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Symbolbild Agentur für Arbeit
(Bildquelle: Pixabay)
 
Kempten
Donnerstag, 29. November 2018
Der Arbeitsmarkt im November Kempten bis Memmingen
Menschen mit Behinderung bilden Fachkräftepotenzial

Im Gesamtergebnis entwickelte sich der Arbeitsmarkt auch im November weitgehend stabil. Insbesondere die alljährliche Pause im Tourismusgewerbe führte jedoch auch zu vorübergehenden Entlassungen in Hotellerie und Gastronomie.

Zuletzt waren im bayerischen Teil des Allgäus knapp 8.900 Menschen arbeitslos gemeldet. Daraus errechnete sich eine aktuelle Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent. Sie lag um 0,1 Prozentpunkte höher als im Oktober. Die anhaltende Stabilität des Arbeitsmarktes zeigt sich beim Vergleich mit den Daten des Vorjahres. Im November 2017 waren 530 Menschen mehr arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote erreichte seinerzeit den höheren Wert von 2,5 Prozent.

Betriebe suchten weiterhin nach zusätzlichen Mitarbeitern, insgesamt beruhigte sich die Nachfrage im Vergleich zu den letzten Monaten. „Im Allgäu suchen Betriebe weiterhin insbesondere qualifizierte Fachkräfte. Der Bedarf der Wirtschaft ging zwar aktuell etwas zurück, dabei muss man aber auch das überaus hohe Niveau der Kräftenachfrage der letzten Monate berücksichtigen,“ sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Der hohe Bedarf an Arbeitskräften und die weiterhin starke Dynamik auf dem Arbeitsmarkt eröffnet auch Personengruppen Chancen, die früher nur eingeschränkt Berücksichtigung fanden.“

Der Vergleich der letzten Jahre zeigt am Beispiel der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen die anhaltend gute Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Menschen mit Behinderung
Bereits seit mehreren Jahren nimmt die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen kontinuierlich zu. Waren im Jahresdurchschnitt 2012 annähernd 5.100 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen bei Arbeitgebern mit 20 und mehr Arbeitsplätzen beschäftigt, so arbeiteten im Durchschnitt des Jahres 2016 bereits gut 5.700 Menschen mit Behinderung in solchen Betrieben.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht alle Arbeitgeber, sondern nur Betriebe und Verwaltungen, die im Jahresdruchschnitt monatlich mindestens 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, die Zahl der beschäftigten Menschen mit Behinderung anzeigen müssen. Bei der genannten Betriebsgröße sind Arbeitgeber verpflichtet, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Sollte dies nicht der Fall ist, ist eine Ausgleichsabgabe fällig. Deren Höhe richtet sich nach der Beschäftigungsquote, sie schwankt zwischen 125 und 320 Euro je Monat und nicht mit einem Schwerbehinderten besetztem Arbeitsplatz.

Im Allgäu haben beschäftigungspflichtige Unternehmen die geforderte Quote nicht erreicht. Dasselbe gilt für alle Teilregionen im Bezirk der Agentur für Arbeit.

Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2017 ging die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Behinderung zurück. Während im Januar 2015 annähernd 1.050 behinderte Frauen und Männer arbeitslos gemeldet waren, ging diese Zahl im November dieses Jahres auf etwas weniger als 900 Kräfte zurück.

Aktuell befanden sich darunter 574 Menschen mit einem Abschluss der Haupt- oder Realschule. Das entsprach 64 Prozent aller arbeitslosen Menschen mit Behinderung. Zum Vergleich: Unter allen arbeitslosen Menschen gab es lediglich 58 Prozent mit entsprechenden Schulabschlüssen.

Die überwiegende Zahl der 900 arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen rechnet zu den Fachkräften. Knapp 550 konnten eine betriebliche oder schulische Ausbildung vorweisen, 40 Kräfte hatten einen akademischen Abschluss zu bieten.

Um arbeitslose Menschen mit physischen und psychischen Behinderungen bestmöglich zu unterstützen, werden diese Personen in der Arbeitsagentur durch ein eigenständiges Team von Experten intensiv beraten. Ergänzend erarbeitet der technische Beratungsdienst der Agentur für Arbeit bei Bedarf individuelle Lösungen, damit Menschen mit Behinderung wieder ins Erwerbsleben einsteigen können (z.B. behindertengerechte Möblierung des Arbeitsplatzes; technische Hilfen für Blinde; Spezialsoftware; Umrüstung von Fahrzeugen). Damit der Start in eine neue Tätigkeit gelingt, unterstützt die Agentur für Arbeit mit verschiedenen Förderleistungen. So haben im bisherigen Jahresverlauf monatlich durchschnittlich 60 Menschen mit Hilfe eines „Eingliederungszuschusses für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen“ eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Daneben erhielten zuletzt gut 190 Frauen und Männer individuelle Maßnahmen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben, 220 jungen Menschen mit Behinderung kamen spezifische Leistungen zur Ausbildungsförderung zu Gute.

Arbeitslose Menschen
Im November meldeten sich bei den Vermittlern 2.100 Menschen, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten. Das waren 680 mehr als noch im Oktober. Ein Teil dieses Zuwachses ergibt sich aus dem Ende der Herbstsaison in den Tourismusgebieten entlang der Berge und am Bodensee. So sprachen im südlichen Oberallgäu 160 Kräfte aus den Bereichen Hotellerie und Gastronomie neu bei den Vermittlern vor. In Lindau kamen aus diesen Branchen 100 Kräfte, im Wirtschaftsraum Füssen waren es 120 Mitarbeiter. Für viele von ihnen endet die Arbeitslosigkeit bereits wieder nach kurzer Zeit, weil sie mit dem Beginn der Wintersaison eine neue Beschäftigung aufnehmen können.

