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Vertreter der Landkreise Unterallgäu und Landsberg am Lech sammelten Ideen, um sich an die künftigen Klimaveränderungen anzupassen
(Bildquelle: Eva Büchele/Landratsamt Unterallgäu)
 
Unterallgäu - Allgäu
Dienstag, 7. Mai 2019
Klimastudie im Unterallgäu und Landsberg
Klimawandel: Landkreise wollen sich auf Folgen einstellen

Heiße, trockene Sommer, weniger Schnee, Starkregen, Sturm - dem Klimawandel werden viele Folgen zugeschrieben. Doch wie ändert sich das Klima in unserer Region? Auf welche Folgen müssen sich hier Landwirte, Forstwirte, Unternehmer, Touristiker und Bürger einstellen? Die Landkreise Unterallgäu und Landsberg am Lech wollen sich auf die Zukunft vorbereiten und haben bei der Universität Augsburg und dem Karlsruher Institut für Technologie eine Klimawandel-Studie in Auftrag gegeben. Studienleiter Professor Harald Kunstmann stellte nun die Ergebnisse im Landratsamt Unterallgäu Vertretern beider Landkreise vor. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind regional sehr unterschiedlich. Wir wollen zielgerichtet reagieren“, hob der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather bei der Begrüßung hervor.

Laut Kunstmann zogen die Wissenschaftler zur Analyse bisheriger Klimaänderungen die Beobachtungsdaten des Deutschen Wetterdienstes von lokalen Messstationen heran. Außerdem stellten die Experten Prognosen für das künftige Klima in den beiden Landkreisen auf. Dazu verwendeten sie ein Klimamodell, das für Gitterparzellen von je fünf mal fünf Kilometern die Temperatur- und Niederschlagsänderung vorhersagt. Dem Modell liegt ein offizielles Klimaszenario des Weltklimarats zugrunde, das davon ausgeht, dass die Menschen ihre Klimaschutzbemühungen in den kommenden Jahren deutlich verstärken.

Kunstmann machte deutlich: Wie auf der ganzen Welt steigen auch in den Landkreisen Unterallgäu und Landsberg am Lech die Temperaturen, sogar weit stärker als im globalen Durchschnitt. „Das liegt vor allem an der größeren Entfernung des Voralpenraums zu den Meeren, die große zusätzliche Wärmemengen aufnehmen“, erklärte Kunstmann. Der Temperaturanstieg in der Region fällt saisonal unterschiedlich aus. Insbesondere die Winter werden, im Vergleich der Mittelwerte zwischen 1980 bis 2009, bis zum Jahr 2050 um 1,4 Grad wärmer. Aber auch im Sommer und Frühjahr steigen die Temperaturen. Den niedrigsten Temperaturanstieg erwarten die Wissenschaftler für den Herbst. Die insgesamt höheren Temperaturen führen laut Kunstmann auch dazu, dass sich die klimatologische Vegetationsperiode um bis zu einem Monat verlängert - also die Zeit, in der aufgrund der Temperatur theoretisch Pflanzenwachstum stattfinden kann.

Lokal und saisonal sehr unterschiedlich fallen die Prognosen für Niederschläge aus. Insgesamt werden vor allem im Winter und Herbst die Niederschlagsmengen weiter steigen. Im Frühjahr und Sommer werden aber einige Gebiete in den Landkreisen Unterallgäu und Landsberg am Lech auch von verlängerten Trockenperioden betroffen sein, machte Kunstmann deutlich.

Welche Auswirkungen diese Klimaveränderungen konkret haben können, erläuterte Dr. Hans-Jörg Barth vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!). In Trockenperioden könne etwa regional das Wasser knapp werden. Starkregen hingegen könne die Abfluss-Infrastruktur überlasten. Gesundheitlich werde vor allem die Hitze älteren und kranken Menschen zu schaffen machen. In der Land- und Forstwirtschaft könnten deutlich mehr Pflanzarten unter veränderten Klimabedingungen in ihrem Wachstum beeinträchtigt werden.

In mehreren Arbeitsgruppen berieten die anwesenden Vertreter aus den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Wasserwirtschaft, Bauwesen, Wirtschaft und Tourismus über das weitere Vorgehen in ihren Bereichen. Zum Beispiel wurde deutlich, bei der Ausweisung von Baugebieten müssten die neuen Bedingungen berücksichtigt werden, indem etwa in Zisternen das Regenwasser aufgefangen und in Trockenperioden genutzt werden kann. Im Tourismus lohne es sich, auf die Vermarktung „kühler Plätze“ zu setzen, beispielsweise auf Trends wie Waldbaden oder Radeln an Flüssen. Und in der Land- und Forstwirtschaft müssten alternative Bepflanzungen erprobt werden.

Einig waren sich alle Beteiligten: Beide Landkreise wollen weiterhin Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, um den Klimawandel so gut es geht einzudämmen. Doch anhand der Studienergebnisse sollen nun auch konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, um sich an die nicht mehr abwendbaren Klimaänderungen anzupassen, Potentiale zu nutzen und Schäden zu verhindern.

Landrat Weirather kündigte an, die Ergebnisse der Studie werden in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses Thema sein.


Tags:
Klimastudie Klimawandel Vorbereitung Folgen



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