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Schild einer Arbeitsagentur
(Bildquelle: Bundesagentur für Arbeit)
 
Allgäu
Dienstag, 31. Juli 2018
Arbeitslosenquote steigt im Allgäu leicht auf 2,3 %
Dennoch: Niedrigste Juli-Zahl der letzten zehn Jahre

Weitgehende Stabilität bestimmte auch im Juli die Ergebnisse auf dem Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus. Die Arbeitslosenquote lag mit 2,3 Prozent lediglich geringfügig über dem Ergebnis des Vormonats. Der Vergleich mit dem Juli des vergangenen Jahres bestätigt die insgesamt anhaltend günstige Situation, denn vor einem Jahr waren noch 470 Kräfte mehr arbeitslos gemeldet, die Quote lag seinerzeit beim höheren Wert von 2,5 Prozent. Der Zuwachs bei arbeitslosen Menschen rührte in Teilen von jüngeren Kräften, die nach Abschluss ihrer Ausbildung zumeist für kurze Zeit arbeitslos sind. Aktuell waren 8.800 Frauen und Männer bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den sieben Jobcentern arbeitslos gemeldet, knapp 340 mehr als im Monat zuvor. In der Altersgruppe der Jüngeren unter 25 Jahre nahm die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli um 230 Menschen zu. Anhaltend hoch blieb die Nachfrage nach weiteren Mitarbeitern. Annähernd 1.750 Stellenangebote stellten Arbeitgeber neu zur Verfügung, insgesamt standen gut 6.900 Beschäftigungsmöglichkeiten zu Buche.

„Der Arbeitsmarkt zeigte sich auch im Juli robust. Wie in den vergangenen Jahren meldeten sich auch dieses Mal junge Menschen vorübergehend arbeitslos, die nach Abschluss ihrer Ausbildung vom bisherigen Arbeitgeber nicht übernommen wurden oder die beim Ausbildungsbetrieb nicht bleiben wollten. Auch Jugendliche mit schulischem Abschluss mündeten nicht nahtlos in eine neue Beschäftigung ein. Aufgrund ihrer aktuellen Qualifikation können die jungen Fachkräfte oft bereits nach kurzer Zeit wieder eine neue Beschäftigung beginnen“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Berufliche Qualifikation führt für viele Menschen zu mehr Stabilität und Sicherheit im Erwerbsleben. Deshalb unterstützen wir als Agentur für Arbeit gerne arbeitslose Menschen bei ihrer beruflichen Weiterbildung.“

Qualifizierung bringt weiter
Mit beruflicher Qualifizierung steigern arbeitslose Menschen ihre Chancen auf eine neue Beschäftigung. Das zeigt sich bereits daran, dass Personen je nach ihrer Qualifikation unterschiedlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Im Jahresdurchschnitt 2017 erreichte die Arbeitslosenquote den Wert von 2,7 Prozent. Bei arbeitslosen Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung lag die Quote bei lediglich zwei Prozent. Menschen ohne Berufsabschluss waren mit einer Quote von 8,7 Prozentdeutlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen. Wie Ergebnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, sind diese Menschen meist auch über einen längeren Zeitraum ohne Beschäftigung.

Daher führt die Agentur für Arbeit kontinuierlich Qualifizierungen durch. „Lebenslanges Lernen lohnt sich, denn wer seine fachlichen Kompetenzen ausbaut und neue Fähigkeiten erlernt, tut sich leichter bei der Rückkehr in eine Beschäftigung“, so Maria Amtmann. „Man muss sich heute frühzeitig auf die schnelleren Veränderungen in der Arbeitswelt 4.0 einstellen und sich offensiv darauf vorbereiten.“ So haben in den letzten Jahren kontinuierlich mehrere hundert arbeitslose Frauen und Männer an längerfristigen Qualifizierungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit teilgenommen. Zuletzt waren das im Juli dieses Jahres knapp 750 Personen. Das Angebot war breit gestreut und richtete sich an Anforderungen des Arbeitsmarktes aus. Einige Beispiele: Maschinen- und Anlagenführer, Fachkraft Lagerlogistik, Steuerfachkraft, Altenpfleger, Erzieher oder Zerspanungsmechaniker.

Eine ganze Reihe von Teilqualifizierungen erhöht die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz, auch wenn dadurch noch kein formaler Berufsabschluss erreicht wird. Durch den Besuch weiterer Module kann ein derartiger Abschluss auch zu einem späteren Zeitpunkt erworben werden.

