Maier das Wort an den Bezirksgeschäftsführer Schwaben des Handelsverband Bayern, Herrn Andreas Gärtner, den IHK-Regionalgeschäftsführer Björn Athmer sowie den Kreisvorsitzenden der DEHOGA, Armin Hollweck. Alle drei schilderten die derzeitige Lage in den jeweiligen Verbänden und ihren Mitgliedsunternehmen.

Kritik gab es in der anschließenden Diskussion an den staatlichen Hilfsprogrammen. Viele Hürden in den Programmen waren und sind für den Einzelhandel viel zu hoch. Laut Auskunft von Gärtner haben 60% der Mitgliedsunternehmen des Handelsverbandes die Corona-Soforthilfe aus dem Frühjahr wieder zurückbezahlen müssen.

Aber es gibt auch Hoffnung: die bisherige Überbrückungshilfe wird über das Jahresende hinaus verlängert und ausgeweitet: Diese neue Überbrückungshilfe III hat eine Laufzeit von Januar 2021 bis Juni 2021. Statt bislang maximal 50.000 Euro pro Monat beträgt die neue Förderhöchstsumme bis zu 200.000 pro Monat. Die Umsatzverlustgrenze wurde nach unten korrigiert, so erhalten mehr Unternehmen Zugriff auf diese Förderung.

"Sollten Hotellerie und Gastronomie länger als 20.12. geschlossen sein, wird es für viele Zuliefer- und Nachfolgebetriebe aus der Wertschöpfungskette eng", prophezeite Thomas Wirthensohn von der Bäckerei Wirthensohn. In diesem Zusammenhang diskutierte die Runde auch über die geplante längere Schließung der Skigebiete und deren fatale Folgen für die Region.

Weitere Themen waren auch künftige verkaufsoffene Sonntage oder die Idee des "freien Parkens" während der Adventszeit. Dies würden einige Städte in Deutschland schon praktizieren und wäre ein guter Ansatzpunkt der Kommune zur Unterstützung der Innenstadt. Bürgermeister Wilhelm versprach, diesen Gedanken prüfen zu lassen.

"Muss ein Vermieter auf einen Teil der Miete verzichten, wenn der Gewerbemieter wegen Corona den Laden vorübergehend dichtmachen musste?" Dies war eine weitere Frage, die Gesprächsthema sein sollte. Entscheidend ist, ob die Lockdown-bedingte Schließung einen Mangel darstellt, der eine Mietminderung rechtfertigt. Die Gerichte in Deutschland sind geteilter Meinung.

Im Frühjahr mussten im Zuge des ersten Corona-bedingten Lockdowns viele Geschäfte schließen. Das war mit zum Teil erheblichen Umsatzeinbußen verbunden. Doch berechtigt dieser Umstand einen Gewerbemieter dazu, weniger Miete zu zahlen? Das Thema Mietminderung in der Gewerbemiete - und der Pacht - wird mit den neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie akuter. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) will mit einer Änderung des Mietrechts Rechtssicherheit schaffen, doch das sind erst einmal nur Pläne.

Bislang liegen zu dieser Rechtsfrage nur Urteile aus den unteren Instanzen vor, die unterschiedlich ausfallen. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung bleibt die Rechtslage ungeklärt.

Zwei Worte waren den ganzen Abend immer wieder zu hören: Perspektivlosigkeit und Planungssicherheit. Dazu Bürgermeister Wilhelm: "Das Schlimmste derzeit ist die Perspektivlosigkeit für unsere Betriebe aus allen möglichen Branchen. Das macht das Ganze so unberechenbar". Claudia Merkle-Lenk vom Modehaus Gobert stieß ins gleiche Horn: "Ohne eine gewisse Planungssicherheit kann in den nächsten Wochen keines unserer Unternehmen ordentlich und seriös weitergeführt werden".

