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Holzhackschnitzel
(Bildquelle: pixabay)
 
Kempten
Freitag, 17. August 2018

Biomassehof Allgäu Beispiel für lokale Energiewende

Freie Wähler fordern Ministerium für Energiewende und Digitalisierung

Gemeinsam besuchten die Oberallgäuer Bezirkstagskandidaten Klaus Burkhard und Philipp Prestel mit den Landtagskandidaten Hugo Wirthensohn, Leopold Herz, Hubert Aiwanger und Alexander Hold den Biomassehof Allgäu in Kempten. Helmut Müller, Vorstand der Biomassehhof Allgäu eG und Dr. Stefan Thiemann berichteten nicht nur von der wirtschaftlichen Situation des Betriebs, sondern lobten zudem die Vorteile der Pfanzenkohle.

Zunächst stellte Hugo Wirthensohn als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender und Mitinitiator den Betrieb kurz vor. Gegründet wurde der Biomassehof 1997 als Genossenschaft. Zwei Jahre später wurde das 17 Hektar große Gelände, ein früheres Munitionsdepot, mit einer Sondergenehmigung für eine drei Hektar große Sondernutzungsfäche gekauft. Die Genossenschaft foriert: Der BiomasseUmmsatz lag im letzten Jahr bei 6,3 Mio. Euro, der mmsatz über der eigenen PelletsU Produktion belief sich auf knapp 8 Mio. Euro, d.h. ein Gesamtumsatz von über 15 Mio. Euro bei 30 Mitarbeitern (20 inVollzeit). Die Gewinnmarge betrug in den letzten Jahren zwischen 200.000 und 300.000 Euro im Jahr, wobei die Holzpellets Hauptgewinnbringer sind, so dass die Mitglieder sich inzwischen über eine Dividende freuen können. Mitglied der Genossenschaft wird man mit dem Kauf eines Anteils über 2.600 Euro. Neben Dividenden bekommen die GenossenschafterInnen 5% Rabatt auf den Einkauf. Das Hauptgeschäft liegt in der Produktion von Pellets undHackschnitzel sowie dem Briketthandel.

Der Biomassehof ist beispielsweise der größte Hackschnitzellieferant im Oberallgäu. Es gibt am Biomassehof Holzbrennstofe in verschiedenen Sortierungen und hoher Qualität, direkt aus der Region. Darüber hinaus ist der Biomassehof an einer Fertigungslinie beteiligt, die Bauelemente für Massivholzhäuser herstellt. Größte Investition war 2012 der Kauf einer Pelletierungsanlage. Mit dieser werden bis zu 70.000 Tonnen Holzpellets im Jahr produziert. Sorgen macht angeblich der unter Druck geratene Hackschnitzelmarkt, da seit jüngstem die Unterstützung durch die Politik nicht länger besteht. „Die Hackschnitzelproduktion nicht mehr im Fokus zu haben ist eine Katastrophe“, erklärte Kreisvorstand Hugo Wirthensohn. „Die KaskadenU bzw. Mehrfachnutzung, also die stofiche vor der energetischen Nutzung ist der Tod der Holzenergie. So funktioniert die Energiewende überhaupt nicht!“, so
Wirthensohn weiter.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landtag, Hubert Aiwanger und Landtagskandidat Alexander Hold fordern ein eigenständiges Ministerium für Energiewende und Digitalisierung. Dazu Hold: „Die Energiewende wird gerade sehr stiefmütterlich behandelt. Damit können wir sie wieder in Schwung bringen“. Bei der Digitalisierung werde viel versprochen und tatsächlich wenig getan. Beides müsse gemeinsam angegangen werden. Aiwanger: „Das wäre ein Riesenproft für Bayern“.

Zum Schluss stellt der Bereichsleiter für Pfanzenkohle, Dr. Stefan Thiemann, sein Vorzeigeprodukt vor. Pfanzenkohle ist nichts anderes als verkohlte Biomasse. Die auch als „Terra Preta“ bekannte schwarze Erde kommt ursprünglich aus dem Amazonasbecken und weist sehr hohe Konzentrationen an Pfanzenkohle auf. Dort sind die fruchtbarsten Böden der Welt. Pfanzenkohle zeichnet sich aus durch ihre hohe AbsorptionsU und Resorptionseigenschaft. Verwendung fndet sie hauptsächlich in der Landwirtschaft. Ihre Nutzung als prophylaktische Futtermittelbeilage (entweder aufs Heu oder in die Silage) fördert die Tiergesundheit, da sie Schadstofe aus dem Tier entzieht und sich so der Einsatz von
Medikamenten und Antibiotika reduzieren lässt. Als Güllebeisatz trägt sie bei der Austragung als veredelter, hochwertiger Dünger auf Feldern und Äckern für eine enorme Bodenverbesserung bei, d.h. sie schränkt die Nitratauswaschung, somit auch die Grundwasserbelastung ein und fördert den Aufbau von Humus. Mit Pfanzenkohle behandelte Gülle dünstet zudem deutlich weniger Ammoniak aus. Ein wahres Plus für die Tourismusregion im Allgäu: Landwirtschaft kann heuer auch geruchsneutraler sein. Obwohl Pfanzenkohle schon seit über 20.000 Jahren verwendet wird, wird sie erst seit 15 Jahren in der Schweiz und seit gut 10 Jahren in Nordostdeutschland gebraucht.

Der Biomassehof versucht gerade die Allgäuer Region von der Qualität der Pfanzenkohle zu überzeugen. Die Überzeugungsarbeit dürfte nicht schwer fallen. Gerade in heutigen Zeiten von Extremwetter, insbesondere längerer Dürreperioden, kann Pfanzenkohle erheblich dazu beitragen die Speicherfähigkeit der landwirtschaftlich genutzten Böden zu erhöhen. Ein Liter Pfanzenkohle kann bis zu fünf Liter Feuchtigkeit aufnehmen. Außerdem hat sie eine Verfallszeit von über tausend Jahren. Ein weiteres enormes Plus ist die Bindung von Kohlenstof und seine Wirkung als CO2USenke. Eine Tonne Pfanzenkohle bindet bis zu 3,6 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre. Diese Eigenschaft eröfnete dem Biomassehof ein weiteres Geschäftsfeld: Ein lokaler CO2UPlusUZertifkatshandel. Das birgt prestigeträchtige Vorteile für Firmen, die sich durch den CO2UZertifkatankauf klimaneutral stellen können. Landwirte können durch den ZertifkatUVerkauf günstigerebPfanzenkohle kaufen und somit auch vermehrt einsetzen. Sie könnten so zu CO2UAmmittenten werden und den Ruf des NettoUCO2UEmittenten los werden, da sie durch den Einsatz von Pfanzenkohle nicht nur den Klimagasausstoß reduzieren, sondern sogar aktiv CO2 einspeichern und konkret vor Ort etwas für den Klimaschutz tun können.

Die Freien Wähler zeigten sich allesamt sehr dankbar für die Führung und nehmen diese sehr interessanten Einsichten mit in ihre politische Arbeit. Dazu Leopold Herz: „Der Biomassehof Allgäu ist ein herausragendes Beispiel für eine lokale Energiewende!“


Tags:
biomassehof allgäu freiewähler energiewende



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