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Die beiden „Protagonisten“ im Gespräch bzw. mit der Marktoberdorfer Bezirkstagskandidatin Regina Renner
(Bildquelle: Brigitte Protschka)
 
Ostallgäu - Marktoberdorf
Mittwoch, 26. September 2018

Bürgermeister OB Dr. Uli Maly spricht in Marktoberdorf

Baustelle Zukunft: Zusammenführen statt spalten

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly fordert neuen Politikstil und „Aufmerksamkeitsgerechtigkeit“ zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und effektives Handeln statt reiner Symbolpolitik.

Zum Thema „Baustelle Zukunft – Zusammenführen statt spalten“ sprach der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Paul Wengert im Modeon in Marktoberdorf. „Nach Datenlage und der vielfach zu hörenden Aussage „Uns geht’s gut in Bayern“ müssten wir „jeden Tag 5 Minuten vor Glück grunzen“, begann Maly seinen Vortrag. Dennoch breite sich ein Unbehagen im Land aus, das in eine Art „medialer Dauererregung bis hin zur Schnappatmung“ führe. Mit dieser saloppen, zugespitzten Beschreibung der Stimmung im Land wählte der erfahrene Kommunalpolitiker einen provokanten Einstieg. Was folgte, war eine flammende Rede für die Stärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft. Dazu brauche es einen neuen Politikstil, Solidarität und effizientes Handeln statt Symbolpolitik.

Hinter den gefühlten Bedrohungen, die die öffentliche Diskussion prägen, läge oftmals die Angst vor Status- und Kontrollverlust. Diese Ängste könnten zu einer Verkennung der Wirklichkeit führen. Für den Nürnberger OB, der soeben zum beliebtesten Bürgermeister Deutschlands gewählt worden ist, geht es deswegen im Kern der politischen Arbeit darum, die Sorgen und Ängste der Menschen ernst zu nehmen, sie zu verstehen und Abhilfe zu schaffen. Und genau dafür brauche es einen neuen Politikstil: Zurück zu Sachlichkeit und gegenseitiger Wertschätzung. Wer Gemeinschaft und Zusammenhalt stärken wolle, müsse einen anderen Umgangston, einen neuen Politikstil pflegen. In dieser Hinsicht gebe es niemand, der der politischen Kultur so geschadet habe, wie der derzeitige Innenminister Horst Seehofer, bedauert Maly das Unvermögen des Altpolitikers auf Bundesebene den richtigen Ton zu finden.

Armut dürfe in einem reichen Land wie Bayern keinen Platz haben, wohnen müsse bezahlbar bleiben, forderte Maly. Aber die Debatte über Gerechtigkeit dürfe nicht nur auf das Materielle bezogen werden. Es ginge bei weitem nicht nur um Geld, sondern beispielsweise auch um Bildungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit. Gefordert sei insbesondere eine neue Aufmerksamkeitsgerechtigkeit: „Um zu verstehen, was die Menschen bewegt, kommt es auf die Umverteilung von Aufmerksamkeit an“, erklärte Maly. „Wir müssen hinschauen und zuhören, wenn wir die Sorgen und Nöte der Menschen in unserem Land verstehen und Verbesserungen bewirken wollen appellierte er an das Publikum. Nur daraus könne Solidarität erwachsen – und darin liege die Stärke unserer Gesellschaft. Eine Stärke ohne Solidarität wäre nur Egoismus. Die SPD wolle den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und den Wandel gestalten. „Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung und Ihre Stimme im Landtagswahlkampf“, warb Maly am Ende um Unterstützung für die Sozialdemokraten und Dr. Paul Wengert, den Direktkandidaten der SPD im Ostallgäu.

Auch der Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert hatte in seiner Eingangsrede einen neuen politischen Stil und einen sachlicheren Umgang mit den aktuellen und künftigen Herausforderungen gefordert; ein neuer Stil heiße auch effizientes Handeln statt reiner Symbolpolitik wie sie sich etwa wie ein roter Faden durch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Söder gezogen habe. „Wir brauchen gezielte Investitionen statt Gießkannenpolitik, aber auch Ehrlichkeit was die Grenzen politischer Gestaltungsmöglichkeiten angehe; falsche Versprechungen seien Gift für das Vertrauen der Menschen in die Politik.

Wengert wies zudem darauf hin, dass die Unterschiede der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land, zwischen boomenden Metropolen und dem ländlichen Raum in den letzten Jahren zu groß geworden sei. Das gelte vor allem für den Nahverkehr, den Breitbandausbau, die ortsnahe pflegerische und medizinische Versorgung und die Nahversorgung. Das seien auch Schwerpunkte seiner Arbeit im Landtag gewesen; allerdings habe die Regierungsfraktion hier meist alle SPD-Initiativen abgelehnt. Mit einem neuen Umgangsstil und anderen Mehrheiten werde sich das im neuen Landtag hoffentlich ändern, so die Hoffnung von Wengert, dem Kommunal- und innenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.(pm)


Tags:
Marktoberdorf SPD Zusammenhalt Politik



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