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Pflegefall
(Bildquelle: Pixabay)
 
Kempten
Montag, 20. August 2018

Pflegenotstand erreicht erschreckendes Ausmaß

Unterstützung aus Nachbarländern für das Allgäu erfragt

„So geht es nicht weiter, es muss jetzt dringend auf landespolitischer Ebene gehandelt werden“, war die einhellige Meinung des Landesvorsitzenden der Freien Wähler in Bayern Hubert Aiwanger, MdL, des Oberallgäuer Landtagsabgeordneten Dr. Leopold Herz und des Bezirks- und Stadtrats Alexander Hold.

Der Pflegenotstand hat in einem erschreckenden Ausmaß, inzwischen auch das Allgäu erreicht. In einer Reihe von Pflegeeinrichtungen im Oberallgäu können wegen Personalmangels Pflegeplätze nicht mehr vergeben werden und stehen leer. Auch große Wohlfahrtsverbände und jahrhundertelang tätige Stiftungen schließen Pflegedienste und Pflegeheime, weil sie kein Pflegepersonal mehr fnden. Pflegebedürftige Senioren und ihre Angehörigen sind fassungslos und fühlen sich im Stich gelassen.

Mehrere private Pflegeeinrichtungen im Allgäu, aber auch die Arbeiterwohlfahrt in Kempten, sowie der Kreisverband des Bayerischen Rote Kreuzes Kempten-Oberallgäu und die rund 150 Jahre alte Margaretha- und Josephinen-Stiftung in Kempten haben in den letzten Wochen mitgeteilt, dass sie wegen Personalmangel ihre ambulanten Pflegedienste bzw. ihre Pflegeheime schließen werden. Neuaufnahmen waren zum Teil schon seit längerer Zeit nicht mehr möglich. Die Freien Wähler haben sich inzwischen intensiv über die Situation in der Altenpfege und der Pflegekräfte informiert. Dieser Tage fand nun in Kempten ein weiterer Austausch mit Pflegekräften und Vertretern aus dem Pflegemanagement und der Wissenschaft statt, um neben einer Ursachenanalyse auch Lösungsansätze zu fnden. Voraus ging eine Besichtigung des AllgäuStift Gesundheits- und Pflegezentrums Marienpark in Kempten, bei dem Pflegedienstleiterin Senzi Fleschutz sowohl die pflegefachliche Konzeption des modernen Hauses als auch das rahmengebende Pflegesystem informierte. 

Prof. Dr. Philipp Prestel von der Fakultät für Soziales und Gesundheit der Hochschule Kempten ging in seinem Beitrag auf die landesweit gültigen, vergleichsweise engen Regelungen zur personellen Besetzung der Pflegedienste ein und stellte aktuelle Forschungsprojekte und Erkenntnisse aus anderen Ländern vor.

In einer anschließenden Gesprächsrunde machte der Unternehmer und Bezirkstagskandidat Klaus Burkhard aus Lindenberg auf konkrete Schwierigkeiten und Sorgen der alten Menschen und ihrer Angehörigen aufmerksam. Er selbst habe bereits Kontakte mit Pflegeschulen in Italien und in östlichen Nachbarländern aufgenommen, um dort etwaige Unterstützungsmöglichkeiten für das Allgäu zu erfragen. Bezirksrat Alexander Hold berichtete von seinen Erfahrungen im Bezirkstag Schwaben, der neben der Behindertenhilfe auch für die Versorgungs- und Finanzierungsstrukturen in der Altenpflege zuständig ist. Zwar sei das Pflegeversicherungsgesetz mit den darin geregelten Leistungsansprüchen ein Bundesgesetz, die konkreten Rahmenbedingungen und rechtlichen Anforderungen an Pflegeeinrichtungen hingegen werden weitgehend vom Bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerium, den Pflegekassen sowie vom Bezirk Schwaben vorgegeben. Der Freistaat Bayern könne und müsse sich daher in Abstimmung mit den Bezirken und unter Einbeziehung der Kranken- und Pflegekassen möglichst schnell für eine deutlich bessere Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen stark machen, verlangt Bezirksrat Alexander Hold, der sich für die Freien Wähler in Kempten und im Oberallgäu als Landtagskandidat zur Verfügung stellt. Anders könne man dem steigenden Bedarf an qualifzierten Pflegefachkräften und Pflegeassistenten kaum noch decken. Da es bereits heute bayernweit und gerade auch im Allgäu besorgniserregende Versorgungsengpässe gibt, sahen sowohl Aiwanger als auch sein Landtagskollege Dr. Leopold Herz großen Handlungsbedarf in der Bayerischen Staatsregierung.

Herz wies darauf hin, dass das von der Bayerischen Staatsregierung in einer Hau-Ruck-Aktion eingeführte Bayerische Pflegegeld die aktuellen Herausforderungen in der Altenpflege nicht lösen wird. Alexander Hold pflichtete der Anregung von Dr. Philipp Prestel bei, dass vor allem in die Ausbildung in der Pflege ganz massiv investiert werden müsse. Nicht weniger wichtig seien vernünftige Personalbemessungsinstrumente, die den tatsächlichen Pflege- und Betreuungsbedarf der Patienten und Heimbewohner nachvollziehbar berücksichtigen. Pflegekräfte müssten ausreichend Zeit für die Patientenbetreuung haben, ständiger Stress führe zu Frustration und über kurz oder lang geben dann noch weitere Pflegekräfte ihren Beruf auf. „Genau dies können wir nicht riskieren, wir dürfen die Pflegekräfte nicht im Stich lassen,, betont Aiwanger und findet damit die Bestätigung aller Gesprächsteilnehmer. Und Hold ergänzt, dass sich in den Gesprächen, die er mit Pflegebedürftigen, mit pflegenden Angehörigen und mit Pflegekräften in den letzten Wochen und Monaten geführt habe, deutlich herauskristallisiere, dass insbesondere die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert und die Pflegekräfte aber auch die pflegenden Angehörigen vor Überlastungen geschützt werden müssen.

Die Freien Wähler wollen nun einen Masterplan zur deutlichen Verbesserung der Situation in der Pflege entwickeln, den die nach der Landtagswahl im Herbst zu bildende neue Landesregierung sehr schnell umsetzen soll.(pm)


Tags:
Pflege Notstand Senioren Pflegedienst



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