Erfreulich fiel im November der Rückgang auf Seiten jüngerer Menschen aus. Im Vergleich zum Oktober waren 50 Menschen aus dieser Altersgruppe weniger arbeitslos gemeldet. Der Vergleich mit dem November des Vorjahres zeigt sogar einen Rückgang um 100 Kräfte. In der Gruppe der Älteren (50 Jahre und älter) ergab sich im Jahresvergleich ebenfalls eine Verbesserung. So waren in diesem November 160 Frauen und Männer weniger arbeitslos als im November des vergangenen Jahres. Merklich verbesserte sich die Situation auch für Menschen, die bereits ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren. Aktuell waren aus dieser Gruppe knapp 320 Frauen und Männer weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor.

Der Arbeitsmarkt ist insgesamt ständig in Bewegung und es ergeben sich immer wieder Chancen auf eine neue Tätigkeit. Gut 1.100 Kräfte konnten im November eine neue Beschäftigung aufnehmen.

Reduzierter Kräftebedarf
Nach einem absoluten Höchststand, den die Nachfrage nach Arbeitskräften in den letzten Monaten erreicht hatte, suchten Betriebe im November weniger intensiv nach zusätzlichen Mitarbeitern. Unter den 1.550 neuen Stellenangeboten lag ein Schwergewicht in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau. Diese Bereiche stellten knapp 150 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Elektrotechnik hatte annähernd 90 weitere Arbeitsplätze zu besetzen. Ebenso viele Jobofferten kamen für neue Stellen in der Lagerlogistik herein. Hier wurden geeignete Lagerfachkräfte, Kraftfahrer und Speditionskaufleute gesucht. Für Tätigkeiten im Verkauf gab es 60 neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Anhaltend hoch blieb die Nachfrage nach Erzieherinnen, Sozialarbeitern und artverwandten Tätigkeiten. Aktuell gaben Arbeitgeber hier 50 weitere Arbeitsstellen zur Besetzung herein. Insgesamt standen für Vermittlungsbemühungen 6.575 Beschäftigungsangebote zur Verfügung, 300 weniger als im Oktober.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich
Im bayerischen Teil des Allgäus erreichte die Arbeitslosenquote mit 2,3 Prozent den niedrigsten Novemberwert der letzten zehn Jahre. Diese günstige Entwicklung setzte sich auch in den einzelnen kommunalen Gebietskörperschaften fort. Überall erreichte die Arbeitslosenquote denselben niedrigen Wert wie im Jahr zuvor oder sie lag sogar noch darunter. Die Mehrzahl der Landkreise verzeichnete bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma. Den niedrigsten Wert erreichte das Unterallgäu mit einer Arbeitslosenquote von 1,6 Prozent, gefolgt von den Landkreisen Ostallgäu und Lindau mit 2,1 bzw. 2,4 Prozent. Ebenfalls ein im Jahresvergleich verbessertes Ergebnis wiesen die drei Städte Memmingen, Kempten und Kaufbeuren vor.(pm)

 

 

 

Unterschiede in Arbeitslosenversicherung und sozialer Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. Insbesondere wegen der erwähnten Arbeitslosmeldungen aus dem Tourismus nahm die Zahl arbeitsloser Menschen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur im November stärker zu. Die Arbeitsagentur betreute aktuell knapp 5.400 Kräfte, 690 mehr als im Oktober. Im Bereich der sozialen Grundsicherung waren die sieben Jobcenter für annähernd 3.500 arbeitslose Frauen und Männer zuständig. Im Vergleich zum Vormonat bedeutete das einen leichten Rückgang um 60 Personen.

Ein anderes Bild zeigt der zusätzliche Blick auf die Daten des Vorjahres. Im November dieses Jahres waren im Bereich der Agentur für Arbeit 280 Frauen und Männer weniger gemeldet als vor einem Jahr. Einen ähnlich hohen Rückgang verzeichneten die Jobcenter bei arbeitslosen Menschen. Hier waren 255 Arbeitslose weniger zu betreuen.

In der sozialen Grundsicherung werden neben arbeitslosen Menschen weitere Personengruppen von den Mitarbeitern der Jobcenter betreut. Zahlreiche Menschen gelten nicht als arbeitslos im Sinne des Gesetzgebers, weil sie kleine Kinder versorgen, Angehörige pflegen, sich in einer Qualifizierung befinden oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Im Jahresvergleich ist die Zahl der Haushalte im Allgäu, die auf Grundsicherung angewiesen sind - sog. „Bedarfsgemeinschaften“ - um gut zehn Prozent auf 8.250 zurückgegangen. Die Zahl der erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung ist um 1.200 auf etwa 10.400 Menschen gesunken.

 

 

Ausblick

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch von Witterungseinflüssen geprägt ist. Besonders stark können diese Einflüsse auf Beschäftigungsverhältnisse im Bau- und Baunebengewerbe sowie im Tourismus wirken. Aufgrund der guten Auftragslage im Handwerk ist dort nur mit kurzen Unterbrechungen bei der Beschäftigung von Mitarbeitern zu rechnen – sofern das Wetter mitspielt.

 

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

 

Darstellung nach kommunalen Strukturen

 


Tags:
Arbeitsmarkt November Behinderung Fachkräftepotenzial



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