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(Bildquelle: Fabian Schmid)
 
Allgäu
Freitag, 7. September 2018

Begleitung vom Leben bis in den Tod

Ehrenamtliche Hospizbegleiter im Allgäu

Peter Nessler ist ein sympathischer Mann mit fröhlich funkelnden Augen. Wenn er durch das Spital Immenstadt oder die Seniorenresidenz Blaichach geht, hat der 69-Jährige für die Menschen, die er trifft, stets ein freundliches Wort. 42 Jahre lang war Peter Nessler Biobergbauer aus Leidenschaft. Den ehemaligen Milchviehbetrieb in Niedersonthofen, der mittlerweile eine ganzjährig bewirtschaftete Alpe ist, hat er mittlerweile an seine Tochter und Schwiegersohn übergeben. Heute setzt er einen großen Teil seiner freien Zeit für seine Arbeit im Kreisspitalausschuss des Kreistages sowie für sein Ehrenamt als Hospizbegleiter bei der AllgäuPflege ein. Dabei begleitet er Menschen in den letzten Wochen, Tagen und Minuten ihres Lebens bis zu ihrem Tod - eine Tätigkeit, für die er sehr dankbar ist, wie er selbst sagt.

 

Vor vier Jahren ließ sich Peter Nessler beim Kemptener Hospizverein zum Hospizbegleiter ausbilden. Seither hat er mehr als 40 Menschen zuhause und in den Einrichtungen der AllgäuPflege in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet, hielt vielen von ihnen die Hand in den Minuten des Todes. „Die Menschen wenden sich über die Mitarbeiter der Seniorenheime an mich, wenn sie sich hospizliche Begleitung für ihre Familienmitglieder wünschen, etwa weil sie selbst nicht in der Nähe sind oder weil sie diese Aufgabe nicht bewältigen können oder – oft aus Hilflosigkeit - nicht möchten“, erklärt er. „Dann treffe ich treffe mich zunächst mit den Angehörigen, um von ihnen etwas über den Menschen, um den es geht, zu erfahren: wichtige Lebensereignisse, frühere Hobbies und Vorlieben oder Dinge, die ihn auf gute Weise an frühere Zeiten erinnern.“ Danach widmet er sich dem Menschen, den er begleitet. Manchmal nur wenige Tage lang, manchmal für ein Vierteljahr. 

„Ich begleite die Frauen und Männer bei allem, was da kommen mag. Ich nehme mir Zeit. Manchmal sitze ich nur da und halte jemandes Hand. Oder ich höre einfach zu. Viele erzählen mir ihre Lebensgeschichte. Dabei erfahre ich häufig von Dingen, die noch erledigt oder geklärt sein wollen.“ Wie etwa bei einer seiner letzten Begleitungen: „Die Dame konnte nicht loslassen, weil ein schlimmes Zerwürfnis zwischen ihren Kindern sie so sehr beschäftigte und belastete.“ Er habe die Kinder schließlich an einen Tisch bekommen und dazu angeregt, ihren Streit zumindest für kurze Zeit ruhen zu lassen, freut er sich. „Nachdem sie in diesem friedlichen Miteinander gemeinsam bei ihrer Mutter im Zimmer gewesen waren, konnte sie friedlich sterben.“ 

Dass es auch im Oberallgäu und in Kempten die Möglichkeit einer ehrenamtlichen hospizlichen Begleitung gebe, sei vielen Menschen nach wie vor nicht bekannt, bedauert Peter Nessler. Von denjenigen, die diese für ihre Angehörigen in Anspruch genommen haben, seien indes nur positive Rückmeldungen gekommen. Die Menschen in ihrer letzten Lebensphase seien dankbar für das ehrliche Interesse und die menschliche Zuwendung, sagt er. „Sie fühlen sich nicht alleingelassen und spüren, dass sie noch als Persönlichkeit wahrgenommen werden. Das gilt auch für Menschen, die sich nicht mehr artikulieren können. Sie haben sehr feine Antennen“, ist er überzeugt. Für die Angehörigen könnten die Gespräche mit dem Hospizbegleiter und dessen Unterstützung bei der Begleitung des Sterbenden eine enorme seelische Unterstützung bedeuten. 

Und wie hält er selbst es aus, so oft und so direkt mit dem Tod konfrontiert zu sein? „Für mich ist es schön und eine Ehre, wenn ich den Menschen die Angst vorm Sterben ein wenig nehmen und für sie da sein kann. Ich bin ein gläubiger Mensch, aber auf eine nicht bigotte Weise“ schmunzelt er. „Ich habe ein intaktes Familienleben, bin eins mit mir und habe viel Platz in meinem Inneren. Was viele verdrängen, ist mir sehr bewusst: Sterben ist Teil des natürlichen Lebenskreises.“ Natürlich spüre auch er Trauer. „Der gebe ich aber Raum. Dann setze ich mich auf mein Mountainbike und radle durch die Natur.“ Ihm selbst gebe die Tätigkeit sehr viel. „Mein Verhältnis zum Leben hat sich dadurch geändert. Ich war schon immer ein optimistischer, lebensbejahender Mensch, jetzt genieße ich jeden neuen Tag und alles Schöne noch bewusster.“ (pm)


Tags:
Alter Rente Hospiz Allgäu



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