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Staatskanzleichef Kreuzer stellt echte Lösungen nach Bildungs-Podiumsdiskussion in Aussicht
28.06.2012 - 09:06
Ein voller Saal trotz Biergartenwetters und EM-Halbfinalspiel am Abend - Staatskanzleichef Thomas Kreuzer hatte mit seiner Podiumsdiskussion um Schule und Bildung in Kempten voll ins Schwarze getroffen.
Interessierte aus allen Bereichen hatten sich in der Brauereigaststätte Stift in Kempten eingefunden. Eltern, Lehrer, Rektoren, Schulamtsleiter schilderten ihre Sichtweisen. Und die Veranstaltung hat Folgen, denn Thomas Kreuzer sicherte zu, in einigen Punkten nachzuhaken und echte Lösungen herbeizuführen.

Unterrichtungsausfall - gering oder nicht?
Laut Statistik verschwindend gering, schichten die Schulen Lehrerstunden um, ob damit aber auch qualitativ Ersatz geschaffen werden kann ist fraglich, stellte einer der Zuschauer in den Raum. Der Schuldirektor der Mittelschule Kempten-Nord Ulf Kronmüller ergänzte, er verwende inzwischen Inklusionslehrerstunden um Ausfälle zu kompensieren. Ein Zustand, der so laut Kreuzer nicht sein könne. Er will nun prüfen inwieweit im Einzelfall hier Maßnahmen ergriffen werden können. Kronmüller forderte mehr Lehrer zuzulassen, um die mobile Reserve aufzustocken. Keinesfalls wolle er Kräfte anderer Schulen abziehen. Die hohe Frauenquote macht den Schulen zu schaffen, denn viele der jungen Lehrerinnen würden schwanger, könnten dann aber mangels Bewerber nicht mehr besetzt werden, so der Schuldirektor der Landkreise Oberallgäu und Lindau, sowie der Stadt Kempten Thomas Novy. Er spricht sich für ein Aufstocken der mobilen Reserve zu Schuljahresbeginn aus. Die meisten jungen Lehrkräfte, die keine Stelle im September erhalten haben, würden nicht abwarten, sondern sich eine andere Arbeit suchen und dann teils nicht mehr wechseln wollen.

Abwanderung von Schülern nach Baden Württemberg eindämmen
Gerade für Schulen im grenznahen Bereich wie in Altusried, Weitnau oder auch einigen Orten im Landkreis Lindau sorgt der Wettbewerb mit dem völlig anderen Schulsystem im benachbarten Baden Württemberg für eine große Zahl an Schulabwanderern. Die in Bayern übliche Grundschulempfehlung fällt dort komplett weg - im Prinzip kann jeder aufs Gymnasium. An der Übertrittshürde will Kreuzer aber festhalten: „Wenn jeder Abitur machen kann aber danach aufgrund schlechter Mathematik-Kenntnisse nur noch wenige ohne bayerisches Abitur Physik studieren können, dann läuft etwas falsch“, so Kreuzer. Gerade Kinder die vom Gymnasium auf Real- oder Mittelschulen zurück müssten, seien das größte Problem. „Diese Kinder fallen ins bodenlose, kommen nicht mehr klar“, auch hier müsse man Hilfe anbieten, so die einstimmige Meinung. Um die Grenzgänge ins benachbarte Bundesland zu vermeiden, will Kreuzer für jede Schule einzeln prüfen, ob nicht so genannte M5- Klassen eingeführt werden können. Dazu will der Allgäuer CSU- Landtagsabgeordnete beim Kultusministerium vorstellig werden. In Altusried habe sich das bereits bewährt, hier gibt es inzwischen zwei M-Zug- Klassen.

Gut besuchte Podiumsdiskussion im Stift in Kempten

Kreuzer: 15 Milliarden aus dem Gesamthaushalt fließen in Bildung
Der Freistaat Bayern lässt sich die Bildung etwas kosten, so Staatskanzleichef Thomas Kreuzer. 10 Milliarden seien für die Schulen, weitere fünf Milliarden im Haushalt für die Hochschulen vorgesehen. Trotz sinkender Schülerzahlen würden immer mehr Lehrerstellen in Bayern geschaffen. 43 Prozent der Schülerinnen und Schüleri mit Hochschulreife erlangen diese inzwischen außerhalb der Gymnasien. Damit bestätige sich das Ziel „kein Abschluss ohne Anschluss“. Auch die Mittelschule sei inzwischen eine weiterführende Schule, wie die Realschule oder das Gymnasium. Mittlerweile machen 27 Prozent ihre „mittlere Reife“ über die Mittelschule. Bei den Belegungszahlen bleibt es bei der Drittelung, heißt: je ein Drittel aller Schüler besucht die Mittel-, die Realschule oder das Gymnasium.

Herausforderung in der Zukunft: Ganztagsbetreuung auf allen Ebenen
Der Blick in die Zukunft bedeutet eine Ganztagsbetreuung in allen Bereichen. Bereits heute gehen 37 Prozent der unter Dreijährigen in eine Kinderkrippe. Dort werden sie um die sieben Stunden fachgerecht betreut. Kreuzer betont: „Bei diesen Kindern sind meist beide Elternteile berufstätig. Nach der Kinderkrippe wird erwartet, dass sie in einen Ganztagskindergarten, anschließend in die Ganztagsgrundschule und danach in die Ganztagsmittelschule, die Ganztagsrealschule oder das Ganztagsgymnasium gehen“. Dies sei die größte Herausforderung, so Kreuzer. Doch diese Aufgabe werden der Freistaat Bayern meistern, ist sich der CSU-Politiker sicher. Schließlich stehe Bayern auch weiterhin im bundesdeutschen Lernatlas in allen Bereichen an der Spitze.

Das Wichtigste für Eltern und Lehrer:
Durchgreifende Schulreformen soll es die nächsten Jahre nicht geben. Jetzt müsste man den Änderungen der letzten Jahre Zeit geben, so der Staatskanzleichef abschließend.

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