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43 Teams begeistern beim Landeswettkampf der Johanniter in Kempten
(Bildquelle: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.)
 
Kempten
Sonntag, 22. Juli 2018

Johanniter-Landeswettkampf in Kempten

Höchste Konzentration und viel Spaß

Schlägereien, umgestürzte Baugerüste, verunglückte Kinder mit Kopfplatzwunden, Menschen mit Herzinfarkten, Krampf- oder Schlaganfällen und dazwischen Hunderte von Sanitätern - am Wochenende herrschte am Allgäu Gymnasium in Kempten Ausnahmezustand. Glücklicherweise handelte es sich bei den vermeintlichen Unglücksfällen lediglich um gestellte Szenarien. Sie waren zentraler Bestandteil des Landeswettkampfs der Johanniter Bayern, der dieses Jahr vom Regionalverband Allgäu in Kempten ausgerichtet wurde. 43 Teams mit 349 Teilnehmerinnen ab 6 Jahren traten in vier Kategorien gegeneinander an, um die besten Retter zu küren.

Höchste Konzentration, Spaß und ein großes Gemeinschaftsgefühl gingen am Wochenende bei der „Olympiade der Retter“ Hand in Hand. Mehrere Hundert Nachwuchsretter, Schlachtenbummler, Mimen und Schiedsrichter waren aus allen bayerischen Johanniter-Verbänden nach Kempten gereist. Angefangen bei den sechsjährigen Knirpsen der C-Mannschaften, deren Leistungsgrundlage der Kurs „Ersthelfer von Morgen“ ist, über jugendliche und erwachsene Sanitätshelfer bis hin zu den erwachsenen Rettungsprofis der S-Mannschaften (Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Krankenschwestern, Medizinstudenten in klinischen Semestern u.a.) stellten alle Teilnehmer ihren Ausbildungs- und Trainingsstand in Sachen Erster Hilfe, Sanitäts- sowie Rettungsdienst unter Beweis. Unterstützt wurden sie bei ihrem freundschaftlichen Wettstreit von mehrere Hundert Schlachtenbummlern.

Videobotschaft von Schirmherr Markus Söder
Der große Tag begann mit einem bewegenden Gottesdienst mit der Landespfarrerin der Johanniter Bayern, Andrea Wagner-Pinggéra und dem Regionalpfarrer der Johanniter im Regionalverband Allgäu, Werner Vogl, zu dem auch Staatssekretär Dr. jur. Hans Reichhart (MdL) aus dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat in Vertretung von Ministerpräsident Markus Söder eigens angereist war. Markus Söder selbst hatte die Schirmherrschaft des Landeswettkampfs übernommen. Er schickte eine Videobotschaft, in der er betonte, er sei dankbar und stolz, dass es Menschen wie die Johanniter gebe, die anderen in Not helfen.

Nach der Eröffnung durch Christopher Kruse, ehrenamtliches Mitglied des Landesvorstands der Johanniter Bayern, startete der Wettkampf mit einer altersgerecht angepassten theoretischen Prüfung für alle. Den Rest des Tages über stellten sich die Nachwuchsretter dann den verschiedenen Praxis-Beispielen. Die Teams wurden dabei nacheinander mit jeweils denselben Aufgaben konfrontiert, bei denen realistisch geschminkte und ebenso agierende, weinende, schreiende und jammernde Mimen die Opfer darstellten. Schiedsrichter bewerteten, wie gut die Ersthelfer die Betroffenen von ihrem Eintreffen am Unglücksort bis zur Übergabe an den Rettungsdienst versorgten.