Auch von Toby Hammer (Ridersheaven) gab es kritische Worte: "Die Politik lässt uns derzeit alleine und es gibt keinerlei Planungssicherheit für uns Unternehmer!". Er selber müsse jetzt schon Ware für den nächsten Winter bestellen und bezahlen, die Lager sind aufgrund der derzeitigen Einschränkungen aber noch randvoll.

Auch Gärtner konnte wenig Mut machen: "Es wird bis in den März/April 2021 hinein eine ganz ganz harte Phase für alle Firmen. Wir hoffen, dass wir alle ab Mai 2021 zumindest einigermaßen in eine gewisse Normalität zurückkehren können. Aber es gibt viele, die es bis dahin nicht schaffen werden".

Eines hat die Pandemie aber auch wieder aufgezeigt, und zwar, dass Online-Sichtbarkeit und Digitalisierung keine Modeerscheinungen sind. Maier hofft, dass viele Unternehmen hier aktiver werden und zudem über neue, innovative Geschäftsideen nachdenken. "Dies wird bei über 20% Umsatzwachstum derzeit beim Onlinehandel auch nötig sein", so Maiers Einschätzung.

Einen dringenden Appell gab es von Gärtner noch in Richtung Kommunalpolitik. Es ist Sache der BürgermeisterInnen und LandräteInnen, an die große Politik heranzutreten und zu fragen: "Ihr habt anscheinend eine Strategie gegen die Pandemie, aber wie kommen die Unternehmen vor Ort durch den Winter bzw. wer hilft uns, den Scherbenhaufen nächstes Jahr zu entsorgen?"

Athmer pflichtete Gärtner bei und wagte einen Blick in die Zukunft: "Es wird künftig Geld für die Innenstädte in die Hand genommen werden müssen".

Einen ersten Schritt hat die Wirtschaftsvereinigung ASS mit einem offenen Brief an die Wirtschaftsminister Aiwanger und Altmaier getan. Den Brief haben auch Bürgermeister Wilhelm, der Stadtrat, Landrätin Baier-Müller und die Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus der Region erhalten. In dem Schreiben fordert die ASS eine finanzielle Unterstützung auch für den Einzelhandel und darüber hinaus, dass bei künftigen Debatten und Entscheidungen die Belange der Wirtschaft stärker in den Fokus rücken. Der stationäre Einzelhandel in den Innenstädten ist daher in diesem Jahr mehr denn je auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen - es ist überlebenswichtig. Mit großer Sorge erfüllt die Verantwortlichen, dass laut Umfragen über zwei Drittel der Befragten die Weihnachtsgeschenke verstärkt oder ausschließlich im Internet bestellen wollen. Kurz gesagt, viele Unternehmen und damit ganze Innenstädte und Ortszentren stehen vor dem Kollaps.

Bürgermeister Wilhelm will mit einem weiteren Schreiben nach München und Berlin diese Forderungen untermauern und hat Unterstützung zugesagt. Positive Strahlkraft soll auch jetzt schon die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung in dieser schwierigen Zeit aussenden. Die Fußgängerzone wird an den Adventssamstagen zudem mit weihnachtlicher Hintergrundmusik beschallt, darüber hinaus ist ein spezielles Beleuchtungskonzept bis Weihnachten in der Innenstadt umgesetzt. Wilhelm und Maier hoffen gleichermaßen, dass mit diesen Initiativen und den Aktivitäten der ASS die Sonthofer zum Weihnachtseinkauf im lokalen stationären Handel ermuntert werden.

Hoffnungsträger sind nämlich die einheimischen Bürgerinnen und Bürger, die alle Geschenke und Anschaffungen größtenteils und, wenn möglich, vor Ort kaufen sollten. So kann ein großer Teil dazu beigetragen werden, dass Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie überleben und Sonthofen auch künftig eine lebenswerte Stadt bleibt."


Tags:
Meeting Zoom Wirtschaft Allgäu


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