Moderator: Marcus Baumann
mit Marcus Baumann
 
 
Symbolbild
(Bildquelle: Pixabay)
 
Allgäu
Dienstag, 6. August 2019

Ungefragte Stallbesuche nach Tiermisshandlungsskandal

Privatpersonen verschaffen sich Zugang und machen Fotos

Vermehrt berichten Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter davon, dass sich seit dem Tierhaltungsskandal im Allgäu Privatpersonen ungefragt Zugang zu ihren Ställen verschaffen und Fotos machen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. weist darauf hin, dass dies einen Hausfriedensbruch darstellen und zur Anzeige gebracht werden kann. Auch wenn in einigen Fällen vor Gericht die Ahndung von Tierschutzverstößen durch Privatpersonen als eine Art Selbsthilferecht anerkannt wurde, weil die Behörden ihren Pflichten nicht in ausreichendem Maße nachgekommen waren, ist es nicht hinnehmbar, dass die Aufdeckung eines Tierhaltungsskandals dazu führt, dass alle Milchbetriebe unter Pauschalverdacht gestellt werden und Privatpersonen mit Belohnungen für „Skandalbilder“ ermuntert werden, sich ansatzlos Zugang zu Milchviehbetrieben zu verschaffen.

„Viele Betriebe öffnen gerne für Besucher ihre Stalltüren und freuen sich über das Interesse der Bürgerinnen und Bürger und die Möglichkeit des gemeinsamen Gesprächs“, erklärt BDMVorsitzender Stefan Mann. „Das setzt aber natürlich voraus, dass man vorher fragt und nicht ungebeten die Betriebe betritt! Und nicht jeder, der das nicht will, hat automatisch etwas zu verbergen.“ „Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass irgendjemand akzeptieren würde, wenn wir nach Aufdeckung eines Tierhaltungsskandals in der Stadt einfach ungefragt irgendwelche Privatwohnungen betreten und Fotos machen würden, um festzuhalten, ob in den Stadtwohnungen die Haustiere artgerecht gehalten werden“, kritisiert Mann die Anstifter zu solchem Verhalten. Der BDM sieht mit Sorge, dass derartige Vorfälle zu einem Klima des Misstrauens und des Denunziantentums führen, das weder sachlich und menschlich gerecht noch hilfreich ist, wenn es darum geht, die Betriebe tiergerecht weiterzuentwickeln.

Dass Tierschutzverstöße geahndet werden müssen, steht für den BDM außer Frage. Wichtig ist dabei, dass die Behörden ihren Pflichten konsequent nachkommen, aber auch mit Augenmaß vorgehen und engmaschig kontrollieren, ob die Betriebe Möglichkeiten zur Verbesserung genutzt haben. Der BDM widerspricht aber der viel zu kurz gedachten Behauptung, dass Missstände, wie sie auf dem Großbetrieb im Allgäu aufgedeckt wurden, vor allem auf die Betriebsgröße und mangelnden Kontrollen zurückzuführen seien. Fakt ist, dass die Ausrichtung der Agrarpolitik auf immer schnelleres Betriebswachstum und noch effizientere Arbeitserledigung auf vielen Betrieben dazu geführt haben, dass die Relation zwischen den zu betreuenden Tieren und den vorhandenen Arbeitskräften nicht mehr stimmt. Die politischen Akteure, die diese Entwicklung maßgeblich mit vorangetrieben haben, tragen daran einen guten Teil Mitverantwortung.

„Wenn Beratungs- und Förderpraxis so aussehen, dass ein Stallbau nur dann als wirtschaftlich und damit als förderfähig beurteilt wird, wenn die Kuhplätze mindestens verdoppelt werden, führt die Maxime der Wirtschaftlichkeit und der Kostenreduktion in der Praxis häufig dazu, dass sich Betriebe immer öfter überfordern und in die Arbeitsfalle tappen statt sich organisch und angepasst an die individuellen Betriebsvoraussetzungen weiterzuentwickeln“, kritisiert Mann weiter. „Und immer noch wird auf Fachtagungen und Seminaren erzählt, dass man für 100 Kühe maximal eine Arbeitskraft brauchen darf. Das ist Wahnsinn!“ Eine permanente Kostenunterdeckung auf den Betrieben führt dazu, dass die Betriebe auf billige Arbeitskräfte angewiesen sind: in Lohnbetrieben oft unterdurchschnittlich bezahlt, in Familienbetrieben auf umsonst mitarbeitende Familienangehörige und lange arbeitskräftige Altenteiler. „Wer etwas für das Tierwohl tun will, soll sich mit uns dafür einsetzen, dass sich die Tierzahl und die Zahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte für die Tierbetreuung in einem Verhältnis gegenüberstehen, das menschlich und finanziell leistbar ist. Das nämlich ist der ausschlaggebende Faktor für das Tierwohl im Betrieb“, fordert Stefan Mann.


Tags:
Stall Hausfriedensbruch Bundesverband BDM



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Rentner erwacht in Lindenberg mit Platzwunde am Kopf - Betrunken aus dem Bett gefallen und verletzt
Samstagabend wurde ein betagter Mann in Buchloe von Angehörigen verletzt neben seinem Bett vorgefunden. Der Rentner war aus dem Bett gefallen und hatte sich dabei ...
Jugendliche werfen mit Pflastersteine um sich - Polizei Marktoberdorf hat Ermittlungen aufgenommen
Am Samstagabend, kurz nach 23.00 Uhr, teilte ein 59-jähriger Marktoberdorfer telefonisch mit, dass eine Gruppe Jugendlicher den Dammweg entlang gehen und ...
Verwirrte Frau überfährt rote Ampel in Marktoberdorf - Frontaler Zusammenstoß mit weiterem Verkehrsteilnehmer
Am Samstag, 25.01.2020, fuhr eine 72-jährige Ostallgäuerin mit ihrem Pkw von der Meichelbeckstraße kommend in die Rauhkreuzung ein und fuhr frontal in ...
Schwerverletzter Rollerfahrer nach Unfall bei Weiler - Unachtsame Autofahrerin übersieht 54-jährigen auf seinem Roller
Ca. 2.000 Euro Sachschaden und ein Schwerverletzter sind die Bilanz eines Verkehrsunfalles, der sich am Samstagmorgen in Weiler ereignete. Eine Autofahrerin übersah ...
Pfronten sucht die 11. Bergwiesenkönigin - Heimatverbundene Frauen der Gemeinde: jetzt bewerben!
Nach zwei Jahren endet die Amtszeit der 10ten. Pfrontener Bergwiesenkönigin Anna I. genau in 4 Monaten am 25. Juli 2020. Im Rahmen des Dorf- und Bergwiesenfest am ...
Verleihung der "Rote ASF-Rose" im Ostallgäu - Henrike von Platen die Preisträgerin für das Jahr 2020
Die SPD-Frauen und der SPD-Unterbezirk im Landkreis Ostallgäu und in Kaufbeuren verleihen seit 1998 anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März ...
© 2020 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
DIE LETZTEN 3 GESPIELTEN TITEL
 
Alle Farben & Justin Jesso
As Far as Feelings Go
 
Alok & Felix Jaehn & The Vamps
All The Lies
 
EAV feat. Lemo
Gegen den Wind
AKTUELLE BILDERGALERIEN
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Kontrolle auf Bauernhof im Oberallgäu
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Casinoatmosphäre
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Sonthofen-Burgberg
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum