Moderator: Thomas Häuslinger
mit Thomas Häuslinger
 
 

TBC: BDM stellt Forderungen an Behörden - Landratsamt Oberallgäu nimmt Stellung
29.03.2013 - 15:41
Nachdem das Landratsamt Oberallgäu im Oktober vergangenen Jahres die TBC­Reihenuntersuchungen angeordnet hat, ist der Bund Deutscher Michvielhalter (kurz BDM) jetzt sauer.
Wie auf der Webseite "bdm­verband.org" seit gestern zu lesen ist, fordert der BDM nun Veränderungen bei der Vorgehensweise in Sachen "TBC­Problematik". Zudem prangert der BDM die Reihenuntersuchungen an, da diese laut dem Internetartikel gegen einen Bundesratsbeschlusses aus dem Jahr 2009 geschehen würden, obwohl sich die Situation im Oberallgäu, wie auch im gesamten Freistaat in den vergangenen Jahren nicht verschlechtert hätte.

Der BDM fordert nun von den Behörden mehrere Punkte:
Zum einen wird vom BDM eine Entschuldigung des Landratsamtes Oberallgäu gegenüber den betroffenen Viehhaltern erwartet, da nach deren Ansicht die Vorgehensweise des Veterinäramtes unzulänglich gewesen sei. Als Hintergrund wurden hier die Sperrungen der Betriebe sowie die Tötungen der Tiere genannt, die eine große psychische sowie finanzielle Belastung der Bäuerinnen und Bauern zur Folge gehabt hätten. Auch einen großen Imageverlust für die gesamte Region sieht der BDM aufgrund der Reihenuntersuchungen.

Zur weiteren Gegenkontrolle des gesundheitlichen Status der bisher gesperrten Betriebe hält es aber auch der BDM weiterhin für sinnvoll, den so genannten Simultantest noch eine begrenzte Zeit anzuwenden. Die Ergebnisse daraus sollen anschließend gründlich analysiert werden. Aus den daraus gewonnen Erkenntnissen soll dann ein längerfristiges Vorgehen entschieden werden, so der BDM. Sollte sich dann bestätigen, dass sich die "Seuchensituation" anders darstelle, fordert der BDM eine Änderung, oder wenn nötig auch eine Aussetzung der Reihenuntersuchungen. Es sei nicht zu verantworten, gesunde Tiere lediglich auf Verdacht zu töten, daran würde auch der Simultantest nichts ändern.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter schlägt nun vor, dass auch Tiere, welche an die Tierkörperbeseitigungsanstalt verbracht werden, genauer untersucht werden müssen. Bei der Tötung eines Tieres im Betrieb sei immer ein Tierarzt dabei, der die Vorgeschichte genauer kennt. Auch bei verendeten Tieren könne vor der Abholung ein Veterinär hinzugezogen werden, so der BDM. Bei Verdacht auf TBC müssten dann weitere Untersuchungen erfolgen. Allerdings käme diese vom BDM vorgeschlagene Untersuchung bislang nicht zur Anwendung. Zu bedenken sei zudem, dass erkrankte Tiere bereits seit langem nicht mehr in die Schlachthöfe kämen. Durch die Anwendung wäre nach Meinung der Vereinsmitglieder ein schnelleres Screening möglich, da sich hier auf die spezielle Risikogruppe konzentriert werden würde. Zudem würde das Vorankommen in Bezug auf die Erkentnisse des tatsächlichen Status in Sachen TBC beschleunigt werden. Es wäre wohl deutlich und garantiert, dass gesunden Tieren kein unnötiges Leid zugefügt werden muss, heißt es auf der BDM­Webseite.

Als letztes fordert der BDM vom Landratsamt Oberallgäu, die Ursachenforschung deutlich auszudehnen und möglichst breit anzulegen. Dies betreffe auch die Weiterentwicklung eines zuverlässigen Bluttests.

