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Allgäuland- Bergbauern: Heimat nicht zu verkaufen
05.09.2011 - 13:17
Eine Woche vor einer erneuten Abstimmung rund um eine Übernahme der Allgäuland Käsereien durch Arla, haben sich die ablehnenden Bergbauern erstmals zu Wort gemeldet.
Die Landwirte betonten in einem exklusiven AllgäuHIT- Interview, dass sie ihre Zukunft, bzw. die von Allgäuland, nicht in einem weltweit tätigen Molkereikonzern, wie Arla, sehen. Allesamt wollen sie anonym bleiben, möchten aber auch unterstreichen, dass sie keinesfalls einen Milchlieferstopp betreiben. „Es ist in diesem Sinne kein Milchlieferstopp. Wir machen lediglich Gebrauch von einem Sonderkündigungsrecht, da uns gedroht wurde, dass wir sowieso kein Milchgeld mehr bekommen. Darum muss sich jeder Landwirt bewusst sein, wohin er seine Milch liefert. Es kann doch nicht sein, dass ich eine Arbeit verrichte und mir von vorneherein gesagt wird, dass ich kein Geld für diese bekomme“, so einer, der mit „Nein“ stimmenden Bergbauern.

Die Misere von Allgäuland habe einen klaren Ursprung: „Wir sind von Beraterfirmen eine lange Zeit belogen worden. Und man hat uns eigentlich nur an der Nase herum geführt. Die haben gesagt, dass das Stand-Alone-Konzept greift. Die hätten von vorneherein wissen müssen, dass es nicht greift. Plötzlich hat man Arla ins Gespräch gebracht, da hieß es entweder die oder alleine und dann hieß es nur noch Arla, aktuell heißt es nur noch Arla oder Insolvenz und das ist schlecht, da lässt man das Geld entscheiden und nicht Sachen die wichtiger sind“, so ein anderer Landwirt.

Das jetzt die Minderheit der Genossen über das Gesamtschicksal von Allgäuland entscheidet, finden die Bergbauern mehr als gerecht, denn: „Wir fühlen uns alle betrogen und erpresst. Auf unsere kleine Minderheit geht man nur noch los, obwohl wir überhaupt nichts machen. Zu uns hat man immer gesagt, dass es sich bei uns nicht einmal lohnt die Milch zu holen, wir würden nur Geld kosten. Und jetzt sollen plötzlich wir diejenigen sein, die alles auf den Boden zurückholen, was hinten und vorne nicht stimmt. Von den Vorständen wird keiner in die Mangel genommen, nur wir sollen die Schuldigen sein. Die nehmen ihr Geld mit und wir sitzen auf dem Trockenen“.

Die Abstimmung am kommenden Montag könnte dabei noch eindeutiger ausfallen, als zuletzt: „Momentan ist ungefähr jeder dritte Landwirt der Genossenschaft bei uns dabei. Wir sind uns sehr sicher, dass wir das wieder schaffen“, so einer der Bergbauern und meint damit, dass das Ergebnis erneut unter 75 Prozent bleibt und damit eine Arla- Übernahme nicht erfolgen kann.

Die Chancen, die Bergbauern umzustimmen, scheinen eher gering zu sein: „Ich denke, da gibt es keine mehr, weil wir wurden jahrelang belogen, betrogen und ausgenützt. Das Konzept von Arla ist ganz was anderes, als das der Bergbauern. Endlich wurde erkannt, dass unsere Milch etwas Besonderes ist. Und Arla will die besondere Milch vermischen, verpanschen, einen so genannten „Mountain Cheese“ machen und diesen in die ganze Welt verschicken.“ Ein anderer fügt hinzu: „Wir können doch unsere Heimat nicht an einen dänischen Molkereikonzern verkaufen. Hätten das unsere Vorfahren gemacht, wären wir heute nichts mehr“.

Die Verhandlungen sind scheinbar mehr als festgefahren. Es bleibt abzuwarten, wie die Entscheidung in genau einer Woche in Waltenhofen ausgehen wird. Dann könnten die Bergbauern, die zuvor offenbar öfters den Kürzeren zogen, das Zünglein an der Waage sein und das Schicksal der gesamten Allgäuland- Käsereien entscheidend prägen.

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