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Memmingen
(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Allgäu - Memmingen
Mittwoch, 27. Mai 2015

Erweiterung des Allgäu Airports vor Verwaltungsgerichtshof

Lärmgegner und Naturschützer wollen Ausbau in Memmingen verhindern

Der Allgäu Airport bei Memmingen ist ab heute Thema beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München. Die Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm, die Gemeinde Westerheim und der Bund Naturschutz klagen gegen den Ausbau des Allgäuer Regionalflughafens. Vorausgegangen war ein Planfestellungsbeschluss des Luftamts Süd. Dieses genehmigt eine Ausweitung der Betriebszeiten in die Nachtstunden hinein und einen Infrastrukturausbau.

"Da die Lärmschutzbelange der umliegenden Bevölkerung völlig unzureichend berücksichtigt wurden und der Bedarf für einen Ausbau nicht nachgewiesen werden konnte, haben mehrere betroffene Bürger mit Unterstützung der Bürgerinitiative Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingelegt", so Prof. Dieter Buchberger, der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Bürger gegen Fluglärm e.V.".

Auch die Gemeinde Westerheim und der BUND Naturschutz klagen: "Klimaschutzbelange wurden in dem Beschluss überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl der Luftverkehr heute schon weltweit ca. 10% der Klimalasten ausmacht - mit deutlich steigender Tendenz", so Helmut Scharpf, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu.

Es folgt eine Pressemitteilung des BUND Naturschutz in Bayern e. V.:

Bedarf
2010 erreichte der Airport Memmingen mit 0,91 Mio. Passagieren pro Jahr seine höchste Auslastung. Mittlerweile sind die Passagierzahlen auf 0,75 p.a. Mio. gesunken. Doch eine nun angeblich urplötzlich entstehende starke Nachfrage soll 2020 bereits zu 1,65 Mio. und 2025 sogar zu 2,8 Mio. Passagieren führen. Um diese Nachfrage bewältigen zu können, soll der Airport ausgebaut werden. Das Betreiberkonsortium hat bis 2013 aber bereits 20 Millionen Euro Verluste angehäuft. Dies veranlasste die Wirtschaftsprüfer zu einer Warnung bezüglich der weiteren Zahlungsfähigkeit. Selbst der laufende Betrieb kann ohne weitere Zu- und Nachschüsse nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die über 100 Millionen Euro Ausbaukosten sollen nun als Fördermittel vom Freistaat und den Gebietskörperschaften geleistet werden.

„Wenn die Betreiber den Ausbau mit eigenem Geld bezahlen müssten, dann gäbe es diese absurden Pläne nicht. Doch die Hoffnung auf öffentliche Gelder des Freistaats und reichlich Aufträge für die heimische Bauwirtschaft führt dazu, dass märchenhafte Prognosen erstellt und leider von den Genehmigungsbehörden akzeptiert werden“ meint Prof. Dr. Dieter Buchberger, Vorsitzender der Bürger gegen Fluglärm e.V.

Die vorhandene Startbahn soll verbreitert, tragfähiger gemacht  und verlängert werden. Sie wird damit länger sein, als die neue Bahn am Flughafen Frankfurt. Außerdem soll eine zweite Startbahn für kleinere Flugzeuge gebaut werden, um auf der Hauptbahn mehr große und schwere Flugzeuge starten lassen zu können. Die Verbreiterung dient dem Verkehr mit besonders großen Flugzeugen. Mittlerweile wurde auch bekannt, dass der Airport sich intensiv mit Frachtflugplänen auseinandersetzt und hierzu bereits eine Studie anfertigen ließ.

Klimaschutz nicht beachtet
Obwohl der Allgäu Airport als Klimakiller Nr.1 im Allgäu bezeichnet werden kann, weigerte sich das Luftamt Südbayern, das Thema Klimaschutz in die Abwägung bei der Genehmigung mit aufzunehmen. Mit der Aussage, dass „regionale, nationale und internationale Klimaveränderungen in Folge des globalen Luftverkehrs nicht Gegenstand dieses Planfeststellungsverfahrens sind, da sie nicht dem konkreten Verfahren zugeordnet werden können“, (Planfeststellungsbeschluss Kap 3.4.2.3) begründet das Luftamt seine Weigerung das Thema zu behandeln. Wenn man der Logik der Planfeststellungsbehörde folgen würde, dann gäbe es keine globalen Klimaprobleme, weil es keine Verursacher gibt, denen der Ausstoß klimawirksamer Emissionen zugeordnet werden kann.

„Klimaschutz ist kein abstraktes Thema für internationale Konferenzen, sondern muss vor Ort umgesetzt werden“, kritisiert Harald Ruck, stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu die völlig unhaltbare Argumentation des Luftamtes.

Gerade durch den Billigflugverkehr, der am Flughafen Memmingerberg ausgeübt wird, wird nach Untersuchungen im Auftrag der Bundesregierung eine zusätzliche Nachfrage nach Flugverkehr in einer Höhe von 25% - 40% des Aufkommens ausgelöst (Flughafenkonzept der Bundesregierung 2009, S.19f.). D.h. 25 – 40% der Fluggäste würden ohne dieses Angebot entweder Schiene oder Straße benutzen oder überhaupt nicht verreisen. Durch den Ausbau und die geplante Vervierfachung der Fluggastzahlen werden also deutliche zusätzliche Klimalasten geschaffen.

„Da die Behörden verpflichtet sind, bei einem Planfeststellungsverfahren alle relevanten Belange umfassend abzuwägen, ist der Beschluss rechtlich nicht haltbar“, so Thomas Frey, BN-Regionalreferent für Schwaben.

Lärm
Der Hauptverkehr soll sich zukünftig nachts abspielen. Die verkehrsreichste Zeit soll zwischen 22.30 und 23 Uhr sein. Der Grund: Die Urlauber wollen ihren Urlaub bis zur letzten Sekunde auskosten. Dem Wunsch der Urlauber will der Airport nun Folge leisten und  hat dafür eine Nachtfluggenehmigung beantragt. Die Zahl der Nachtflüge soll hierfür von 65 auf 2.000 pro Jahr steigen. Außerdem steigere der Nachtflug die Auslastung der Flugzeuge, die Gewinne der Fluggesellschaften und die Wirtschaftlichkeit des Airports. Auch das wurde vom Airport als Argument pro Nachtflug vorgebracht.

„Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Störungen des Nachtschlafes vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können, auch wenn das die betreffende Person gar nicht wahrnimmt“, so Harald Ruck.

Damit Urlauber einmalig 1 oder 2 Stunden länger Urlaub machen können und Ryanair und Co. noch mehr Gewinne einfliegen, sollen nun 15.000 Anwohner in der Flugschneise Nacht für Nacht um den Schlaf gebracht werden.

„Diese Argumente finde ich einfach menschenverachtend“ meint Prof. Buchberger.

Altlasten
Der Boden am Airport ist verseucht mit krebserregenden polyfluorierten Tensiden. Diese haben in geringer Konzentration mittlerweile das Trinkwasser von Ungerhausen erreicht. Bisherige Baumaßnahmen haben höchstwahrscheinlich zu einer Mobilisierung der Gifte und zu einer Auswaschung ins Grundwasser geführt. Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt beklagten sich massiv über nicht angemeldete Baumaßnahmen des Airports. Weitere Baumaßnahmen würden die Situation noch verstärken.  Am Flughafen Nürnberg wurden wegen ähnlicher Probleme Baumaßnahmen eingestellt.

Ausgleichsflächen
Auch der Ausgleich für zusätzlich bebaute Flächen ist aus Sicht des BN unzureichend. Insgesamt sollen zur Abfertigung größerer Flugzeuge eine Fläche von über  325.000 m² neu geschaffen oder wesentlich verstärkt werden. Dies entspricht einer Kreisstraße von 50 km Länge.  Außerdem sollen Gebäude mit einer Kubatur von über einer Million m³ gebaut werden, was rund 1.000 Einfamilienhäusern gleichkommt.

„Der für den Eingriff zu leistende Flächenausgleich ist aus unserer Sicht unzureichend. Da fordern wir deutliche Nachbesserungen ein“, so Helmut Scharpf, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu.


Tags:
naturschutz fluglärm allgäu flughafen



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