Behördensprecher nimmt Stellung
Auf Anfrage von AllgäuHIT nimmt das Landratsamt Oberallgäu Stellung zu den Vorwürfen. Behördensprecher Andreas Kaenders sagt, die Anordnung der Untersuchungen habe mit dem Bundesratsbeschluß nichts zu tun. Die Vorwürfe, dass etwas getestet werde, was gar nicht da sei, seien haltlos. “Erst vor wenigen Tagen mussten wieder mehrere Tiere aus einem Stall entnommen werden mit erschreckend deutlichen organischen Veränderungen ­ eindeutig Tbc. Wir sind damals aus gutem Grund den Anregungen aus den Reihen der Rinderhalter gefolgt, und haben die Untersuchungen angeordnet. Nur, wer sucht, der findet auch etwas”, so Kaenders.

Die Reihenuntersuchung sei fachlich notwendig und rechtlich begründet, so der Sprecher weiter. Man finde die meisten infizierten Tiere ­ Gott sei Dank ­ in einem frühen Infektionsstadium. “Wäre es anders, müssten ja regelmäßig ganze durchseuchte Tierbestände gekeult werden, und der Schaden für die Tierhalter und für die gesamte Region wäre extrem viel höher. Weil die Tiere gesund aussehen, tun sich viele Betroffene aber natürlich schwer mit der Entnahme der Tiere, das muss man auch verstehen.”

Der Bluttest sei weltweit anerkannt und empfohlen. Dennoch sei man auf den sogenannten Simultantest gewechselt, von dem man sich mehr “Kontinuität in den Ergebnissen” erwarte. Alle Biotests wiesen Fehlerquoten auf, weil es viele Parameter gebe, die das Ergebnis beeinflussen können. Wenn Fehler aufträten, dann dass infizierte Tiere nicht sofort erkannt würden, und weniger, dass gesunde Tiere als infiziert gemarkt würden. Deswegen sei es notwendig, insgesamt wieder zu regelmäßigen Untersuchungen zu kommen, um infizierte Tiere immer wieder auffinden zu können.

Dennoch könne es sein, dass einzelne gesunde, falsch gemarkte Tiere unter den gekeulten Tieren waren. Insofern sei die Forderung nach einer Weiterentwicklung der Tests notwendig. Auch die Forderung, die Tiere an der TBA einer Sektion zuzuführen, sei richtig ­und werde mit der neuen "Eilverordnung" bereits umgesetzt. Sie bringe in vielen Fällen deutliche Erleichterungen für die betroffenen Landwirte. Oft könne jetzt schon nach sechs Wochen freigetestet werden. In ganz vielen Fällen sei sogar eine weitere Untersuchung nach sechs Wochen gar nicht mehr nötig. In den kommenden Wochen stehe eine ganze Welle von Freitestungen an. “Wir sind zuversichtlich, dass die meisten Nachtestungen negativ verlaufen werden und wir die Zahl der gesperrten Betriebe dann stark reduzieren können”, so Kaenders weiter.

Wenn aber ein Test anschlage, dann sei das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert. Das gelte auch dann, wenn etwa eine Kulturanzucht keine Ergebnisse erbringt. Denn die Erreger sind im Körper ungleich verteilt. Fachlich betrachtet sei der Grund für Tötungen eben Tbc ­ein ernstzunehmendes Risiko für die Landwirtschaft, für die Molkereien, für die Verbraucher, für den Tourismus.

Oberstes Ziel müsse es sein, alles zu tun, um die landwirtschaftlichen Strukturen zu erhalten. Wer meine, Klagewellen befeuern, Entschuldigungen fordern und zum Boykott gegen die Untersuchung aufrufen zu müssen, übersehe, dass er damit der Landwirtschaft und dem Tourismus in der Region einen großen Schaden zufügen kann.

“Wir können nicht zulassen, dass uns Absatzmärkte für Milch und Vieh im In­- und Ausland weg brechen, nur weil momentan einige Stimmung machen. Die Seuche einfach wegreden zu können, wie einige das momentan versuchen, wäre schön, funktioniert aber nicht”, so Kaenders abschließend.

Laut einer Veröffentlichung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werden die Untersuchungen jetzt auf alle Bayerischen Alpenrandlandkreise ausgedehnt.

Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum