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Die Gesamtzahl der bei der Polizei mitgeteilten Verkehrsunfälle war mit –3,5% rückläufig.
(Bildquelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd-West)
 
Kempten
Dienstag, 24. Februar 2015

Allgäuer Polizei stellt Unfallstatistik vor

Mehr tödliche Unfälle mit Fußgängern und Fahrradfahrern

Eine in Teilen erfreuliche Bilanz kann das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten für das Unfallgeschehen 2014 ziehen. Während bei einigen wichtigen Unfallarten und Unfallfolgen eine positive Entwicklung festgestellt werden konnte, stimmt die Entwicklung in anderen Bereichen nachdenklich.

Gesamtzahl
Die Gesamtzahl der bei der Polizei mitgeteilten Verkehrsunfälle war mit –3,5% rückläufig. Dies stellt den ersten Rückgang seit 2011 dar. Dieser Rückgang dürfte zu einem wesentlichen Teil mit dem milden Winter Anfang 2014 zusammenhängen.

Verkehrstote
Bei der Zahl aller getöteten Verkehrsteilnehmern musste ein Anstieg von 45 auf 50 Tote verzeichnet werden. Der Wert von 50 Verkehrstoten liegt trotz des Anstiegs signifikant unter dem Mittelwert der letzten zehn Jahre von 64,5 Toten.

Eine rückläufige und damit positive Entwicklung wurde bei den getöteten Pkw-Fahrern und Motorradfahrern festgestellt. Hier konnte mit 23 Verkehrstoten der niedrigste Wert (Pkw-Fahrer: 10-Jahresschnitt 34,8 Tote) bzw. mit 9 Verkehrstoten der zweitniedrigste Wert (Motorradfahrer: 10-Jahresschnitt 13,6 Tote) seit Bestehen der Unfallstatistik verzeichnet werden.

Gegensätzlich verlief die Entwicklung bei den Fahrradfahrern. Mit 12 tödlich Verunglückten hat sich deren Zahl verdoppelt (10-Jahres Schnitt 9 Tote). Bei den Fußgänger stieg diese Zahl von 1 auf 6 an (10-Jahres Schnitt 7,2 Tote).

Der Großteil der Gruppe der sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer (Fußgänger u. Radfahrer), die ihr Leben im Straßenverkehr verloren, war dabei über 74 Jahre alt. Von ihnen wurde der Unfall mehrheitlich selbst verursacht. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass 2/3 der tödlich verunglückten Fahrradfahrer bei dem Unfall keinen Helm trugen.

Verletzte Verkehrsteilnehmer
Die Zahl der bei Unfällen verletzten Verkehrsteilnehmer liegt mit 5.499 Personen fast auf dem Niveau des Vorjahres (+0,15%). Dieser Wert, der bis 2003 noch deutlich über 6.000 Verletzte lag, hat sich in den letzten Jahren auf diesem Niveau stabilisiert. Mit 492 verletzten Motorradfahrern (10-Jahres Schnitt 646) ist hier der niedrigste Wert seit Bestehen der Unfallstatistik zu verzeichnen. Anders aber die Radfahrer, bei denen ein Anstieg von 9,5% auf 1.206 Verletzte zu verzeichnen war (10-Jahres Schnitt 1.064). Dies ist die höchste Zahl seit mindestens 1987.

Alterstruktur
Das Alter der Unfallverursacher spiegelt zunehmend die Bevölkerungsstruktur wider. Erstmals liegt der Anteil der Verkehrsteilnehmer über 65, die einen schweren Verkehrsunfall verursacht haben, im Schutzbereich mit 19,6% über dem entsprechenden Anteil der jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren mit 19,2%. Damit sank der Anteil der jungen Fahrer als Unfallverursacher innerhalb von 5 Jahren um 4,7%, während der Anteil der Senioren um 4,1% anstieg.

Polizeipräsident Werner Strößner:
“Das Leid, das schwere und tragische Unfälle über Beteiligte und Angehörigen gebracht haben, kann die Verkehrsunfallstatistik nicht wiederspiegeln. Jeder Verkehrstote ist einer zuviel. Wir werden daher weiter die Hauptunfallursachen bekämpfen und damit unseren Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit leisten.

Während der letzten Jahre war das Augenmerk der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit vermehrt auf das Verhalten der Nutzer der Landstraßen gerichtet. Die verringerten Zahlen bei den getöteten Pkw und Kradfahrern sind ein Beleg, dass die Kombination aus Optimierung bei Straßenbau, Fahrzeugtechnik sowie Rettungswesen, aber auch durch Repression und Prävention hier mittelfristig zum Erfolg beitragen.

Anlass zu Sorgen geben die Zahlen bei der Gruppe der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Die Umstände, dass 8 von 12 getöteten Fahrradfahrern ohne Helm unterwegs waren und bei der Zahl der verletzten Radfahrer Höchststände registriert wurden, belegen, dass hier die Präventionsbemühungen noch nicht wie gewünscht greifen. Ich appelliere an Radfahrer und Fußgänger im Interesse der eigenen Gesundheit und des eigenen Lebens ihren Beitrag zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr zu leisten. Hierzu gehören eine gute Erkennbarkeit z.B. durch Reflektoren und beim Radfahrer das konsequente Tragen eines Fahrradhelms.

Die wachsende Rolle der Verkehrsteilnehmer über 65 als Unfallverursacher ist ein Zeichen dafür, dass zukünftig nicht nur die Fahranfänger, sondern vermehrt auch die Senioren im Fokus der Bemühungen um die Sicherheit im Straßenverkehr stehen müssen.“

Weitere Eckdaten
Die Gruppe der Kleinunfälle, bei denen keine qualifizierte Unfallaufnahme erfolgt, stellt mit 55,6% den Hauptteil an der Gesamtzahl der polizeilich erfassten Unfälle.
Der Anteil der 3.847 Wildunfälle beträgt 14,9% - etwa 1/6 - an allen Verkehrsunfällen.
2014 ereigneten sich wie in den Vorjahren die meisten tödlichen Verkehrsunfälle außerhalb geschlossener Ortschaften. Von den 36 Verkehrstoten außerhalb geschlossener Ortschaften verstarben 29 bei Unfällen auf Bundesstraßen, Staatstraßen, Kreisstraßen oder anderen Ortsverbindungsstraßen.

 

Bereich prozentuale Änderung Änderung Anzahl
Landkreis Lindau -11,74% -241
Stadt Kempten -6,85% -174
Landkreis Unterallgäu -4,04% -131
Stadt Memmingen -3,53% -54
Landkreis Oberallgäu -3,31% -117
Landkreis Ostallgäu -3,27% -113
Landkreis Günzburg -1,22% -42
Landkreis Neu-Ulm -0,65% -32
Stadt Kaufbeuren 0,27% +3

 

 

 

 

 

 

 

Ursache Unfälle ohne Kleinunfälle schwerwiegende Unfälle
Abbiegen, Wenden, Rückwärts-/Ein- u. Anfahren 23,04% (12,62%)
Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes 13,31% (18,92%)
Nicht angepasste Geschwindigkeit 8,80% (14,19%)
Vorfahrtsverletzung 14,85% (13,34%)
Fehler beim Überholen und Vorbeifahren 4,72% (6,00%)
Missachtung des Sicherheitsabstandes 9,14% (5,74%)
Alkohol- und Drogeneinfluss 2,41% (3,45%)
Sonstige Ursache 23,73% (25,74%)

 

 


Tags:
allgäu unfall statistik polizei



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