Nach aktuellsten Daten haben im Februar dieses Jahres 27 Kräfte einen Berufsabschluss erworben, im März waren es knapp 50 Frauen und Männer.

Um für arbeitslose Menschen einen zusätzlichen Anreiz für eine berufliche Qualifizierung zu schaffen, ist seit August 2016 eine Weiterbildungsprämie möglich. Wer eine Qualifizierung absolviert, die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf führt, für den nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften eine Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren festgelegt ist, erhält diese Prämie. Nach Bestehen der Abschlussprüfung wird ein Betrag in Höhe von1.500 Euro überwiesen. Sofern eine nach den genannten Vorschriften geregelte Zwischenprüfung zwingend vorgesehen ist, gibt es nach Bestehen eine Gratifikation von 1.000 Euro. Die Regelung gilt derzeit bis Ende 2020.

Um Menschen im Allgäu wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen, hat die Agentur für Arbeit in den letzten Jahren Beitragsmittel in beträchtlicher Höhe eingesetzt.

Der monatlich eingesetzte Betrag hängt stark von der Qualifikation der eingesetzten Schulungs- und Lehrkräfte sowie den notwendigen Sachkosten wie Miete und Maschinenpark ab. Die Summe bewegt sich in vielen Fällen zwischen knapp 200 und 1.000 Euro pro Monat und Teilnehmer.

Arbeitslose Menschen in Beschäftigung
Im Juli meldeten sich knapp 1.300 Menschen neu bei den Vermittlern arbeitslos, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren waren aktuell 1.100 Kräfte beschäftigungslos. Der Zuwachs um 230 junge Menschen blieb weit unter dem des Vorjahres. Seinerzeit hatten sich 183 junge Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet. Unter den Menschen, die sich neu bei den Vermittlern meldeten, befand sich eine Reihe, die nach Abschluss ihrer Ausbildung vorübergehend arbeitslos wurden. Viele können meist innerhalb kurzer Zeit eine neue Beschäftigung aufnehmen, denn ihre aktuellen beruflichen Kenntnisse sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Auch hat eine Reihe von ihnen andere berufliche Perspektiven wie z.B. Studium oder Besuch einer weiterführenden Schule.

Der Arbeitsmarkt blieb auch insgesamt im Juli weiter stark in Bewegung. Das zeigen auch Arbeitsaufnahmen von annähernd 1.100 Frauen und Männern, die sich aus diesem Grund von den Vermittlern verabschiedeten. Neben weiteren wurden neue Arbeitsverträge im Baugewerbe, im Logistiksektor und in der Hotellerie/Gastronomie abgeschlossen.

Die seit Monaten anhaltend gute Entwicklung des Arbeitsmarktes macht der mehrjährige Vergleich deutlich:

Betriebe suchen neue Mitarbeiter
Im Juli gaben Arbeitgeber erneut zahlreiche Stellen zur Besetzung herein. Unter den annähernd 1.750 neuen Beschäftigungsmöglichkeiten waren Tätigkeiten rund um den Werkstoff Metall stark vertreten. Fachkräfte in der Metallbearbeitung, im Fahrzeugbau und in der Schweißtechnik waren gefragt. Daneben gab es eine ganze Reihe von Offerten im Bereich Kunststoffverarbeitung und in der
Elektrotechnik. Unter den arbeitslos gemeldeten Menschen sind derzeit relativ wenige entsprechend qualifizierte Kräfte zu finden. Auch aus diesem Grund werden arbeitslose Menschen für derartige Tätigkeiten befähigt.

Anders sieht es bei Tätigkeiten im Verkauf oder in Büro und Verwaltung aus. Hier übersteigt  die Zahl der arbeitslosen Menschen deutlich eine entsprechende Nachfrage auf Seiten der Betriebe. Für Tätigkeiten im Verkauf sind 730 arbeitslose Kräfte verfügbar, in Büro und Sekretariat sind 640 Frauen und Männer auf der Suche nach einem neuen Job. Gleichzeitig wurden in der Region 270 Beschäftigungen im Verkauf und lediglich 80 für Sekretariatstätigkeiten angeboten. Aufgrund des deutlichen Überangebots von arbeitslosen Menschen in diesen Bereichen und des wiederum hohen Kräftebedarfs in anderen Feldern stellt sich zumindest bei einigen Arbeitslosen die Frage der beruflichen Umorientierung.

