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Senioren (Symbolbild)
(Bildquelle: Pixabay)
 
Kempten
Freitag, 8. März 2019

Senioren-WGs in Kempten und Kaufbeuren

Johanniter sehen in der Idee ein Wohnmodell der Zukunft

Allgäu – Bei dem Wort „Wohngemeinschaften“ denken die meisten zunächst an Studentenunterkünfte für junge Leute.

Dass das Prinzip des gemeinsamen, zweckmäßigen Wohnens auch auf andere Personenkreise sinnvoll ausgedehnt werden kann, beweisen die Johanniter im Allgäu. Sie pflege in einer Wohngemeinschaft in Kempten und in Kaufbeuren, weitere in der Region sind in Planung. Erna, Vroni und Anni leben bereits in einer dieser Wohngemeinschaften. Bei einem Besuch erleben wir, wie sich das Zusammenleben der drei Damen gestaltet.
Anni ist 92 Jahre alt, Vroni zählt 91 Lenze und „Nesthäkchen“ Erna feiert im März ihren 90sten Geburtstag. Die drei rüstigen Damen teilen sich seit einiger Zeit eine 4-Zimmer-Wohnung mit Wohnküche, zwei Bädern und großem Balkon in einem Hochhaus  in Kempten. Jede von ihnen hat ein eigenes Zimmer, das sie ganz nach ihrem Geschmack mit eigenen Möbeln eingerichtet haben. Das vierte Zimmer ist Monika vorbehalten, der 37-jährigen Hauswirtschafterin aus Polen. Sie lebt seit fast einem Jahr mit den drei Frauen in der Wohnung, kümmert sich ums Einkaufen, Kochen und Putzen und ist auch sonst für sie da. 
Die drei Damen gestalten ihren Alltag, wie sie möchten und können. Jede steht auf und frühstückt, wann und was sie mag. Mittagessen, Kaffee und Abendbrot werden gemeinsam in der Wohnküche eingenommen. Morgens und abends kommt der ambulante Pflegedienst ins Haus. Häufig sind Verwandte und manchmal auch Bekannte zu Besuch und einmal pro Woche beschäftigen sich die freundlichen Frauen von der Verhinderungspflege eines weiteren Anbieters mit den Seniorinnen. Dann gibt es Spiele, Ausflüge in die Stadt oder zu alten Bekannten - auch Eschach, die Kemptener Salzgrotte und die Gletscheralm gehörten schon zu den Zielen - , manchmal wird gebastelt und immer viel geredet. Alle Aktivitäten werden von den Betreuerinnen als Erinnerung für jede der Drei in Fotos und Texten in jeweils einem hübschen Büchlein festgehalten. 
Für die Angehörigen ist die Lösung mit der Senioren-WG ideal, wie sie sagen. Ernas Sohn und seine Frau berichten, dass ihre (Schwieger-)Mutter bis vor wenigen Monaten noch alleine Zuhause gelebt hat und sehr aktiv war. Doch als ihr Gesundheitszustand schlechter wurde, kam die ständige Sorge. „Wir waren oft bei ihr und haben sie jeden Tag angerufen – aber wir hatten immer Angst, dass was passiert sein könnte oder dass sie vereinsamt, weil sie ja nicht mehr aus dem Haus konnte.“ Als sie von der Idee der Senioren-WGs gehört hätten, habe sie das sofort interessiert. Wir dachten: „Das ist es! Das ist doch besser als ein Pflegeheim.“ Das sieht auch Annis Sohn so. „Zu wissen, dass immer jemand da ist und dass meine Mutter gut versorgt ist, ist eine wahnsinnige Erleichterung“, findet er. Vronis Nichte berichtet, ihre Tante sei bis vor Kurzem sehr sportlich aktiv gewesen, „doch nach einem Schlüsselbeinbruch im letzten Jahr ging vieles nicht mehr.“ Vroni selbst wäre, genau wie die anderen beiden, gern in ihren eigenen vier Wänden geblieben, aber sie alle sind froh, nicht mehr allein zu sein. Weil auch im reifen Alter unterschiedliche Meinungen, Wünsche und Erwartungen aufeinander prallen können, findet jeden Monat ein sogenanntes Gremiumstreffen in der WG statt. Dann tauschen sich die Bewohnerinnen, ihre Angehörigen und ein Moderator, miteinander aus. An diesen Abenden werden alle Themen rund um die WG besprochen. Heute geht es beispielsweise darum, dass Anni und Vroni gerne mehr beim Kochen mithelfen würden. Auch bei der Auswahl der Speisen herrscht nicht immer derselbe Geschmack. „Das ist wie in einer Familie – man kann es nicht immer allen recht machen“, sagt Ernas Sohn schmunzelnd. Gemeinsam werden Lösungen gesucht. Ernas Sohn weiß: „Im Zweifelsfall wäre auch noch der Moderator da, um zu vermitteln – das war aber bislang gar nicht nötig.“
Die Johanniter pflegen aktuell in zwei Senioren-WGs in Kempten und in Kaufbeuren. In einer WG in Wiggensbach und einer weiteren in Kaufbeuren sind nur noch wenige Plätze frei. Eine weitere WG in Waltenhofen-Oberdorf  befindet sich im Bau und eine WG in der Kronenstraße, mitten im Zentrum von Kempten, steht kurz vor der Fertigstellung. In Mindelheim sind zwei weitere geplant, ebenso in Buchloe und Bad Grönenbach. Markus Adler, Regionalvorstand der Johanniter ist der festen Überzeugung: „Die Senioren-WGs kommen immer mehr - und das müssen sie auch. Das Interesse an dem Projekt ist groß, denn es ergänzt das Angebot und die Nachfrage  und bietet ein Komplementärangebot zur stationären Betreuung.“ Auch von politischer Seite findet das Angebot, das die Johanniter im Allgäu partnerschaftlich mit dem Waltenhofener Unternehmen Resenio unterhalten, Beachtung. Die Landtagsabgeordneten Thomas Kreuzer und Eric Beißwenger haben bereits eine der WGs in Kempten besucht. Auch mit MdL Dr. Dominik Spitzer habe er bereits gesprochen, so Adler. „Alle drei sehen das Konzept als schöne Alternative und Puzzleteilchen zur Lösung der Probleme, die mit den demographischen Entwicklungen einhergehen.“

 

 

 


Tags:
Johanniter Wohngemeinschaft Senioren Pflege



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