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Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz bei einem Studiobesuch
(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Dienstag, 18. September 2018
Zu wenig Kinderärzte in Kempten und im Oberallgäu
Praxen nehmen teils keine neuen Kinder mehr auf

Die meisten Kinderärzte im Oberallgäu und in Kempten können keine neuen Patienten mehr aufnehmen, da die Praxen überfüllt sind. Das liegt daran, dass es immer weniger Kinderärzte und immer mehr Kinder gibt. Aufgrund der schwierigen Kinderarztsituation wandte sich der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) jetzt in Form eines Briefes an die Kassenärztliche Vereinigung.

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie auf ein zunehmend akuter werdendes Problem aufmerksam machen. Oberallgäuer und Kemptener Kinderarztpraxen weigern sich zunehmend. Kinder als Patienten neu aufzunehmen und zu behandeln. Diese Praxen sind durch das hohe Patientenaufkommen erheblich überlastet und   versuchen dabei lediglich , sich durch ein entsprechendes Abweisen zu retten.

Dieses Verhalten hat natürlich Auswirkungen auch auf die hausärztlich tätige Ärzteschaft. Von einer Allgemeinärztin im südlichen Oberallgäu haben wir bereits die verzweifelte Rückmeldung erhalten, dass es selbst für die Hausärzte immer schwieriger wird. Kinder bei Fachärzten für Pädiatrie vorstellen zu können. Im südlichen Landkreis nehmen nach unserer Kenntnis fast alle kinderärztlichen Praxen keine neuen Kinder mehr an, Ausnahmen bestehen lediglich für Neugeborene. Auch für den Bereich Kempten ist uns diese Schwierigkeit einer großen kinderärztlichen Praxis durchaus bekannt. Dort besteht aktuell aus der Not heraus ein Aufnahmestop für nicht neugeborene Kinder, der natürlich auch Kinder von Asylbewerbern umfasst. Eine am Gesundheitsamt tätige und sogar privat versicherte Ärztin musste bereits jetzt anderthalb Jahre vor der eigentlichen U9-Untersuchung ihres Kindes, in einer Kinderarztpraxis einen Termin dafür vereinbaren.

Auch für das Gesundheitsamt führt die Nichtannahme der kleinen Patienten zunehmend zu Problemen. Im Alter zwischen 60 und 64 Monaten ist für alle Kinder die Früherkennungsuntersuchung  U9 beim Kinderarzt vorgesehen. Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung, die die Sozialmedizinischen Assistentinnen des Gesundheitsamtes durchführen, haben die Eltern gemäß Schulgesundheitspflegeverordnung (SchulgespflV) vom 20.12.2008 den Nachweis nicht erbracht, müssen die betroffenen Kinder an einer schulärztlichen Untersuchung teilnehmen.

Der Bayerische Öffentliche Gesundheitsdienst ist zwar gehalten, im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen die Kinder zu untersuchen, die die entsprechende U9-Untersuchung nicht nachweisen können. Daraus kann aber keinesfalls ableitet, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) nun hauptsächlich die U9-Untersuchung und auch die anderen U- und J- Untersuchungen durchführt. Dies ist alleinige Aufgabe und Pflicht der niedergelassenen Kinder- und Allgemeinärzte. Entsprechend sind diese bzw. die KVB verpflichtet, diese auch zu gewährleisten. Wir werden daher entsprechend betroffene Eltern, die keinen Kinder- oder einschlägig fachkundigen Allgemeinarzt finden, auffordern sich primär an die KVB zu wenden. Gleiches gilt für die kurative Versorgung. Diese ist nicht Aufgabe des ÖGD und von diesem auch keinesfalls leistbar.

Zu bedenken ist überdies, dass im Rahmen der U-Untersuchungen auch häufig Befunde auffallen, die der weiteren Abklärung bedürfen. Hierfür verfügen die Gesundheitsämter weder über die Gerätschaften (EKG. Ultraschallgerät, Labor) noch über die nötige Sachkunde (EKG-Auswertung bei Kindern, einschlägige Sonographieausbildung)

Die nicht ausreichende Versorgung mit Fachärzten und die daraus entstehenden Probleme für die Bevölkerung nehmen wir ganz deutlich wahr. Diese Schwierigkeiten betreffen aber nicht nur die Kinderärzte, sondern im Oberallgäu darüber hinaus insbesondere Lungenfachärzte (Zunahme der Tuberkulose mit Überlastung der bereits praktizierenden Lungenärzte) Neurologen und Psychiater.

Ich sehe insgesamt  eine Diskrepanz zwischen der bestehenden Erfüllung der Plansolle durch die „Kassenärztliche Vereinigung Bayerns“ mit gleichzeitig bestehenden Niederlassungsbeschränkungen einerseits und der tatsächlich bestehenden Überlastung von niedergelassenen Kinderärzten und anderen Fachärzten mit Abweisung von Patienten andererseits.

Aufgrund dieser Tatsachen bitten wir die KVB im Rahmen ihrer Möglichkeiten um rasche und wirksame Abhilfe zur Sicherstellung der Versorgung mit Kinder- und Jugendärzten sowie Neurologen, Psychiatern und Lungenfachärzten im Oberallgäu. (pm)


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kinderärzte aufnahmestopp gesundheit allgäu



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