Die weit überwiegende Zahl der gemeldeten Arbeitsplätze richtet sich an qualifizierte Fachkräfte, Tätigkeiten im Helferbereich sind in der Minderheit. Im Juli richteten sich weniger als 20 Prozent aller Stellenofferten an Helfer, der Löwenanteil  wurde für Fachkräfte oder höher qualifizierte Mitarbeiter angeboten.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich
Das im Jahresvergleich stabile Ergebnis auf dem Arbeitsmarkt im gesamten Allgäu setzte sich auch in den einzelnen Wirtschaftsräumen fort. In den Regionen Marktoberdorf, Kaufbeuren und Kempten verbesserte sich der Arbeitsmarkt im Jahresvergleich. Dasselbe gilt für den Wirtschaftsraum Memmingen, der ein um 0,2 Prozentpunkte günstigeres Ergebnis vorweisen konnte. An der Spitze stand im bayerischen Teil des Allgäus – wie im Vorjahr – die Region Mindelheim mit einer Arbeitslosenquote von genau zwei Prozent. Im Jahresvergleich wies auch das südliche Oberallgäu einen schönen Rückgang auf. Dort ging die Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 2,3 Prozent nach unten. Nahezu alle Wirtschaftsräume des Allgäus wiesen aktuell bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma auf.

Unterschiede in Arbeitslosenversicherung und sozialer Grundsicherung
Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren weniger Menschen arbeitslos als im Jahr zuvor. Der Vergleich der beiden Juliwerte 2017 und 2018 zeigt einen stärkeren Rückgang auf Seiten der Agentur für Arbeit mit einem Minus von gut 290 arbeitslosen Menschen. In den Jobcentern waren im Jahresvergleich knapp 180 arbeitslose Personen weniger gemeldet. Die Agentur für Arbeit war im Juli für annähernd 4.950 beschäftigungslose Menschen zuständig, die Jobcenter betreuten 3.855 arbeitslose Kräfte. In der sozialen Grundsicherung werden neben arbeitslosen Menschen weitere Personengruppen von den Mitarbeitern der Jobcenter betreut. Zahlreiche Menschen gelten als nicht arbeitslos im Sinne des Gesetzgebers, weil sie kleine Kinder versorgen, Angehörige pflegen, sich in einer Qualifizierung befinden oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Der Ausbildungsmarkt als Bewerbermarkt
Der Ausbildungsmarkt befindet sich bereits auf der „Zielgerade“, denn bis zum  Ausbildungsbeginn Anfang September sind es nur noch wenige Wochen. Für junge Menschen, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sieht es gut aus, denn es gibt noch zahlreiche offene Ausbildungsplätze. Für verschiedene Arbeitgeber spitzt sich die Lage angesichts eines anhaltenden Überhangs an unbesetzten Ausbildungsplätzen zu. Seit Beginn des Beratungsjahres stellten Betriebe mehr als 5.800 Lehrstellen zur Verfügung, die höchste Zahl der letzten Jahre. Bei den Berufsberatern meldeten sich demgegenüber etwas mehr als 4.200 junge Menschen als Bewerber um eine Ausbildungsstelle. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang  um drei Prozent. Auch wenn sich bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres noch das Ein oder Andere verändern kann, ist bereits jetzt klar, dass nicht jeder gemeldete Ausbildungsplatz am 1. September besetzt sein wird. Derzeit sind noch 2.150 Ausbildungsplätze nicht vergeben. Gleichzeitig hatten im Juli 1.080 junge Menschen bisher keinen Ausbildungsplatz, der ihren Vorstellungen entsprach oder es lag noch keine entsprechende Mitteilung bei den Berufsberatern vor.

Ausblick
Auch im August ist nochmals mit einer vorübergehenden Zunahme arbeitsloser Menschen zu rechnen. Zahlreiche schulische und betriebliche Ausbildungen enden und nicht Jeder wird im unmittelbaren Anschluss in eine Beschäftigung übernommen. Wie die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, ist mit dem Ende der Sommerferien ein erneuter Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erwarten, denn nach der Haupturlaubszeit sind auch Personalabteilungen in Betrieben wieder gut besetzt.


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arbeitsmarkt allgäu bodensee wirtschaft



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