Die Kleinsten haben´s drauf
Bei den jüngsten Teilnehmern aus den C-Mannschaften traten Teams aus Kempten, Moosburg, Marktoberdorf, Schwabach und Unterthingau gegeneinander an. Eine ihrer Aufgaben bestand darin, zwei von einem Baum gestürzte Jungen mit Kopfplatzwunde und gebrochenem Arm vor Publikum und Schiedsrichtern sachgerecht zu versorgen. Zudem mussten die sechs- bis zwölfjährigen Mädchen und Jungen eine Kreativaufgabe und einen Trageparcours meistern. Bei Letzterem galt es, eine Trage mit einer gefüllten Wasserschale über Baumstämme, durch ein Gitternetz, durch Fensteröffnungen, über und unter Hindernisse und im Slalom um Stangen herum zu befördern. Die Teilnehmer sollten dabei ihre Teamfähigkeit beweisen, so rückendschonend wie möglich vorgehen und so wenig Wasser wie möglich verschütten. Richard (11) aus Moosburg erläuterte die Strategie seines Teams: „Ruhig bleiben, sich konzentrieren, sehr viel mit den anderen Reden.“ Sein Mannschaftskollege Tom (11) ergänzte: „Das Wichtigste ist aber, dass man an die anderen glaubt und nicht denkt, `der ist ja viel zu klein, der kann das nicht.“

Jugendliche Ersthelfer in Aktion
In der Kategorie B traten 16 Mannschaften mit jugendlichen Ersthelfern zwischen 12 und 19 Jahren aus Augsburg, Marktoberdorf, Immenstadt, Moosburg, München, Nürnberg, Ottobrunn, Wasserburg, Peißenberg, Schwabach, Unterthingau, und Würzburg an. Sie versorgten in einem von mehreren Fallbeispielen als Schulsanitäter zwei verletzte Jungen, die beim missglückten Bau eines Turms aus Stühlen Platzwunden und unklare Verletzungen davongetragen hatten. „Dabei spielt auch die psychische Betreuung der verunfallten eine große Rolle“, erläutert eine der Schiedsrichterinnen. „Das heißt, die Sanitäter müssen versuchen, mit den Verletzten im Gespräch zu bleiben, sie zu beruhigend und wichtige Informationen zu erhalten.“

Sanitäter demonstrieren, wie man Leben rettet
Die Sanitäter ab 16 Jahren (A-Mannschaften) aus Augsburg, Wasserburg, München, Nürnberg, Ottobrunn, Unterthingau, Kempten, Schwabach, Niederbayern, Schwandorf-Regensburg und Würzburg waren in ihren Fallbeispielen mit einer blutigen Kneipenschlägerei wie auch mit Schlaganfällen und Krampfanfällen konfrontiert. Die praktischen Aufgaben der Rettungsdienst-Mitarbeiter im Einsatz (S-Mannschaften) mussten aufgrund der zweifelhaften Witterung vom ursprünglich geplanten Austragungsort am Forum Allgäu ebenfalls ins Allgäu Gymnasium verlegt werden. Die sieben Teams aus Augsburg, Nürnberg, Unterthingau, Ottobrunn, Wasserburg und Würzburg mussten zwei Personen versorgen, die auf einer Baustelle aus großer Höhe abgestürzt waren und sich schwere Verletzungen zugezogen hatten. Auch hier hatten die eigens geschulten Schminker mit Farbe und Kunstblut realistische Darstellungen von Rippen- und Beckenbrüchen sowie einem offenen Unterarmbruch gezaubert. Die Mimen selbst sorgten mit ihren Schmerzensschreien für ein realitätsnahes Stresslevel.

Beeindruckender Enthusiasmus
„Es ist schön und immer wieder beeindruckend, mit welchem Enthusiasmus und welch großer Ernsthaftigkeit alle Teilnehmer bei der Sache sind“, zeigte sich Andreas Hautmann, Mitglied des Landesvorstands der Johanniter Bayern, am Ende des Wettkampfs begeistert. „Sämtliche Teams haben außerordentlichen Teamgeist und ein hohes Maß an Fachwissen und Fairness bewiesen“, lobte er. Auch Markus Adler, Mitglied des Regionalvorstands der gastgebenden Allgäuer Johanniter war mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden. „Das Gemeinschaftsgefühl und die Begeisterung für den Dienst am Nächsten waren bei allen Teilnehmern greifbar.“ Für „seine“ Teams aus dem Allgäu hatte Adler großes Lob: „Unsere Mannschaften haben sich wieder einmal toll geschlagen. Unsere Jüngsten aus der C-Mannschaft Kempten haben dank ihres großen Einsatzes den Sieg in ihrer Kategorie erringen. Darüber freuen wir uns sehr.“


Tags:
johanniter landeswettkampf allgäu rettungsdienst



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