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(Bildquelle: Kleinwalsertal Tourismus eGen - Katrin Berchtold)
 
Kleinwalsertal
Donnerstag, 17. Oktober 2019

Erfolgreiche Überschreitung

Rückblick auf das 2. Literaturfest Kleinwalsertal

Das Literaturfest Kleinwalsertal überzeugte zum zweiten Mal durch hochkarätige Protagonisten, spannende Formate und die mit Bedacht gewählten Veranstaltungsorte. Den Auftakt des dreitägigen Festes rund um das gesprochene, geschriebene und geslammte Wort im Kleinwalsertal markierte der Slam im Tal #8 im Jugendzentrum Käfer.

Organisiert von der lokalen Jugend in Zusammenarbeit mit der regionalen Slamszene, begeisterte der Poetry Slam vor allem durch seine Vielseitigkeit. Denn die Texte reichten von Umwelt- und Artenschutz über gesellschaftskritische Texte bis hin zu gefühlsintensiven Performances zu Burn-out und Liebeskummer.
Der zweite Abend des Literaturfests widmete sich der Frage, wann die Grenze bei der Sammlung von Daten und deren Nutzung sowie der Überwachung überschritten werden. Dazu präsentierte Theresa Hannig ihren preisgekrönten Roman Die Optimierer in einer mit Licht und Ton unterstützten szenischen Lesung gemeinsam mit zwei Schauspielern. Die dystopische Zukunftsvision des Romans beruht auf einem sozialen Punktesystem, das durch Daten aus Internet und Überwachung gespeist wird. Darüber hinaus gibt es in dieser fiktiven Zukunft der Bundesrepublik Europa im Jahre 2052 eine Agentur, die jedem Bürger und jeder Bürgerin den jeweils richtigen Beruf zuweist oder entscheidet, ob und wie der Bürger etwas zur Gesellschaft beitragen kann. Was sich nach Science-Fiction anhört, ist gar nicht mehr weit entfernt. In diesem Punkt war sich die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde im Anschluss einig. Raimund Löw, der für den ORF drei Jahre aus China berichtete, bestätigte, dass derartige Systeme in China bereits getestet würden und die Bürger durchaus offen und positiv demgegenüber stehen. In einem totalitären und durch Machtverbindungen geprägten System sehen vor allem wirtschaftlich schwächer Gestellte Chancen auf mehr Gerechtigkeit. Eine klare Gegenposition zu Überwachung und die Nutzung von Daten bezog die Autorin Theresa Hannig, die zwar die technischen Möglichkeiten begrüßte, aber davor warnte, wie und von wem diese in Zukunft genutzt werden könnten. Für Dr. Kriemhild Büchel-Kapeller ist das Miteinander in einer Gesellschaft der soziale Kitt. Dieses Sozialkapital fehlt in einem derartigen Bonus-Malus-System, das größtenteils auf Daten und weniger auf dem Interagieren von Personen beruht. Tommy Schmidle führte durch die spannende Diskussion, die den Besuchern den einen oder anderen Denkanstoß geliefert haben dürfte.
Am Sonntag ging es dann auf eine Wanderung durch Wort und Tal, bei der fünf interessante Leseorte als Bühnen auf Autorinnen und Autoren aus Vorarlberg sowie aus Süddeutschland warteten. Präsentiert wurde dabei auch der Schulhausroman Kleinwalsertal. Passend zum Romanthema Spielsucht lasen die jungen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die diesem Roman im vergangenen Schuljahr gemeinsam mit Jürgen-Thomas Ernst als Schreibcoach verfasst hatte, in der bedrückenden Atmosphäre eines Bunkers. Im krassen Gegensatz dazu standen die Lesungen von Jürgen-Thomas Ernst in der herrlichen Herbstsonne im Freibad Riezlern. Hans Platzgumer ließ seine Protagonisten Grenzen im Almhof Rupp ausloten, denn seine Figuren überschreiten immer wieder die Linien zwischen Fakt und Fiktion oder Schuld und Unschuld. In der Pfarrkirche Riezlern, einem traditionell eher stillen Ort, las Verena Boos vom Verlust der Sprache und dem Aufeinanderprallen von Stadt und Provinz. Eine ganz besondere Erfahrung war sicherlich die Lesung von Daniela Egger, die von der Nacht des Kaisers erzählte und bei der eine alte Bauernstube mit der traditionellen japanischen Teekunst zuerst im Text, danach bei der Teezeremonie von Soyu Mukai verschmolz.
Den würdigen Schlusspunkt für das Literaturfest setzten zwei Teams aus Slampoeten, die sich in drei Kategorien in der untergehenden Sonne auf dem Walmendingerhorn maßen. Angeführt wurden die Teams vor wunderbarem Panorama von den zwei hochdekorierten heimischen Slamgrößen Ines Strohmaier und Ivica Mijajlovic. In Lyrik, Comedy und den spontanen Texten mit Begriffen aus dem Publikum kämpften die Teams um die begehrte Panorama Poetry Trophäe. Am Ende kürte das begeisterte Publikum beide Teams zum Sieger und Moderator Tommy Schmidle übergab den Pokal an die Teamleader.
Nach der Premiere im Jahr 2017 ist die zweite Auflage des Literaturfests Kleinwalsertal geglückt, die Überschreitung war erfolgreich und man darf gespannt sein auf die dritte Runde im Jahr 2021.


Tags:
Veranstaltung Rückblick Literaturfest Erfolg



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